Lörrach Endlich: Profis dürfen wieder ran

 Foto: Die Oberbadische

Lörrach - Nach einem mehr als zweimonatigen Shutdown dürfen Friseure ab 1. März wieder öffnen. Während die Lörracher Salons noch letzte Vorbereitungen für die Wiedereröffnung treffen, stehen die Telefone kaum still.

„Wir hätten gerne renoviert, aber ich musste das ganze Kapital in die Kosten wie Finanzamt, Gewerbesteuer, Miete, Strom stecken. Es blieb kein Cent für Renovierungen übrig, und die Mitarbeiter musste ich in Kurzarbeit schicken“, beklagt Aniello Giordano, Inhaber des gleichnamigen Salons am Lörracher Marktplatz.

Giordano beteiligte sich angesichts der schwierigen Lage im Januar auch an der bundesweiten Aktion „Licht an, bevor es ganz ausgeht“ (wir berichteten). Denn: „Wir warten immer noch auf die staatlichen Hilfeleistungen. Die Frage ist, ob wir nach der Wiedereröffnung genug Umsatz machen, um alle Kosten zu decken“, erklärt Giordano im Gespräch mit unserer Zeitung..

Private Altersvorsorge verbraucht

Nicht besser sieht es bei Friederike Vollnhals aus: „Ich musste sogar das Geld meiner privaten Altersvorsorge nutzen, um die Miete und meine Mitarbeiterin zu bezahlen. Alles ging ja weiter“, berichtet die Inhaberin von „Vollnhals Frisuren“ in der Kreuzstraße.

Jürgen Fritz musste seine Mitarbeiter ebenfalls in Kurzarbeit schicken, dennoch waren sie nicht untätig: „Natürlich, das Geschäft war geschlossen. Der Lockdown wurde von ihnen genutzt, um Online-Schulungen zu besuchen“, berichtet der Friseurmeister.

Oliver Bohn, Geschäftsführer des Salons Intercoiffure Bohn, der auch eine Friseurschule betreibt, nutzte die Zeit, um neue Friseure auszubilden: „Ein Teil der Mitarbeiter wurde in Kurzarbeit geschickt. Durch virtuelle Klassenzimmer, die wir schon vor dem Lockdown genutzt haben, konnte aber auch Unterricht stattfinden.“

Nach viel Theorie und Stillstand wartet nun ab der kommenden Woche wieder die Praxis. Doch für die Wiedereröffnung müssen die Friseursalons aufgrund der Corona-Verordnung viele, teils auch verschärfte Maßnahmen umsetzen: Es gilt eine Maskenpflicht (medizinische Masken oder FFP2), dazu kommen Abstandsregeln und Hygienevorschriften sowie regelmäßiges Lüften.

20 Quadratmeter je Kunde

Außerdem gibt es eine Sonderregel für Friseure: Für jedes Paar aus Kunde und Friseur müssen 20 Quadratmeter zur Verfügung stehen. „Zum Glück haben wir vor zwei Jahren renoviert und das Geschäft vergrößert, sonst könnten wir nicht zu zweit gleichzeitig arbeiten“, erklärt Friederike Vollnhals.

Um den vorgeschriebenen Abstand einzuhalten, müsse immer ein Platz freigelassen werden. Außerdem dürfen sich laut Vollnhals nur wenige Kunden im Geschäft aufhalten: „Es darf kein Dritter beim Haarefärben warten, während ein anderer Kunde bedient wird.  Zusätzlich muss gelüftet werden, was mit nassen Haaren bei kalten Temperaturen unpraktisch ist.“ Darum hat Vollnhals in einen zusätzlichen Luftreiniger investiert, der die Luft auf einer Fläche von 50 Quadratmetern dauerhaft reinigt.

So ist sie gut gerüstet für den bevorstehenden Ansturm. Denn schon jetzt ist die Nachfrage für Termine im März laut Vollnhals sehr hoch. Um die Anfragen zu koordinieren, nutzt sie Anrufbeantworter und E-Mail: „Des Weiteren sind wir zwei Tage vor der Wiedereröffnung, also am Freitag, 26. Februar, und Samstag, 27. Februar, im Geschäft und nehmen persönlich Anrufe entgegen.“

Oliver Bohn hat eine etwas andere Vorgehensweise: „Wir haben eine Liste im Terminbuch mit Kunden, die vor dem Lockdown Termine hatten, und versuchen, diese abzutelefonieren. Natürlich können wir nicht alle abarbeiten. Jedoch nutzen wir die flexible Arbeitsdauer und die längeren Arbeitszeiten, um so viele Kunden wie möglich zu bedienen.“

Telefondienst eingerichtet

Auch Jürgen Fritz macht es ähnlich: „Wir telefonieren mit den Kunden, deren Termine im Dezember ausgefallen sind, die haben Vorrang. Zusätzlich haben wir auch einen Telefondienst, um Anrufe anzunehmen. Aber wir nehmen nur so viele Kunden an, wie zugelassen sind.“

Das ist auch Aniello Giordano wichtig: „Wir geben jedem Kunden einen zugeordneten Platz.“

Auch bei der Compagnia della Bellezza stehen die Telefone kaum still: „Es gibt einen hohen Andrang. Wir nehmen Kundentermine überwiegend telefonisch an, aber auch via E-Mail oder via Social Media“, berichtet Inhaber Carmelo Di Mattia.

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