Lörrach Eine gelassene Sicht auf „Letzte Dinge“

Jürgen Scharf
Ergreifend und innig war die Aufführung des Requiems von Gabriel Fauré in Schopfheim und Lörrach. Foto: Jürgen Scharf

Von Jürgen Scharf

Lörrach/Schopfheim. Gabriel Faurés Requiem weist einen süßen Weg ins Paradies. Im letzten Satz „In Paradisum“ wird die Ankunft der von Engeln geleiteten Seele im Jenseits beschrieben – mit geradezu himmlischer, kindlicher Freude, fröhlichen Orgelklängen und Harfe. Auch ansonsten ist dieses französische Requiem anders als die großen Totenmessen, die man kennt. Es frönt nicht der Gigantomanie eines Berlioz oder der Wucht eines Verdi, ist keine aufbegehrende Totenklage, eher ein Werk der Verinnerlichung und entrückten Versenkung.

Gelebte Ökumene in der Kirchenmusik

Ganz in dieser stimmungsdichten zarten Atmosphäre war die Wiedergabe dieses lyrisch-kontemplativen Requiems in den beiden Kirchen St. Bernhard Schopfheim und St. Bonifatius Lörrach. Die Evangelische Kantorei Lörrach und der katholische Kirchenchor St. Bernhard unter Leitung der beiden Kantoren Andreas Mölder und Herbert Deininger taten sich zum Abschluss des Kirchenmusikfestivals „Goldener Herbst“ für dieses Aufführungsprojekt zusammen – gelebte kirchenmusikalische Ökumene. (Wir besuchten die Aufführung in Schopfheim, wo Andreas Mölder am Pult stand).

Bemerkenswert war, dass die Musik in der Originalfassung für tiefe Streicher, Blechbläser und Solovioline erklang. Das erzeugte eine schon vom außergewöhnlichen kammermusikalischen Instrumentalklang her romantisch-introvertierte Klangwirkung.

Umso schöner auch, dass es bei Fauré anstelle des Jüngsten Gerichts keinen „Tag des Zorns“ gibt, sondern die Musik ins himmlische Elysium führt und mit dem berühmten „Pie Jesu“-Satz in einen idyllischen Garten, eine Ruhe-Insel: eine Musik, die die Ruhe der Vollkommenheit ausstrahlt.

Im „Agnus Dei“ fällt die zarte Vertonung des „dona eis requiem“ auf, im engelsgleichen „Sanctus“ der wunderbar ätherische Klang. Auch das tut dem Zuhörer einmal gut, diese andere, milde, gelassene Sicht auf die „Letzten Dinge“.

Stimmungsvoll in dieser Atmosphäre angesiedelt war die Wiedergabe, ganz in der Welt der französischen Spätromantik, stilistisch einfühlsam mit dezentem Instrumentalklang und zwei Vokalsolisten, die keine wuchtigen Opernstimmen ausstellten.

Wunderbarer Dialog zwischen Bass und Melodie

Für den wunderbaren Dialog zwischen Bass und Melodie im „Libera me“ schwebte dem Komponisten ein „sanfter Bassbariton“ vor. Und den bekam er mit Manfred Plomer, der mit großer Anteilnahme sang. Die hauchzarte Gestaltung des „Pie Jesu“ der Sopranistin Miriam Striegel betonte den sanften, noblen Charakter der scheinbar schwerelosen Musik. Die Gesangssoli lösten, wie von Fauré gefordert, Ruhe und Ernst stimmlich ideal ein.

Der Orchesterpart mit Streichern, Harfe, Bläsern und der diskret stützenden Orgel (in Schopfheim füllte Herbert Deininger die Harmonien aus) war adäquat besetzt. Zuversichtlich klang die chorische Bitte um ewigen Frieden; Andacht herrschte in der Ausgestaltung der beiden vereinten Chöre, die zu einer Balance von Dezenz und ergreifend emotioneller Intensität fanden. Viele Zuhörer waren denn auch sichtlich ergriffen.

Damit das Konzert abendfüllend wurde, gab es noch zusätzliche Chor- und Instrumentalmusik, Faurés Frühwerk „Cantique de Jean Racine“ und die in einer Fassung von Hansjürgen Wäldele bearbeitete „Elégie“ von Fauré, deren elegisch-romantischem Stil die Cello-Solistin Anita Gwerder gerecht wurde.

Sie trat auch mit der Geigerin Eleonore Indlekofer in einem Duowerk von Peteris Vasks hervor, das in seinem schlichten, unaufdringlichen Gestus in die Gesamtstimmung des Abends passte, der mit dem abschließenden Requiem sehr anrührte und dessen innige Musik zu Herzen ging.

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