Lörrach Flucht erhält ein Gesicht

Die Oberbadische
Freuten sich über das Interesse der Besucher (v. l.): Inga Schwarz, Jörg Hinderer, Saman Altahir, Christine Langen, Robert Kölblin, Andreas Bühler (Freundeskreis Asyl), Irimbert Kastl und Sigrid Blümel. Foto: Silvia Waßmer Foto: Die Oberbadische

Von Silvia Waßmer

Lörrach. Flucht und Asyl ist das Thema der Doppelausstellung „Schau mich an!“, die ab sofort in der Buchhandlung Kastl und in der evangelischen Stadtkirche zu sehen ist. Organisiert wurde sie vom Arbeitskreis Miteinander, der Evangelischen Erwachsenenbildung Hochrhein-Markgräflerland, der Evangelischen Matthäusgemeinde, dem Freundeskreis Asyl, dem mobile Bildungscafé „Integrare“ sowie der Integrationsbeauftragten der Stadt Lörrach, Inga Schwarz, und dem Kirchenbezirksbeauftragen für Flucht und Migration, Jörg Hinderer. Die Schau zeigt knapp zwei Wochen lang auf 20 Bannern die Wanderausstellung „Gesichter einer Flucht“ sowie auf weiteren gut 20 Plakaten „Asyl ist Menschenrecht“ von der Initiative Pro Asyl.

Am Mittwochabend wurde die außergewöhnliche Bilderschau im Rahmen einer Vernissage eröffnet. Dabei erläuterte Sigrid Blümel, Patin des Ausstellungsteils „Gesichter einer Flucht“, dessen Entstehung und stellte die Initiatorin Gerburgis Sommer vor: „Ich kenne keinen Menschen, der die Kommunikation und den Kontakt mit anderen Menschen so zu seinem Hobby gemacht hat.“

Blick auf Einzelschicksale soll Vorurteile abbauen und Integration fördern

Einst in Rheinfelden ansässig, lebt Sommer heute in Haltern am See, wo sie sich nach der großen Flüchtlingswelle 2015 im Willkommens-café engagierte. „Dann kam die Silvesternacht in Köln“, erzählte Blümel, in Folge derer auch die Stimmung im Land kippte. Deshalb habe sich Sommer überlegt, wie sie eine Brücke zwischen den Menschen schlagen könne. Ihre Idee: Die Menschen fragen, warum sie geflohen sind und die Ergebnisse in die Öffentlichkeit bringen. Zunächst entwickelte sich daraus eine Artikelserie für eine Zeitung, bevor später im Rahmen eines kirchlichen Jubiläums die Wanderausstellung entstand.

Diese beschäftigt sich aber nicht nur mit dem Schicksal der Flüchtlinge, die in den vergangenen Jahren aus dem Ausland nach Deutschland gekommen sind, sondern auch mit der Geschichte von Flüchtlingen aus der ehemaligen DDR und aus den einstigen Ostgebieten.

Einen persönlichen Blick auf die Ausstellung warfen zur Vernissage die Integrationsbeauftragte Schwarz, Buchhändler Irimbert Kastl, Christine Langen, Mitglied der Matthäusgemeinde und Unicef-Ortsgruppenleiterin, sowie Robert Kölblin vom Arbeitskreis Miteinander. Anhand von vier ausgewählten Plakaten stellten sie einzelne Schicksale näher vor und ergänzten diese durch ihre eigenen Gedanken. Dabei hob Schwarz etwa hervor: „Der Einblick in Einzelschicksale kann sehr viel dazu beitragen, dass Vorurteile abgebaut werden und Integration gelingen kann.“

Umrahmt wurde die Vernissage von arabischen und kurdischen Klängen von Saman Altahir auf seiner Saz sowie dem Lego-Kurzfilm „Selim“ der vierten Klasse der Hans-Thoma-Grundschule Rheinfelden.

Die Doppelausstellung ist bis Dienstag, 27. Juni, geöffnet und kann tagsüber in der Stadtkirche und zu den Öffnungszeiten der Buchhandlung Kastl (Montag bis Freitag, 9 bis 18.30 Uhr, sowie Samstag, 9 bis 17 Uhr) kostenlos besichtigt werden. Spenden sind willkommen.

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