Lörrach Finale furioso mit Kreiselkunst

Die Oberbadische, 12.02.2018 17:42 Uhr

Nahtlos knüpfte die Narrenzunft gestern mit der Rotssuppe im Lasser-Saal an ihre begeisternden Zunftabende in der Haagener Halle an.

Von Gerd Lustig

Lörrach. Ob Wortwitz, Gesang oder geschliffene Satire: Der Vormittag am Rosenmontag hatte es wieder in sich. Da schmeckte den Gästen nicht nur die Mehlsuppe vortrefflich. Höhepunkt beim Finale der Narrenzunft war die Verleihung des „Drochehüüler-Ordens“ an den Ersten Landesbeamten des Landkreises, Ulrich Hoehler. Zu der Ehre kam er durch seinen „überbordenden Eifer und amtsschimmelige Beharrlichkeit und fulminante Destruktivität“ rund um die Realsatire Binzener Dreispitz und seine Kreiselkunst.

„Mit weit über 5000 Petitionsunterzeichnern mitsamt dem Rest der Bürgerschaft sorgt er für hyperventilierende Schnappatmung“, hieß es süffisant in der von Peter Quercher vorgetragenen Laudatio. Hoehler selbst zeigte sich „zutiefst erfreut und stolz“ über die ihm zuteil gewordene Auszeichnung. Bei seinem Tun habe er eigentlich nur eines im Schilde geführt, nämlich die gebührende Anerkennung zu erlangen und der Behördenwillkür Vorschub zu leisten. „Nicht jeder Amtsschimmel ist auch ein leistungsstarkes Tier“, konterte er die Laudatio mit trockenem Humor und berief sich letztlich auf Brüssel und diverse EU-Richtlinien.

Für einen weiteren Höhepunkt sorgte Protektorin Margarete Kurfeß. Die Grünen-Stadträtin glänzte bei ihrer Abschiedsrede nicht nur mit starken Worten, sondern zeigte auch gesangliche Qualitäten im Stil von Hildegard Knef (Kurfeß: „Eine der größte Sängerinnen – aber ohne Stimme“).

In Anlehnung an das Chanson „Für mich soll’s rote Rosen regnen“ sang sie von Thomas Bürgin am Akkordeon begleitet: „Für mich soll’s Konfetti regnen sowie die Welt würde ich grün gestalten und mögen alle den Sinn für Humor erhalten.“ Enthusiastisch fiel der Beifall des Publikums aus. Da war auch Oberzunftmeister Andreas Glattacker platt: „Eine Grüne hat uns in dieser Session eine wunderbare farbenfrohe Amtsausführung gebracht.“

Zu Beginn der Suppen-Sause hatte sich bereits das „Rots(s)chörli“ in die Herzen der Besucher gesungen. Die Texte stammten von Hubert Bernnat, die Musik dazu an den Gitarren von Thomas und Uli Denzer. Ob der „Blitzer aus Brombach“, die Anfragestunde im Gemeinderat, ein (Leserbrief)-Mail wird kommen oder „S’isch Haushaltstag“, ein Abschiedslied für Bürgermeister Michael Wilke und Paul Becks Brezellied: Überall legte das Ensemble süffisant, aber herzlich die Finger in die jeweils offene Wunde. Erstmals waren im Chörli alle Gemeinderatsfraktionen vertreten.

Weil Lörrach inzwischen von der Gemeinde Wyhlen zuhauf profitierte, sprach der zum Zunft-Gsell beförderte Klaus Cyprian-Beha von Wyhlen als „Perle vom Hochrhein“. Immerhin habe man der Lerchensstadt nicht nur den Oberbürgermeister Jörg Lutz und die mögliche neue Bürgermeisterin Monika Neuhöfer-Avdic sowie Florian und Anette Metz gebracht, sondern auch Andreas „Guxi“ Kuck. Letzterer präsentierte sich wie am Zunftabend bestens aufgelegt mit seinem Vortrag „E Stimme bruchts“.

Thomas Wagner – ebenfalls neu in der Narrenzunft – erklärte dem Auditorium seinen Weg zur Zunft und tischte Hochprozentiges auf. Letztlich stellte er fest, dass Alkohol keine Lösung ist, sondern bei der Gärung entsteht. Und: „Alkohol ist keine Antwort, aber man vergisst die Frage.“

Und dann waren da noch die beiden Zunftgrößen Karlheinz Sterzel und Hansi Gempp. Mit flotten, kessen und teils spitzfindigen Sprüchen brachten sie den Saal ein ums andere Mal zum Toben. Gempp, gefragt, ob er sich die Bürgermeisterstelle im Rathaus vorstellen könne, antwortete darauf lapidar: „Höchstens als Katz, dann würde ich mich in den elften Stock schleichen, die Pfoten hochlegen und auf die Mäuse warten.“

Zu guter Letzt trumpfte nochmals Hubert Bernnat mit einem blitzgescheiten Vortrag über die politische Farben- und Flaggenlehre möglicher Grokos auf und lästerte über das Jamaika-Aus. Das letzte Wort hatte Oberbürgermeister Jörg Lutz, dem sich zuvor einige Abgründe im Gemeinderat aufgetan hatten. „Künftig werden die Brezeln limitiert“, drohte er an, denn immer dann, wenn Brezeln gegessen würden, kämen die meisten Anfragen der Fraktionen.

 
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