Lörrach Firmen-Motto: fair und ökologisch

Lörrach   - Am Hebel-Gymnasium unterstützt die Schülerfirma „Hebel supplies“ in einem Seminarkurs das faire Label „Made in Freedom“ – „Produziert in Freiheit“. Es ist der europäische Vertriebspartner des Textilunternehmens „Freeset“, das mehr als 250 Frauen in Indien beschäftigt, die Opfer sexueller Ausbeutung waren.

Ziel des Kurses, den die Schüler zu Beginn der elften Klasse belegen können, ist es, Verständnis für den Aufbau eines Unternehmens zu entwickeln – von der Gründung über den Einkauf, bis hin zur Vermarktung und letztlich zum Verkauf.

Ziel: Verständnis für den Aufbau eines Unternehmens entwickeln

Doch dürfen die Jugendlichen selbst entscheiden, was ihr Startup anbietet. ,,Bei einer Veranstaltung bin ich auf „Made in Freedom“ aufmerksam geworden: Das hat mich für unsere Schülerfirma und deren Produkte inspiriert“, erklärt Hanna Paschke, Geschäftsführerin von „Hebel supplies“.

Besonders in den ländlichen Gebieten Indiens, Nepals und Bagladeschs würden junge Frauen oft zwangsprostituiert, oder sie sehen in der Prostitution die einzige Möglichkeit, ihre Familie zu ernähren.

Faire Löhne für Kleinbauern und Näherinnen

Gegründet wurde „Made in Freedom“ vor drei Jahren von dem Eimeldinger Armin Ruser und David Jesze, der Sitz befindet sich in Weil am Rhein. Bei den Taschen aus 100 Prozent Bio-Baumwolle erhalten die Kleinbauern als Produzenten der Baumwolle ebenso wie die Näherinnen in Indien faire Löhne.

„Bei den Produkten unserer Schülerfirma waren soziale und ökologische Aspekte besonders wichtig“, sagt Paschke.

Gemeinsam mit sieben Klassenkameraden kauft die 17-Jährige Stoffbeutel „Made in Freedom“, die anschließend bemalt und verkauft werden. Die (bescheidenen) Erlöse wiederum gehen an die Unternehmens-Investoren: Eltern, Bekannte und Verwandte – analog zu den Mechanismen im Wirtschaftsleben. Mit einem Investorenschein von zehn Euro können sich Interessenten an dem kleinen Unternehmen beteiligen.

Stoffbeutel „Made in Freedom“

50 Taschen hat die Firma bisher bei „Made in Freedom“ erworben. ,,Dabei haben wir Wert darauf gelegt, nicht nur Ware einzukaufen und sie dann wieder zu verkaufen – wir wollten auch selbst etwas tun“, sagt Simon Jennings, der in der Schülerfirma für das Marketing zuständig ist. Nach und nach werden die Beutel in verschiedenen Ausprägungen mit dem eigens kreierten Firmenlogo versehen, das aus einem halb schraffierten „H“ besteht: Es soll für jeden Geschmack etwas dabei sein.

Onlineshop geplant

Ihren ersten Verkaufsstand hatten die Jugendlichen am Tumringer Weihnachtsmarktwochenende. Dort haben sie Ende November insgesamt 18 Stoffbeutel verkauft. Der nächste Verkauf ist am „Tag der offenen Tür“ des Hebel-Gymnasiums im kommenden Februar geplant. Einen Onlineshop soll es auch bald geben.

Der Preis pro Tasche liegt bei zehn Euro. In der Rechnung müssen 4,17 Euro Anschaffungskosten pro Stück berücksichtigt werden sowie der Stundenlohn von 50 Cent der acht Schüler und die Auszahlung an die Investoren, erklärt der 16-jährige Jennings.

Wichtige Entscheidungen fällen wir aber gemeinsam

Seit November gibt es die kleine Firma, deren Mitarbeiter sich jeden Freitagnachmittag für zwei Schulstunden treffen. Innerhalb der Schülerfirma gibt es – wie in einem echten Unternehmen auch – feste Rollenverteilungen. ,,Wichtige Entscheidungen fällen wir aber gemeinsam“, sagt Paschke.

Dabei werden die Gymnasiasten von ihrem Lehrer Tobias Oberfell unterstützt, der den Kontakt zu dem Programm „Junior – Wirtschaft erleben“ pflegt, das dieses Projekt am Hebel-Gymnasium überhaupt möglich macht.

Fest steht: Mit Ablauf des Schuljahres wird es die Schülerfirma „Hebel supplies“ nicht mehr geben. Was aber bleibt, sind Wissen und neue Erfahrungen. Erfahrung, so bekräftigen die Schüler des Hebel-Gymnasiums, die sie nutzen wollen, um sich auch in Zukunft für eine sozialere und ökologischere Welt einzusetzen.

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