Lörrach Eine Wanderung durch den Wald und das Dickicht der Politik

Bernd Lucke im Gespräch mit Bürgern Foto: Beatrice Ehrlich Foto: Die Oberbadische

Von Beatrice Ehrlich

Lörrach. „Gehen wir los, schließlich sind wir eine Partei des Aufbruchs“ – ein bunt gemischtes Trüppchen hat sich am Samstagmorgen am Brunnen in der Luckestraße eingefunden, um mit dem Europaabgeordneten Bernd Lucke nach Kandern zu laufen. Männer, Frauen, Paare, ein Kind. Mittendrin mit Rucksack und kurzen Hosen: Lucke.

Es gibt viel zu besprechen. Kaum hat die Wandergruppe die ersten Schritte zurückgelegt, sind schon alle in angeregte Gespräche vertieft. Ein junger Mann, der in der Schweiz arbeitet, macht sich Sorgen über die europäische Wirtschaftspolitik, ein ehemaliger Firmeninhaber aus der Nähe von Stuttgart fordert „konstruktive Vorschläge“ in der Flüchtlingspolitik. Was alle Anwesenden offenbar vereint, ist eine gewisse Unzufriedenheit mit der gegenwärtigen Entwicklung. „In einem Unternehmen kann man sich so etwas nicht leisten“ ist ein Kommentar, der mehrmals fällt. Geduldig nachfragend hört Lucke jedem einzelnen zu, auch der Frau mit Hund, die sich um die Belastung der Lebensmittel mit Nanopartikeln sorgt. Dabei geht es in schnellen Schritten an der Burgruine Rötteln vorbei und weiter durch den Wald in Richtung Kandern.

Beim Wandern auf Korsika mit der Familie ist Lucke auf die Idee gekommen, dass eine gemeinsame Wanderung ein passendes Format für politische Gespräche sein könnte. Im direkten Kontakt, mit der Möglichkeit auch ein, zwei oder drei Mal nachzuhaken – so ganz anders als es in politischen Saalveranstaltung möglich ist, wo die Zuhörer, wenn überhaupt, dann nur ein Mal zu Wort kommen. Lucke wirkt in diesem Format authentisch und entspannt. Auch er selbst kann im Gespräch mit den anderen nachhaken und beispielsweise deutlich machen, dass er nicht dafür zu haben ist, die Freundschaft mit den USA aufzukündigen, zugunsten Russlands, in dem nicht wenige der Anwesenden den ehrlicheren Partner sehen.

Die letzten Monaten waren für Lucke mühsam, die Trennung von der AfD und die Gründung seiner neuen Partei Alfa. Man merkt, dass es ihm ernst ist mit seinen Anliegen, er bekennt, eigentlich fast immer politische Fragen im Kopf zu haben. Auch seine Mitwanderer machen sich viele Gedanken, möchten aktiv werden. Von den Medien fühlen sie sich einseitig und unzureichend informiert: Ein Arzt der zum Arbeiten nach Frankreich pendelt, will von der Politik keine schönen Worte hören, sondern endlich „reinen Wein eingeschenkt bekommen“. Ein Freiburger Rechtsanwalt formuliert es so: „Deutschland fährt sehenden Auges gegen die Wand“. Fast alle sind bereits Alfa-Mitglieder, kaum einer war vorher in der AfD. Lucke bestätigt das: 40 Prozent der neuen Mitglieder habe keine AfD-Vergangenheit. Er hofft auf mindestens drei Prozent in Baden-Württemberg, „keiner weiß, was kommt“.

Zum Abschluss in Kandern lädt Lucke alle, die durchgehalten haben, zum Eis in die Eisdiele ein. Jetzt sitzen die Wanderer wie eine Gruppe Freunde zusammen, für den Rückweg wird gemeinsam ein Taxi bestellt. Nächstes Wochenende läuft Lucke auf dem Bettlerpfad von Badenweiler nach Merzhausen.

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