Lörrach Es gibt keinen Glühwein

Guido Neidinger

Lörrach - Die Ankündigung der Stadt, dass es am ohnehin verkleinerten Weihnachtsmarkt in diesem Jahr keine Gastronomie gibt, hat zu erheblicher Verstimmung in der Bevölkerung geführt. In der Sitzung des Hauptausschusses legte die Stadtverwaltung die Gründe dafür dar. 

„Auch ich habe versucht, den Weihnachtsmarkt mit Gastronomie zu ermöglichen, musste mich letztlich aber beugen.“ Bei Oberbürgermeister Jörg Lutz war spürbar, dass ihm die Absage eines regulären Weihnachtsmarkts mit allem Drum und Dran unangenehm ist. Betroffen machen ihn auch die Stimmungskampagne gegen die Stadt – vor allem in den sozialen Netzwerken. Dass Lörrach im Gegensatz zu Freiburg, Weil am Rhein und Rheinfelden nur einen Händlermarkt ohne Glühwein und sonstige gastronomische Angebote in der Vorweihnachtszeit auf die Beine stellen will, hat ein Bündel von Gründen.

„Sehr ungünstige Situationen“ beim Herbstfest

Diese erläuterte der zuständige Fachbereichsleiter Lars Frick dem Ausschuss. Weil die Marktmeister-Stelle im Rathaus immer noch nicht besetzt ist, muss sich der Fachbereich Kultur und Tourismus „ohne großes Know-how Märkte aus den Rippen schneiden“. Zudem sei die Corona-Verordnung für Weihnachtsmärkte „sehr viel enger gefasst“ als bei anderen Veranstaltungen. Der Vergleich mit dem Herbstfest, wo es „zu sehr ungünstigen Situationen gekommen“ sei, ist für Frick kein Maßstab. Dies vor allem deshalb, weil die Stadt hier „nicht Veranstalter war“, wie Jörg Lutz ergänzte.

Ursprünglich war laut Frick Gastronomie während des Weihnachtsmarkts konzentriert auf dem Platz hinter der evangelischen Stadtkirche geplant. Dafür aber müsste der Platz komplett eingezäunt und die Zugänge ständig kontrolliert werden. Auch die angesprochenen Gastronomen „waren nicht begeistert“ von dieser Idee.

Eine Absperrung des gesamten Weihnachtsmarkts ist für Frick nicht machbar, da nicht alle Innenstadt-Besucher zum Weihnachtsmarkt wollten, sondern nur Geschäfte ansteuern würden.

Warum schafft es Freiburg?

Aber warum schafft es Freiburg, einen Weihnachtsmarkt mit gastronomischen Angeboten zu realisieren? Auch dafür hatte Frick eine Erklärung. 32 Kontrolleure würden in Freiburg mit Laptops ausgestattet und die QR-Codes der Besucher überprüfen. Das koste die Stadt 270 000 Euro zusätzlich zu den sonstigen Kosten. Für Lörrach wäre ein solches System mit Kosten „nicht deutlich unter 100 000 Euro“ möglich. „Ich tue mich schwer, diese Kosten zu rechtfertigen“, betonte Frick angesichts von Kürzungen im Kultur- und Sozialbereich.

Auf den Vorwurf von Bernhard Escher (fraktionslos), in Lörrach stelle man sich die Frage, warum Weil am Rhein und Rheinfelden „das hinkriegen und wir nicht“, antwortete Jörg Lutz, dass die Ausgangsbedingungen in diesen Städten anders seien als in der sehr stark frequentierten Lörracher Innenstadt.

Während Ulrike Krämer (CDU) vorschlug, gemeinsam mit den Wirten der Innenstadt nach einer Lösung zu suchen, gab Thomas Hengelage (Grüne) zu bedenken, dass die Besucher „sich dann in und an den Lokalen knubbeln“. Trotz dieser Bedenken will Frick mit den Wirten reden. Auch Lutz baut auf die Gastronomen, „die sich da auskennen“.

Vierte Corona-Welle zu Beginn des Winters?

Ulrich Lusche (CDU) zeigte sich trotz aller Ankündigungen skeptisch, „ob schon feststeht, was in Weil am Rhein und Rheinfelden möglich ist“. Lutz betonte, dass eine vierte Corona-Welle zu Beginn des Winters sehr wahrscheinlich sei und von Experten erwartet werde. „Wir wissen nicht, was kommt und müssen auf Sicht fahren.“

Während schon jetzt in Lörrach die Enttäuschung groß ist, sehen die Händler laut Frick das anders: „Sie sind froh und dankbar, dass es überhaupt einen Weihnachtsmarkt gibt – auch ohne Gastronomie.“

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