Lörrach FisFüz in Hochform

Die Oberbadische, 15.11.2017 04:44 Uhr

Von Beatrice Ehrlich

Lörrach. Am Eingang wird noch verhandelt. Das Foyer im Burghof ist ausverkauft, nicht alle können noch eingelassen werden. Was zu erwarten war: Wo das Freiburger Ensemble FisFüz sich ankündigt, bleibt schon seit Jahren kein Platz mehr frei. Mit ihrem fröhlichen und leichtfüßigen Oriental Jazz treffen Annette Maye (Klarinette, Bassklarinette), Murat Coskun (Percussion) und Gürkan Balkan (Kurzhalslaute, Gitarre) den Geschmack vieler in unruhigen Zeiten. Zusammen mit musikalischen Gästen geben Coskun und FisFüz einen klingenden Einblick in ihre „Heimat aus Tönen“.

Ganz egal, ob mit eigenen Kompositionen, Mozart-Adaptationen oder Musikstücken aus dem türkischen oder arabischen Raum: FisFüz hat in über 20 Jahren einen unverwechselbaren Klang entwickelt, der die Zuhörer vom ersten Augenblick an in den Bann zieht.

In dem Ensemble haben sich drei absolute Meister ihrer Instrumente zusammengetan, die sich musikalisch blendend verstehen: Ein Blick, eine Geste und ein üppiger musikalischer Strom kommt in Fluss und will gar nicht mehr aufhören, die Musiker sind ganz versunken in ihr Tun und können sich über besonders gelungene Passagen auch heute noch sichtbar freuen.

Nach einem langsamen, meist melodischen Einstieg – manchmal gibt auch Coskun an der Rahmentrommel einen Rhythmus vor – folgen musikalische Abwandlungen und Ergänzungen, eine nach der anderen, bis sich zuletzt ein völlig neuer Gesamtklang herausgeschält hat. Mit minimalen Bewegungen der Finger entlockt Coskun seinen Trommeln die treibenden Rhythmen, die alles zusammenhalten.

Für die ersten Stücke an diesem Konzertabend hat Coskun, unermüdlicher Netzwerker quer durch verschiedene Musikstile, zwei namhafte Interpreten türkischer und arabischer Musik gewinnen können, mit denen er ebenfalls regelmäßig musiziert: Muhittin Kemal Temel am Kanun (der orientalischen Zither) und Samir Mansour an der Kurzhalslaute Oud. Gemeinsam geben die drei einen lebendigen Einblick in traditionelle türkische Musik.

Wie immer verleiht Coskun den Stücken eine ganz eigene Note mit seiner virtuosen Schlagtechnik und der großen Trommel, die manchmal wie ein runder Vollmond in der Mitte des Geschehens steht. Wie Coskun den Nachwuchs ans Trommeln und an das Ensemblespiel heranführt, wurde beim gemeinsamen Auftritt mit seinen Kindern Yasar und Malika an der Rahmentrommel und am Akkordeon deutlich. Das eingängige Fischerlied von der Schwarzmeerküste oder „Dog River“ von Rabih Abou-Khalil stoßen auf einhellige Begeisterung.

Die zweite Hälfte des Konzerts bestreitet das Ensemble FisFüz allein, mit Ausnahme des Schlussstücks, eines populären Lieds aus Istanbul, zu dem noch einmal alle zusammen auf die Bühne kommen. „Tango to go“ (Coskun), Balcano (Annette Maye) oder das virtuos verjazzte „Rondo alla Turca“ von Wolfgang Amadeus Mozart sind Kostproben aus 20 Jahren gemeinsamen musikalischen Schaffens, an deren Ende übrigens mit „Bonsai – 20 Years of Oriental Jazz“ auch eine CD steht, in der die Lieblingsstücke der drei Musiker noch einmal zusammengefasst sind.

 
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