Lörrach Etwas erzählen, das bleibt

Gabriele Hauger
Kinderbuchautor Saša Stanišic liest als Streaming auf der Kinderbuchmesse. Foto: Katja Saemann

Lörrach. Die 30. Kinderbuchmesse Lörracher LeseLust macht Lust aufs Lesen, alle Veranstaltungen finden ohne Publikum mit Video statt, abrufbar auf www.burghof-leselust.com vom 26. bis 28. November kostenfrei.

Per Stream liest beispielsweise Buchpreis-Gewinner Saša Stanišicć für Kinder aus „Hey, hey, hey Taxi!“ die fantastischsten Abenteuergeschichten, die man im Taxi erleben kann. – live am Samstag, 27. November, um 11 Uhr und danach bis 28. November als Videoaufzeichnung. Gabriele Hauger unterhielt sich mit dem Autor.

Frage: Sie lesen bei der Lörracher Kinderbuchmesse – nicht live, sondern gestreamt. Kann das die Kinder genauso packen? Hat es sogar Vorteile? Und wie groß ist der Unterschied für Sie als Autor und Lesenden?

Die Erfahrungen sind natürlich kaum zu vergleichen, sowohl für die Zuschauenden als auch für mich. Vieles von dem, was eine Veranstaltung vor Ort eigentlich besuchenswert und gestaltenswert macht – die Nähe, der spontane Austausch, die Atmosphäre – fehlt. Auch die Aufmerksamkeit herzustellen und zu halten, fällt in so einem Gruppenzusammenhang vor Ort wesentlich leichter. Leider sind die Zeiten aber nun mal eben so wie sie sind. Wir geben alle unser Bestes, damit Kultur – von der Politik ohnehin meist stiefmütterlich behandelt – dennoch wachsen kann. Auch ich werde mich bemühen, den Kindern eine schöne Erinnerung zu schaffen.

Frage: Kinder sind bekanntermaßen das ehrlichste Publikum. Warum schreiben Sie so gerne für die Jüngsten?

Die Kindheit ist die prägendste Zeit. Und in der Zeit spielen Geschichten – neue Welten, andere Lebensentwürfe, das Erzählen überhaupt als fruchtbarer Akt der Kommunikation – eine große prägende Rolle. Ich erinnere mich an meine Lektüren als Kind, wie sehr ich die Zeit mit Büchern genoss und die mich letztlich sicher auch zu dem gemacht haben, was ich heute bin: ein Bücherschaffer. Und ich betreibe das wirklich alles gern: ein bisschen mich einmischen in die Lesewelten von Kindern und dabei ein bisschen auch gern wollen, dass ich etwas erzählt habe, was bleibt.

Frage: Den wenigsten Eltern gelingt es – trotz guter Absichten – die neuen Medien aus dem Kinderzimmer zu verbannen. Wie schafft man es, sie dennoch zum Lesen oder Zuhören zu bringen? Und warum ist das selber Lesen so wichtig?

Neue Medien und Lesen/Zuhören schließen sich nicht aus, beziehungsweise müssen auch nicht um nur den einen Platz im Leben von Kindern streiten. Vielmehr geht es um die Frage, welche Geschichten wie am besten erzählt werden können. Auch eine Fernsehserie oder ein Hörspiel können von hoher Qualität und gewinnbringend sein für das Kind, oftmals mehr als es ein Buch wäre. Umgekehrt gibt es Bücher, die in der langsameren Wahrnehmung durch das Lesen oder auch die Komplexität der Geschichte und die Schönheit und Kraft der Sprache die beste Wirkung entfalten, wenn sie in Ruhe und mit Zeit konsumiert – gelesen – werden.

Die Herausforderung für uns Eltern ist eine ganz andere: Filtern. Sich das Privileg der Zeit nehmen können, um selbst mal nachzusehen, nachzuholen, nachzuspielen, was diese Netflix-Serie oder jenes Hörspiel oder dieses Computerspiel können. Was sie sind, wie sie funktionieren. Und dann eben zu sagen, ehrlich zu sagen –­ und mit dem Kind auch darüber zu verhandeln: Das ist großer Mist oder aber eben nicht. Und natürlich dann gewisse Grenzen festzulegen, wie viel der Aufmerksamkeit welchem Medium gilt.

Frage: Was macht ein gutes Kinderbuch, was einen guten Kinderbuchautor aus?

Manchmal denke ich: Es gibt keine schlechten Kinderbücher. Oder auch: Sogar ein schlechtes Kinderbuch ist besser als gar keines. Vielleicht – wahrscheinlich – stimmt das nicht, aber den Zugriff auf Bücherwahl auf das Lesen zu haben, quasi permanent und überall: Man muss sich klar machen, dass das nicht jedem Menschen vergönnt ist und andererseits entsprechend auch bereit sein – wenn man schon mal was „schlecht“ findet – es besser zu machen, vielleicht die Geschichte selbst beim Vorlesen zu verändern oder mit dem Kind auch zu besprechen, was nun an einer Geschichte nicht so gut war. Geschichten sind stets Kommunikation und Teamarbeit. Sender und Empfänger sind nötig, auch wenn man selbst beides ist. Und damit hat auch der zweite Punkt zu tun: ein Kinderbuch, das man selbst schlecht findet, muss nicht zwangsläufig schlecht für andere sein. Als Leser sind wir mit jeweils eigenen Erfahrungen und Vorlieben ausgestattet, die wir in die Lektüren hineinbringen.

Frage: In „Hey, hey, hey Taxi!“ geht es um Fantasie und Abenteuer. Woher nehmen Sie solche Ideen, und was erwartet die Zuhörer?

Hey, hey, hey, neulich bin ich in ein Taxi gestiegen, und der Fahrer war dieses Interview!

Saša Stanišic wurde 1978 in Višegrad (Jugoslawien) geboren und lebt seit 1992 in Deutschland. Seine Erzählungen und Romane wurden in über 30 Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet. Stanišić lebt und arbeitet in Hamburg.

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