Lörrach Expertengespräch zum Thema Flucht

Dominik Bartsch spricht mit den Oberstufenschülern über die Flüchtlingshilfe. Foto: Beatrice Ehrlich

Lörrach . Mit Dominik Bartsch, Repräsentant des UNHCR in Deutschland, war am Montag auf Einladung von Unicef ein ausgewiesener Experte in Fragen Flucht am Hans-Thoma-Gymnasium zu Gast. In elf Ländern war er im Laufe seiner Dienstzeit bereits stationiert, darunter Irak, Afghanistan und Somalia.

Sachkundig berichtete Dominik Bartsch, der selbst einmal Schüler des Hebel-Gymnasiums war, fast 300 Oberstufenschülern der beiden Campus-Gymnasien von der Arbeit des Flüchtlingshilfswerks, über die Genfer Flüchtlingskonvention, über rechtliche Fragen und die Notwendigkeit der Integration anerkannter Flüchtlinge. Er fordert die Schüler auf, sich einmal selbst in die Rolle eines an Leib und Leben bedrohten Menschen zu versetzen: „Stellt Euch vor, es herrscht Krieg und Panzer rollen das Wiesental herunter“.

Ob die Flucht über den Rhein ins rettende Ausland wohl so einfach wäre, wie wir uns das heute vorstellen? Gleich darauf ging es zurück ins Hier und Heute. Von den etwa 1,4 Millionen Ankömmlingen in Deutschland im Jahr 2015 und 2016, hätte ungefähr die Hälfte einen Flüchtlingsstatus geltend machen können, referiert er. 400 000 unter ihnen seien jetzt schon in Arbeit – eine Erfolgsgeschichte. Das auch die Nichtanerkennung des Flüchtlingsstatus eine Konsequenz haben müsse, verschwieg er nicht. „Sonst bräuchten wir kein Asylverfahren.“

Kritische Fragen der Schüler

Mindestens so viel Aufmerksamkeit wie seinem Vortrag schenkte Bartsch den Fragen der Schüler. Diese waren zum Teil durchaus kritisch. So stellte ein Schüler das Dublin-Abkommen in Frage, laut dessen Flüchtlinge in dem EU-Land Asyl beantragen müsse, das er zuerst betreten habe. Kaum denkbar, dass so jemand jemals Schweden erreichen könne, kritisiert er.

Für flüchtlingsarme Zeiten gemacht und als Arbeitsteilung zwischen den EU-Staaten gedacht, sei das System in den vergangenen Jahren an seine Grenzen gekommen, räumt Bartsch ein, man gehe aber davon aus, dass es durch die geringeren Einreisezahlen bald wieder reibungslos funktioniere.

Ein Schüler erinnerte daran, dass es noch keine hundert Jahre her sei, dass deutsche Bürger im Ausland Schutz suchen mussten, und wunderte sich, wie man vor diesem Hintergrund überhaupt Zweifel an der Flüchtlingsaufnahme haben könne.

Diese Frage gibt Bartsch direkt an die anderen Schüler weiter. Leider werde das Thema Flucht und Migration in der Öffentlichkeit oft in polarisierender Art dargestellt, oft im negativen Sinne. Jeder müsse für sich entscheiden, wie er sein Menschenbild mit seinem Handeln vereinbaren könne. „Gutmenschen oder Wutbürger – es liegt in Eurer Hand“.

Zum Schluss gibt Bartsch, von einem Schüler gefragt, wie man sich am besten selbst einbringen könne zum Wohle der Flüchtlinge, den Jugendlichen einen einfachen Rat: Auf die Menschen zugehen, ein Gespräch anfangen, das sei das Wichtigste. Gerade den Jüngeren unter den Flüchtlingen, ohne Familie und oft ganz auf sich allein gestellt, fehle häufig besonders die Ansprache.

Am Abend referierte Dominik Bartsch außerdem im Rahmen der Vortragsreihe Cum Tempore in der Aula „Tonart“ zum Thema: „Flüchtlinge in Deutschland: Solidarität oder Egoismus – oder beides?“ (wir berichten noch).

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