Lörrach Frau durch Messerstiche getötet

, aktualisiert am 09.12.2019 - 22:16 Uhr

Lörrach - Eine 37-jährige Frau wurde am frühen Sonntagnachmittag in einem Mehrfamilienhaus in der Albert-Hitzig-Straße am Rande der Lörracher Kernstadt erstochen. Nach bisherigen Erkenntnissen betrat ein 38-jähriger Nachbar die Wohnung und stach aus bislang unbekanntem Grund mehrfach mit einem großen Küchenmesser auf die Frau ein. Die zweifache Mutter wurde durch die Messerstiche getötet und verstarb laut Polizeipressesprecher Jörg Kiefer noch unmittelbar am Tatort. Der Mann wurde festgenommen und nach der Haftprüfung die geschlossene Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus angeordnet.

Opfer und Täter wohnten Tür an Tür

Ein anderer Nachbar hörte laut Kiefer die Schreie der Frau und verständigte daraufhin die Polizei. Der Täter, ein deutscher Staatsbürger, sei einfach in seine Wohnung zurückgegangen, die sich direkt neben der des Opfers befindet. Als die Beamten vor Ort eintrafen, habe er die Tür geöffnet und sich im Treppenhaus ohne Widerstand festnehmen lassen. Bislang war der Mann kriminalpolizeilich nicht in Erscheinung getreten.

Krankheitsbedingter Zustand der Schuldunfähigkeit

Die Haftprüfung am Montagnachmittag ergab allerdings, dass der Mann wohl in einem Zustand psychischer Verwirrtheit gehandelt hat: "Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Lörrach wurde durch das Amtsgericht Lörrach gegen den des Totschlags dringend tatverdächtigen Mann die einstweilige geschlossene Unterbringung in einem Psychiatrischen Krankenhaus angeordnet. Aufgrund der bisherigen Erkenntnisse liegen dringende Gründe für die Annahme vor, dass der Beschuldigte die Tat in einem krankheitsbedingten Zustand der Schuldunfähigkeit begangen hat und wegen dieser Krankheit für die Allgemeinheit gefährlich ist", teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am frühen Abend mit. 

Opfer und Täter wohnten laut Jörg Kiefer schon einige Zeit im Haus und kannten sich auf jeden Fall nachbarschaftlich. Ob darüber hinaus eine Beziehung bestand, werde aktuell geprüft. "Bislang gibt es aber keine Hinweise auf eine Liebesbeziehung", sagte Kiefer im Gespräch mit unserer Zeitung. Genauere Details zu den familiären Verhältnissen wollte er aus Gründen des Opferschutzes nicht nennen.

Die genauen Hintergründe der Tat seien aktuell Gegenstand der Ermittlungen der Kriminalpolizei Lörrach. Diese hat den dringend Tatverdächtigen bereits zuvor vernommen, der 38-Jährige habe im Gespräch allerdings keine Angaben gemacht, so Kiefer.

Anwohner haben Bedürfnis zu reden

Am Tatort in der Albert-Hitzig-Straße deutet derweil am Montag um die Mittagszeit kaum etwas auf die Geschehnisse des Vortags hin. Keine Blumen liegen vor der Tür des Mehrfamilienhauses, kein Kamerateam ist auf der Jagd nach Originaltönen. Lediglich ein Wagen der Spurensicherung zeigt, dass hier etwas Ungewöhnliches geschehen ist.

Die Anwohner aber haben offenbar das Bedürfnis, sich mitzuteilen, einige suchen von sich aus das Gespräch mit unserer Zeitung, wollen wissen, was hier genau vorgefallen ist: „Wir haben heute Nacht kein Auge zugetan“, erklärt ein Bewohner des gegenüberliegenden Hauses. Gekannt habe er das Opfer aber nicht, lediglich vom Sehen. Die Getötete sei seinem Wissen nach erst im Sommer mit ihren beiden Kindern hierhergezogen.

Täter leistete offenbar doch Widerstand auf der Straße

Ein weiterer Anwohner berichtet, dass am Sonntag die Straße mit Polizei- und Feuerwehrautos zugestellt gewesen sei und die Beamten teils schwer bewaffnet im Einsatz waren. „Wir sind alle im Haus geblieben, das war vermutlich auch besser so.“ Er habe lediglich mitbekommen, dass die beiden Kinder des Opfers offenbar weinend aus der Wohnung gerannt seien. Zudem habe sich der Täter doch nicht ganz widerstandslos festnehmen lassen, sondern hätte sich vor dem Haus noch kurze Zeit gewehrt.

Ein anderer erinnert sich, dass er die Polizeibeamten am Sonntagabend gefragt habe, ob er schon wieder die Straße hinunter fahren dürfe, worauf es hieß, das sei in Ordnung. „Ich sollte aber nicht gaffen, was ja klar ist“, legt er dar.

Alle Befragten bestätigen, dass sie sowohl das Opfer als auch den mutmaßlichen Täter kaum gekannt hätten und die Familie offenbar sehr zurückgezogen gelebt hat.

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