Lörrach Exquisite Klangrede

Jakob David Rattinger bezauberte mit Perlen barocker Gambenmusik. Foto: Willi Vogl Foto: Die Oberbadische

Von Willi Vogl

Lörrach. Die Freunde historischer Aufführungspraxis kamen am Sonntag im Burghof voll auf ihre Kosten. Musik und Instrumententyp stammen aus der Barockzeit. Jakob David Rattinger spielte auf dem Nachbau einer siebensaitigen Gambe, einem Zwitter zwischen Violoncello und Gitarre. Sein Instrument vereint die Kontrabass- mit der Bratschenlage und ermöglicht auf Grund seiner Bauweise gleichermaßen gut melodisches und akkordisches Spiel. Im Mittelpunkt von Rattingers Präsentation standen Werke französischer und deutscher Meister vom ausgehenden 16. bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts.

Oftmals waren diese Komponisten auch Gambenvirtuosen. Mit einem genauen Blick auf die tradierten Noten, den historischen Instrumentenbau und die besonderen Spielmöglichkeiten der Gambe entwickelte Rattinger einen fantasievollen Exkurs in die barocke Gambenmusik. So konnte Carl Friedrich Abels „Prelude Arpeggiata“ mit gelöst schwingenden Akkordbrechungen großen Charme verbreiten. Auch ein zart verklingendes Prelude oder die exzentrischen Figuren eines Menuetts von Monsieur de Machy wirkten unter den Händen von Rattinger beinahe so, als könnte diese Musik nur auf einer Gambe angemessen gespielt werden. Ein Andante und das Vivace „Aus dem getreuen Schulmeister“ von Georg Philipp Telemann klangen als augenzwinkernder Kommentar zur Lehrpraxis der damaligen Zeit. Der edel klagende Charakter einer „Plainte“ von Louis de Caix D’Hervelois bildete gegenüber dem robusten Tanz „La Russienne“ mit seinem forschen Strich einen kurzweiligen Kontrast. Ein virtuoser Dialog zwischen hoher und tiefer Lage mit rauchigem Ton bei schnellen Strichen beeindruckte in der Chaconne von Jean-Baptiste-Antoine Forqueray. Skurriler Humor in der Schwebe zwischen kompositorischem Dilettantismus und gekonnter Setzung offenbarte sich in den programmatisch angereicherten Stücken von Tobias Hume.

Rattinger bezauberte stets im Dienste eines sprechenden Vortragstils mit einer sehr freien Tempoführung. Dies garantierte nicht nur bei den schlichten Harmoniefolgen der meisten Barockmeister, sondern auch in Johann Sebastian Bachs modulatorisch weit gespannter Musik für exquisite Klangrede. Fern säbelnder Motorik begann so sein Prelude aus der Cellosuite in G-Dur wunderbar frei zu atmen.

Mit Marin Marais schließlich offenbarte sich in gestrichenen, gezupften und geschlagenen Artikulationen Interpretationskunst in feinsten Schattierungen – blitzschnelle Wechsel zwischen intensivem Strich und tänzerischem Springbogen im „Rondeau le Troilleur“, dunkle anheimelnde Farben, die menschliche Stimme nachahmend im „Les Voix Humaines“.

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