Lörrach Fans feiern im Regen

Veronika Zettler

Von Veronika Zettler

Lörrach. Ein dicht gefüllter Marktplatz und ein Publikum in Jubelstimmung: Trotz ungemütlichen Wetters feierte das Stimmen-Festival am Mittwoch einen gelungenen Auftakt der Marktplatzkonzerte. Unter Regenhauben genossen die Besucher die zart-raue Stimme von Passenger.

Konzerte in dieser Größenordnung hat es in Lörrach seit 2019 nicht mehr gegeben. Die Vorfreude war dementsprechend groß; auch im Stimmen-Team, bei dem sich Festival-Chef Timo Sadovnik zu Konzertbeginn ebenso bedankte wie beim Publikum: „Lassen Sie uns durch ein gemeinsames friedliches Kulturerleben ein Zeichen setzen für Frieden, Demokratie und Respekt“, sagte Sadovnik unter Beifall.

Zwei überaus würdige Support-Künstler spielten jeweils rund 30-minütige Sets, ehe Mike Rosenberg, besser bekannt unter dem Künstlernamen Passenger, seinen Part mit dem Titel „Survivors“ eröffnete. Der Brite ist – seine Fans danken ihm das – ein Ausbund an Produktivität. Während des Lockdowns schrieb der 38-Jährige Song an Song, brachte 2021 sein dreizehntes Album und 2022 sein vierzehntes heraus. Er sei überglücklich, wieder vor Publikum spielen zu dürfen. „Danke für diese spektakuläre Nacht“, rief er zum Konzertende den durchnässten Zuhörern zu.

Doch von Anfang an. Gegen 19.30 Uhr startete das Programm bei zunächst leichtem Schauer mit dem Auftritt des australischen Singer-Songwriters und bekennenden Weltenbummlers Stu Larsen – ein langjähriger Wegbegleiter von Passenger. Mit starker Stimme und eindringlichen Songs wie „Wide Awake & Dreaming“ oder „Whisky & Blankets“ sorgte der 41-Jährige mehrfach für Gänsehautstimmung. Höhepunkt: eine grandiose Coverversion von Coldplays „Fix You“.

Danach betrat der aus dem irischen Cork stammende John Blek die Bühne – ein Folksänger und Storyteller, der allein mit sonorer Gesangsstimme, Akustikgitarre und würzigem Humor ein großes Publikum mitzureißen versteht. Am Rande gab er bekannt, wo das schlechte Wetter auf einmal herkam: „Ich hab’s einfach mitgebracht“, sagte er.

Hingebungsvoll lauschte das Publikum seinen in und zwischen den Songs erzählten Geschichten, etwa jener über den obdachlosen Musiker, dem Blek die zauberhafte Ballade „Empty Pockets“ widmete. Höhepunkt: das ohne Instrumentalbegleitung intonierte Folklied „Needle & Thread“.

Bei viel Applaus kam gegen 21 Uhr Passenger auf die Bühne und wechselte fortan seine verschiedenen Gibson-Akustikgitarren ebenso konsequent wie die Rhythmen und Gemütslagen der gespielten Titel. „Life’s For The Living“, „Queenstown“, „Blink Of an Eye“ – schnell zeigte sich, dass die Fans nicht nur den mittig platzierten Superhit „Let her go“ auswendig mitsingen konnten, sondern vom alten bis zum brandneuen Songmaterial so manches in petto hatten. Auf die Textsicherheit kam es indes nicht an: „Singt so laut und schlecht, wie ihr könnt“, ermunterte Passenger. Verschiedene Modulationen von „Ooh-Ooh-Ooh“ – von den Zuhörern inbrünstig geschmettert – gerieten zu einer Art Schlachtruf des Abends und erfüllten zu guter Letzt ihren Zweck als Zugabenforderung.

Auffallend aber auch, wie still und aufmerksam die Zuschauermenge den vielfach ironischen Lyrics nachhorchte. Später bedankte sich Passenger für das „respektvolle Zuhören“ – das kenne er auch anders.

Höhepunkte: Das gemeinsam mit Stu Larsen gesungene Duett „Heart’s on Fire“ – an dieser Stelle gab auch der Regen alles – Passengers eigenwillige Coverversion von „Sound Of Silence“, der als Zugabe gespielte Hit „Holes“ und das Stück „I hate“, bei dem die Zuhörer gegen alles ansingen sollten, was ihnen den lieben langen Tag lang so auf die Nerven ging: Da brandete doch ein gewaltiger Chor auf.

FOTOGALERIEWeitere Fotos unter www.dieoberbadische.de

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