Lörrach Filetstück am Innenstadtrand

„Da ist noch Luft drin“ - Joachim Holstein, Betriebsrat DB European Railservice, verteidigt den Autoreisezug; links Karl Argast, Vorsitzender des Fahrgastverbandes „Pro Schiene Dreiland“.                                                               Foto: Peter Ade Foto: Die Oberbadische

Von Peter Ade

Lörrach. Die Kreisstadt ist optimal ans internationale Verkehrsnetz angebunden. Autobahn und Schiene verlaufen vor der Haustüre. Der Autoreisezug Hamburg-Hildesheim-Lörrach gilt als zusätzliches Plus im Mobilitätsangebot der Region.

Das könnte sich bald ändern, denn die Deutsche Bahn will die Verbindung Lörrach-Hamburg spätestens Ende 2017 abschaffen und alternativ den Verlad und Transport von Autos auf Sattelzügen anbieten. Fahrer und deren Begleiter sollen in den Fernzug steigen.

Derlei Pläne stoßen auf heftigen Widerstand des Fahrgastverbandes „Pro Schiene Dreiland“, der am Samstag zu einer Protestaktion an die Verladstation am Güterbahnhof aufgerufen hatte.

Vorsitzender Karl Argast erinnerte daran, dass der erste Autoreisezug am 1. April 1930 von Hamburg nach Basel gefahren ist. Noch 2010 habe die DB das „80-Jährige“ groß gefeiert und die Vorteile des Reisens im Autoreisezug gepriesen. Nunmehr wolle sie den beliebten Service mit „fadenscheinigen Hinweisen auf fehlende Rentabilität und zu hohe Materialkosten“ beenden.

An der Protestveranstaltung nahmen etwa 30 Eisenbahnfreunde teil. Einziger Vertreter aus dem Gemeinderat war SPD-Fraktionsvorsitzender Günter Schlecht. Selbst Eisenbahn-Gewerkschafter, steht er auf Seiten derer, die das nahende Ende des Autoreisezugs bedauern, nicht zuletzt wegen des Wegfalls von 70 Arbeitsplätzen.

Im Gespräch mit unserer Zeitung unterstrich der Sozialdemokrat die Umweltfreundlichkeit der Schiene und nannte deren Ausbau ein „Vernunftmodell“. Dennoch habe die SPD-Fraktion aus städtebaulichen Gründen dem Kauf des Geländestreifens neben den Gleisen zugestimmt.

Im Rathaus liebäugelt man mit dem frei werdenden Areal an der Schwarzwaldstraße. Immer wieder ist von einem „Filetstück an der Innenstadt“ die Rede, da sich der Bereich am Rande der City für Gewerbe, aber auch für Wohnungen eignen würde.

Gegen eine Umnutzung hätte der Fahrgastverband „Pro Schiene Dreiland“ grundsätzlich nichts einzuwenden. Allerdings wollen Karl Argast und seine Freunde ein Aus für den Autoreisezug „auf keinen Fall“ hinnehmen. „Wir könnten damit leben, wenn die Station nach Weil am Rhein käme“.

Aus Sicht von Argast wäre die Verlagerung jedoch ein Verlust für Lörrach: „Wenn die Stadt auf diesen kostenlosen Werbeträger verzichtet, ist das ihr Problem.“ Mit Blick auf das eher trostlos wirkende Umfeld der Verladstation sieht Argast „viel Potential für attraktive Servicebetriebe“.

Der aus Hamburg angereiste Joachim Holstein, Betriebsrat DB European Railservice, ist ebenfalls leidenschaftlicher Verfechter der DB-Einrichtung: „Unsere Kunden wollen gerne auch in Zukunft mit dem Autoreisezug von Hamburg nach Lörrach, von Düsseldorf nach Villach, von Hildesheim nach Bozen oder von Berlin nach Verona fahren“. Die Weichen für die Zukunft des Autoreisezugverkehrs müssten umgehend gestellt werden.

u Siehe Seite „Regio“

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