Lörrach Eine Bagatelle?

 Foto: Kristoff Meller

Lörrach - Seit 1. Januar gilt die Bagatellgrenze von 50 Euro für die Rückerstattung der Mehrwertsteuer für Kunden aus Nicht-EU-Ländern wie der Schweiz. Im Vorfeld gab es viel Kritik von Seiten des Handels aus Angst vor rückläufiger Kundenfrequenz durch die Neuregelung. Doch wie ist die Situation wirklich in Lörracher Geschäften, zwei Wochen nach der Einführung – wird weniger oder sogar mehr eingekauft?

Die Bagatellgrenze wurde vor allem eingeführt, um den Zoll beim Abstempeln der „grünen Zettel“ zu entlasten. Ist das nach zwei Wochen bereits spürbar? „Es ist noch kein Trend absehbar, das können wir erst Ende Februar verlässlich sagen“, erklärte Antje Bendel, Pressesprecherin des Hauptzollamts Lörrach, am Freitag auf Anfrage.

„Es ist schon spürbar, dass wir weniger grüne Zettel ausgeben, man kann aber nicht von einem dramatischen Rückgang sprechen“, erklärt hingegen Thomas Wagner, Geschäftsführer von Wein Speck, im Gespräch mit unserer Zeitung. „Es ist sogar ab und zu so, dass jemand nach der Zwischensumme fragt und dann noch eine Flasche drauf legt, um über die Bagatellgrenze zu kommen“, hat er in den letzten Tagen beobachtet.

Ohnehin sei sein Geschäft von der Einführung der Bagatellgrenze weniger betroffen, „weil bei uns die Summen auf den Kassenbons meist etwas größer sind“. Dies dürfte auch auf die meisten Sport- und Lebensmittelgeschäfte zutreffen. Wenn die Bagatellgrenze – wie von Finanzminister Olaf Scholz ursprünglich geprüft – bei 175 Euro liegen würde, sehe es wohl ganz anders aus.

Wagner hatte zudem im Vorfeld befürchtet, dass er durch die Neuregelung „viele Diskussionen führen“ und „Aufklärungsarbeit leisten“ müsste, aber die eidgenössischen Kunden seien „sehr gut informiert“.

Diesen Eindruck kann auch Pia Scholl, Inhaberin von „Arabica –­ Kaffee & Lebensart“ am Senser Platz bestätigen: „Die Schweizer Kunden wissen Bescheid.“ Gleichwohl habe sie den Eindruck, dass die Anzahl der Besucher aus der Schweiz in ihrem Geschäft leicht zurückgegangen sei.

Ob dies auf die neuen Bestimmungen zurückzuführen sei, könne sie aber nicht mit Sicherheit sagen. „Vielleicht ist es auch ein Zufall, schließlich waren in der Schweiz gerade Ferien, und nach Weihnachten ist die Lust auf Schokolade vielleicht auch geringer, aber gefühlt sind es schon weniger Schweizer gewesen“, erklärt Scholl.

Das Ausfüllen der „grünen Zettel“ mache ihr grundsätzlich nichts aus, zumal diese auch hilfreich seien, um neue Stammkunden zu gewinnen, erzählt Scholl: „Bei uns kommt eigentlich nie jemand, um sich die Summe auszahlen zu lassen, es wird fast immer mit einem neuen Einkauf verrechnet.“

In der Osiander-Filiale am Alten Markt weisen Schilder an der Kasse auf die neue Regelung hin. Denn es wurde im Vorfeld ebenfalls mit „mehr Diskussionsbedarf“ gerechnet, wie Monika Franz-Gehlert berichtet. Seit Anfang Januar habe es zwar einige Kunden von jenseits des Rheins gegeben, die nicht über die Bagatellgrenze Bescheid wussten, „negative Erfahrungen haben wir bislang aber praktische keine gemacht“.

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Über weniger Kundschaft könne man sich ebenfalls nicht beklagen. „Bücher sind wegen der sieben Prozent Mehrwertsteuer aber ohnehin nicht so interessant für die grünen Zettel“, erklärt Franz-Gehlert. Gleichwohl gebe es seit zwei Wochen verstärkt Schweizer, die nachfragen und dann entsprechend mehr kaufen, um ein Formular für die Mehrwertsteuer-Rückerstattung zu erhalten.

Ebenfalls keine negativen Rückmeldungen von den Schweizer Kunden gab es bislang im Gartencenter Schmitt-Steul beim Hauptfriedhof, wie Vincent Schmitt auf Anfrage berichtet: „Bisher gab es keine Reklamationen.“ Auch lasse sich keine rückläufige Frequenz aufgrund der Einführung feststellen.

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