Lörrach „Faustpfand“ wird nicht geopfert

Den Haltepunkt Museum/Burghof nutzten 2019 an Werktagen durchschnittlich 3433 Fahrgäste. Für eine provisorische Anbindung des künftigen Zentralklinikums an die S-Bahn hätte er wohl für rund zehn Jahre entfallen müssen. Foto: Kristoff Meller (Archiv)

Lörrach - Das künftige Zentralklinikum (ZKL) wird wohl bis 2035 nur per Bus und nicht per S-Bahn erreichbar sein. Diese Prognose hat sich nach der Diskussion am Donnerstag im Ausschuss für Umwelt und Technik (AUT) verfestigt. Denn für einen provisorischen Anschluss an die Wiesental- und Gartenbahn müsste wohl auf zwei Lörracher Haltepunkte verzichtet werden, um den Fahrplan einhalten zu können. 

„Wir hätten es alle am liebsten, dass der Haltepunkt zur Eröffnung des ZKL 2025 fertig ist, aber das wird nicht möglich sein – auch nicht provisorisch.“ Nach den Diskussionen im Ortschaftsrat zeigte sich Bürgermeisterin Monika Neuhöfer-Avdic schon in ihrer Einleitung konsterniert.

Gleichwohl machte sie noch einmal deutlich, warum ein provisorischer Halt keinen Sinn ergebe: „Wir sollten nicht zu viel für ein Provisorium opfern“, betonte sie und sprach von einem „Faustpfand“. Denn sie habe die Befürchtung, dass der Ausbau der S-Bahn-Strecke „in der Priorisierung schnell nach hinten rutschen“ werde, wenn der provisorische Halt erst einmal in Betrieb sei. Darum wäre es „sehr risikoreich, dafür auf die bestehenden Haltepunkte zu verzichten“.

Rund 5500 Fahrgäste

Laut der Analyse der Deutschen Bahn (DB) werde es zudem wohl nicht ausreichen, nur auf den Halt „Schwarzwaldstraße“ zu verzichten, wie Johannes Schneider, ÖPNV- Planer der Stadtwerke, darstellte.­ Die DB rechne schon mit einer verkürzten Haltezeit von 30 Sekunden am ZKL. Sollte das nicht ausreichen, was wahrscheinlich sei müsse ein weiterer Halt entfallen – vermutlich der Halt „Museum/Burghof“, so Schneider.

Doch an einem normalen Werktag ohne Pandemie stiegen an beiden Punkten zuletzt durchschnittlich mehr als 5500 Fahrgäste ein oder aus, wie aus der Statistik der SBB für 2019 ersichtlich ist. Das stehe „in keiner Relation“ zu den prognostizierten Fahrgastzahlen für das ZKL, so Schneider. Die erste Schätzung gehe derzeit von durchschnittlich 1362 ÖPNV-Nutzern pro Tag aus.

Fraktionen fast alle einig

Die Fraktionen unterstützen Schneiders Aussagen weitgehend: „Wir wollen nicht auf die Haltepunkte verzichten“, machte Gerd Wernthaler (Grüne) deutlich. Gleichwohl sei es wichtig, eine „attraktive Anbindung“ des ZKL an das Radwegenetz und den ÖPNV zu gewährleisten.

„Das wäre ein Rückschritt, den wir nicht gehen sollten“, befand auch Christa Rufer (SPD). Zumal von der vorübergehenden Stilllegung viele Schüler und Pendler betroffen wären. Rufer vermisste allerdings die Kreativität bei der Linienführung für den Bus: „Es ist mir zu wenig, einfach auf Verspätungen zu verweisen. Auf der Linie 16 hat sich beispielsweise viel verändert, wieso kann man sie nicht bis zum ZKL führen?“ Sie sprach sich dafür aus, „möglichst viel durch reguläre Linien aufzufangen“, anstatt die Ortsteile weiter zu belasten.

„Wir können keinen S-Bahn-Halt schließen“, betonte auch Alfred Kirchner (CDU). Ein zweigleisiger Ausbau der Wiesentalbahn bis zum Jahr 2035 sei indes „bedeutend zu lange“. Kirchner forderte: „Hier muss unbedingt nachverhandelt werden.“ Er brachte außerdem erneut den in den Ortschaftsräten geäußerten Vorschlag ins Gespräch, den Shuttlebus am Bahnhof Steinen starten zu lassen: „Die Fahrzeit wäre nicht länger, und er würde nur durch das Gewerbegebiet fahren.“ Diese Idee hatte bereits Empörung im Steinener Gemeinderat hervorgerufen. „Es kann nicht sein, dass wir gut frequentierte Haltepunkte opfern“, sagte auch Matthias Koesler (FDP).

Einzig Matthias Lindemer (Freie Wähler) war bereit, die Haltestellen zu opfern, auch wenn „jeder geschlossene Haltepunkt schmerzhaft“ sei. Im Gegenzug müssten allerdings die Buslinien in der Nordstadt ausgebaut werden, so Lindemer.

Routenführung noch offen

Es gebe noch Varianten und Möglichkeiten bei der Routenführung, die weiter optimiert werde, erklärte Bürgermeisterin Neuhöfer-Avdic abschließend. Und: „Falls wir in Steinen starten würden, sehe ich uns auf jeden Fall mit im Boot.“

Eine erste Kostenschätzung für den Shuttlebus-Betrieb liegt laut Neuhöfer-Avdic bereits vor, konkrete Zahlen nannte sie im öffentlichen Teil aber keine. In einem Beschluss des Gemeinderats vom Februar 2017 zur künftigen Anbindung des ZKL wurden die jährlichen Kosten für einen möglichen Busshuttle auf etwa 250 000 Euro geschätzt.

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