43 Grundstücke für private Wohnhäuser –­ so viele auf einmal wie schon lange nicht mehr – veräußert die Stadt derzeit im Neubaugebiet Belist nach Höchstgebot. Am Freitag endet die Bewerbungsfrist, doch die Interessenten überschütten die Verwaltung derzeit mit Fragen.

Von Kristoff Meller

Lörrach. „Es kommen wahnsinnig viele Anfragen rein“, bestätigte Bürgermeisterin Monika Neuhöfer-Avdic gestern im Gespräch. Schon im Vorfeld hatten rund 600 Personen Interesse für ein Grundstück schriftlich angemeldet. Seit am 15. Juni die offizielle Bewerbungsrunde gestartet wurde, landen im Rathaus nun täglich viele Rückfragen zum Ablauf des Bieterverfahrens oder der Bebaubarkeit.

Neuhöfer-Avdic kann verstehen, dass die Interessenten viele Fragen haben. Indes sage der Bebauungsplan, der im Internet abrufbar ist, „wirklich alles“ und sei „gut lesbar“. Viele Dinge werden zudem in den veröffentlichen häufig gestellten Fragen (FAQ) beantwortet.

Die Kritik einiger Interessenten, man müsse auf ein Grundstück bieten, ohne Informationen darüber zu haben, ob man dort beispielsweise einen Keller bauen dürfe, sei darum unbegründet. „Wir versuchen natürlich möglichst alle Fragen zu beantworten, aber unsere Mitarbeiter können keine 200 Telefongespräche am Tag führen. Wir sind nicht die Bauberatung“, erklärte Neuhöfer-Avdic. Gleichwohl sei das Feedback bislang überwiegend positiv: „Die meisten Interessenten sind zufrieden mit dem Support.“

Die Bürgermeisterin empfiehlt Interessenten bei Bedarf auch Rat bei einem externen Experten einzuholen, schließlich handle es sich für die meisten um eine „Lebensentscheidung“. Gleichwohl seien Antwortschreiben mit der Erklärung, dass einige Fragen nicht umfassend beantwortet werden könnten, weil dazu „mehrere Stellen und Kollegen“ beteiligt werden müssten, „die derzeit teilweise urlaubsbedingt abwesend sind“, angesichts der kurzen Frist nicht glücklich formuliert gewesen.

Mit den derzeit per Post, E-Mail oder persönlich eingehenden Angeboten wird unterdessen sehr vertraulich umgegangen, betonte Annette Buchauer, Fachbereichsleiterin Grundstücks- und Gebäudemanagement, auf Anfrage. Nur eine sehr begrenzte Anzahl von Mitarbeitern kümmere sich um die Schriftstücke. „Sie wissen sehr genau, wie sie mit dem Thema umgehen müssen.“ Nach dem Ende der Bewerbungsfrist entscheidet der Gemeinderat in nichtöffentlicher Sitzung über die Vergabe nach Höchstgebot. Aus Datenschutzgründen werde nicht bekanntgegeben, wie hoch die einzelnen Gebote ausgefallen seien.

Bezahlbarer Wohnraum für die „Mitte der Gesellschaft“ fehlt

Doch egal wer am Ende die Nase vorne hat, eine zentrale Frage mit der sich Stadt und Gemeinderat laut Neuhöfer-Avdic künftig beschäftigen müssen: „Wie gehen wir mit unserem Grund und Boden um?“ Denn dieser wird immer knapper und teurer. Inzwischen gehe es nicht mehr nur um Sozialschwächere, auch „die Mitte der Gesellschaft“ findet laut Neuhöfer-Avdic in der Lerchenstadt kaum noch bezahlbaren Wohnraum. Die Stadtverwaltung habe jedoch nur bei einem Bruchteil der Grundstücke eine wirkliche Chance beim Verkauf einzugreifen, weil sich die meisten Flächen nicht in städtischem Besitz befänden.

Kostenstabilität und Nachhaltigkeit

Für anstehende Baugebiete wie Bühl III oder Neumatt-Brunnwasser müsse – bevor geplant wird – eine Debatte über Kostenstabilität und Nachhaltigkeit geführt werden. „Das sind zwei Aspekte, die wir nach der Sommerpause im Gemeinderat diskutieren werden“, sagte Neuhöfer-Avdic. Außerdem soll auch die Vergabe im Belist analysiert werden, um herauszufinden, welche Voraussetzungen nötig sind, damit sich die Wohnbau Lörrach künftig wieder in Neubaugebieten engagiere.   Ausführliche Infos und der Bebauungsplan sind unter www.loerrach.de/ baugebiet- belist abrufbar