„Er ist ein tolles Beispiel für gelungene Integration.“ Mit diesen Worten stellt Bernd Schandera, Geschäftsführer der Dieter-Kaltenbach-Stiftung, den 21-jährigen Eritreer Yonas Brhane vor.

Von Asia Lomartire

Lörrach. Mit 17 Jahren flüchtete Brhane aus seiner Heimat. Der Grund: In Eritrea muss jeder junge Mann nach der elften Klasse Militärdienst leisten. Offiziell dauert dieser 18 Monate, doch er wird laut Brhane ohne Gründe um viele Jahre verlängert. Deshalb flüchtete er wie viele andere.

„Der schwierigste Teil der Flucht war nicht das Mittelmeer. Auf dem Boot gibt es nur zwei Möglichkeiten – sterben oder überleben. Der Weg durch die Wüste war anstrengender. Es ist sehr heiß und man läuft tagelang. Über Italien bin ich dann nach Deutschland gekommen“, schildert Brhane seine lange Reise. Seine Familie, zu der er seit seiner Flucht keinen Kontakt hat, musste er zurücklassen. Oft denkt er wehmütig an seinen Heimatort, wo er seine Kindheit verbracht hat.

Doch er schaut nach vorne. Nach seinem Aufenthalt in Schweigmatt leitete ihn das Jugendamt an die Dieter-Kaltenbach-Stiftung weiter. Sozialarbeiter betreuen dort 19 Jugendliche, darunter sieben „unbegleitete minderjährige Ausländer“. In Lörrach, Rheinfelden und Weil am Rhein unterhält die Stiftung acht Wohnungen, in denen jeweils zwei bis drei Jugendliche wohnen.

„Unsere Jugendhilfe richtet sich an diejenigen, die nicht mehr Rund um die Uhr betreut werden müssen, sondern mit einem Bein schon im Leben stehen. Unser Ziel ist die Verselbstständigung, sodass die jungen Leute mit 21 Jahren ausziehen und ihr Leben selbst planen können“, erklärt Schandera. Dafür besuchen Sozialarbeiter die Wohngemeinschaften zwei- bis dreimal die Woche und schauen, wie der Haushalt geführt wird. Außerdem führen sie Gespräche mit denen, die Probleme haben.

Nach einer schwierigen Suche ist Yonas Brhane vor einer Woche aus einer solchen Wohngemeinschaft ausgezogen und lebt jetzt in Schopfheim in einer eigenen Wohnung. Der 21-Jährige fühlt sich wohl in Deutschland und hat hier noch keine schlechten Erfahrungen gemacht. „Lörrach ist meine zweite Heimat“, sagt er und lächelt. Das Erlernen der deutschen Sprache und die Pünktlichkeit waren für ihn die größten Herausforderungen.

„Am Anfang fiel es mir schwer die Sprache zu lernen. Ich habe einen Sprachkurs besucht und war erfolgreich. Pünktlichkeit war für mich etwas Neues und ich bin noch auf dem Weg das zu lernen.“ Seit September vergangenen Jahres ist er bei der Firma Endress+Hauser beschäftigt und befindet sich in der Einstiegsqualifizierung. Wenn Brhane diese mit Erfolg abschließt, darf er ins zweite Lehrjahr wechseln.

Im Fußballverein Hausen hat er sich zu einem starken Spieler entwickelt, bestätigt Marcel Marktanner, Betreuer der Jugendhilfe. „Ich habe viele Freunde gefunden – in der Schule, im Fußballverein und in der Ausbildung.“ Brhane besucht derzeit zusätzlich die Abendschule, um das Fachabitur abzulegen. später will er studieren. „Mein größter Traum ist es, Ingenieur zu werden.“ In Deutschland will er dauerhaft bleiben.