Lörrach Ferne Mystik und tiefe Ruhe

Beeindruckende Stimmkraft und lupenreine Gesangstechnik. Foto: Dorothee Philipp

Lörrach - Die Musik scheint zeitlos, erinnert mal an die Gregorianik, dann wieder mit ihrer raffinierten Harmonik an die Spätromantik. Aber es bleibt immer etwas Fernes, Mystisches und eine tiefe Ruhe in diesen Gesängen, die der Moskauer Kathedralchor unter der Leitung von Nicolay Azarov dem Publikum im Lörracher Burghof vorstellte.

Schon der Anblick des Chors stimmte auf einen Abend ein, der ganz der Sache gewidmet ist: Alle Sängerinnen und Sänger bodenlang in Schwarz gekleidet, die Männer in wallenden Gewändern, die an die Tracht der orthodoxen Priester erinnern. Dargeboten wurden Gesänge aus dem Zyklus des orthodoxen Kirchenjahres, in dem der Osterjubel die aus der Versenkung in das Kreuzigungsgeschehen aufbrandende Freude in einem strahlend hellen Licht darstellt. In vier Bildern wurde dieses „Christus surrexit“ zelebriert, einmal als gregorianischer Gesang, einmal als Gesang aus der altrussischen Liedersammlung Obihod, in der 1575 teilweise noch viel ältere Melodien gesammelt wurden, dann zweimal in spätromantischem Stil in Kompositionen von Alexander Kastalski und Sergei Rachmaninow.

Vokalmusik als klingende Predigt

Die reine Vokalmusik als klingende Predigt berührt die Tiefen der Seele, auch wenn man, den Text nicht versteht. Dafür sorgte auch die absolut lupenreine Gesangstechnik des Chors, dessen weiter Stimmumfang und Fähigkeit, Pianissimo-Nuancen bis zur Grenze des Wahrnehmbaren auszuloten. Die einzelnen Register sind derart homogen, dass sie wie eine einzige Stimme klingen. Ein wunderbarer Effekt, wenn sich ein Unisono dann auf einmal in einen ganzen Regenbogen von Tonnuancen verwandelt, wobei durch die partielle Mehrchörigkeit weitaus mehr als nur die vier Grundstimmen erklingen.

Nachdem es ein paar zaghafte Beifallsversuche gegeben hatte, zeigte der Dirigent als einziges Element der Moderation durch eine Zuwenden zum Publikum, wenn ein Stück beendet war.

Ein Glanzlicht waren die vielen versierten Solisten, die immer wieder hervortraten und einen Dialog mit dem Chor aufnahmen. Erstaunlich und ungewohnt waren dabei die tiefen Männerstimmen, die man unwillkürlich mit Russland verbindet. Ein Bass erreichte in seinen Soli die extremen Tiefen der Subkontralage. Innigkeit und Poesie verbreiteten auch die Weihnachtsgesänge, bei denen die Huldigung an die Gottesmutter eine zentrale Rolle spielt.

Der zweite Teil des Konzerts war den Totengesängen und der Kreuzverehrung gewidmet. Viele der Kompositionen stammten aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und berührten durch ihre sensible Harmonik und spürbare Frömmigkeit. Man hatte am Ende das Gefühl, als habe man einen Hauch der Ewigkeit gestreift.

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