Lörrach Flexibel bauen und wohnen

Die Oberbadische
Referenten und Veranstalter (von vorne l. im Uhrzeigersinn) Manfred Steinbach, Samira de Bortoli, Roman Bockemühl, Kerstin Müller, Helma Haselberger, Bernd Friebe, Suzanne Remington, Lukas Harlan, Frank Leichsenring, Isabell Schäfer-Neudeck, Andreas Courvoisier sowie Bernhard Höchst (Mitte). Foto: Zettler Foto: Die Oberbadische

Von Veronika Zettler

Lörrach. Das Thema Wohnen, mit dem sich das Zukunftsforum im vergangenen Jahr schwerpunktmäßig befasst hat, treibt die Initiatoren und Teilnehmer weiterhin um. Bei einem Symposium im Hebelsaal stellten Referenten von Freiburg bis Basel und von Waldshut bis ins Kleine Wiesental am Dienstag ihre geplanten, im Bau befindlichen oder fertiggestellten Wohnprojekte vor.

Ob in Genossenschaft, Baugruppe, Verein oder mit sonstiger Rechtsform: Im Zentrum stand das gemeinschaftliche Bauen als derzeit wohl probatestes Mittel für das, was Frank Leichsenring (Fairnetzt) „flexible Lösungen abseits des Standardprogramms“ nannte. Dabei geht es nicht nur um Modelle für wenig kapitalstarke Bauinteressenten, sondern auch um Aspekte des Zusammenlebens und der individuellen Lebensgestaltung, wie die Referenten vor rund 70 Besuchern verdeutlichten.

Als Gründer einer seit Jahren bestehenden Lörracher Baugruppe erklärte Manfred Steinbach: „Beim gemeinschaftlichen Bauen braucht es eine Zielsetzung.“ Für ihn persönlich heiße diese „selbstbestimmt so lange wie möglich zu Hause leben“. Während seine Gruppe derzeit drei Projekte bearbeitet, haben Suzanne Remington und Bernd Friebe bereits Nägel mit Köpfen gemacht. Die beiden pensionierten Lehrer wohnen seit vier Jahren in der Waldshuter Gartenstraße, wo sie nach Gründung einer Genossenschaft mit weiteren Mitstreitern Häuser erwarben und umbauten. Aktuell leben 16 Bewohner in zwölf Einheiten, alles barrierefrei und durch Stege und Fahrstühle verbunden.

„Wir haben keinen Tag bereut, dass wir das gemacht haben“, bilanzierte Remington, derweil Friebe gute nachbarschaftliche Verhältnisse und Verlässlichkeiten skizzierte. Diese gelte es indes konsequent zu pflegen, betonte er.

Ihr Know-how stellen die beiden bereit: „Man muss das Rad ja nicht neu erfinden“, so Remington. Seit 2010 engagieren sie sich im eigens gegründeten Verein „WohnVision am Hochrhein“ für gemeinschaftliche und selbstbestimmte Wohnformen.

Vor allem bot der von Architektin Kerstin Müller moderierte Abend Gelegenheit, ins Gespräch zu kommen. Wie wurden Vorhaben finanziert? Finden sich Mitstreiter für geplante Projekte? Gar für solche, die erst als Gedankenspiel vorliegen? So etwa jenes für ein altes Schopfheimer Schulhaus mit 15 Klassenzimmern. Könnte man die Immobilie erwerben und die Schulräume einzeln zur individuellen Nutzung verkaufen? Eine Idee, die Roman Bockemühl einbrachte.

Zuvor hatte der Architekt sein Konzept für die Umnutzung der Alten Färberei in Schopfheim vorgestellt. Die von ihm erworbene historische Fabrikanlage, einst von der Abrissbirne bedroht, ist mit dem vorgesehenen Mix aus Wohnen, Arbeiten und Kultur auf dem besten Weg, zum Vorzeigeprojekt zu werden. Einen ähnliche Durchmischung plant eine Initiative auf dem Rosenhof in Schwand, wie Bernhard Höchst ausführte. Beispielhafte Vorhaben hatten weitere Referenten im Gepäck.

Die Basler Regierung habe verschiedene Instrumente zur Förderung von gemeinnützigem Wohnraum geschaffen, etwa die Abgabe von Liegenschaften im Baurecht, Projektentwicklungsdarlehen und Bürgschaften für Genossenschaften. „Wir wollen das Wohnen wieder selbst in die Hand nehmen“, dieser Wunsch sei seit einigen Jahren verstärkt in der Basler Bürgerschaft und Politik aufgekeimt. „In Basel ist die Tür offen, in Lörrach ist sie es halb“, so die Einschätzung von Andreas Courvoisier von der Basler Baugenossenschaft „wohnen + mehr“.

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