Lörrach Frauenleben in Afghanistan

Gabriele Hauger
Theater-Szene im Dreiländermuseum Foto: /Gabriele Hauger

Eine Gruppe afghanischer Frauen der Schubert-Durand-Stiftung zeigte gestern zum Internationalen Frauentag im Dreiländermuseum Szenen zu ihrem Schicksal. Unterstützt wurden sie bei den Proben vom Theater Tempus fugit. Es wurde ein emotionaler Auftritt im voll besetzten Hebelsaal.

Am Ende fließen Tränen. Auf der Bühne und im Zuschauerraum. Es gehört viel Mut dazu, in einem fremden, Land, einer fremden Sprache, einer fremden Kultur in die Öffentlichkeit zu treten, Persönliches preis zu geben. Die afghanischen Frauen, die regelmäßig von der Schubert-Durand-Stiftung betreut werden, haben diesen Mut.

Mut gezeigt

Passend zum Internationalen Frauentag und unterstützt vom Theater Tempus fugit und dem Dreiländermuseum fanden seit November Proben statt. Gebannt lauschen die vielen Zuschauerinnen – darunter viele Afghaninnen – den schlichten, ungeschönten, aufs Wesentliche beschränkten und dadurch umso bewegenderen Fakten aus dem Leben einer Frau unter den Taliban.

Schicksale

Malika, Marzia oder Somayah – sie alle verbindet ein Schicksal. Keine Schule, keine Kindheit. Warum? „Ich war ein Mädchen“, sagt Malika. Der Vater verbot den Schulbesuch, die sechs Brüder durften gehen. Schon mit acht Jahren war klar, sie müsse bald heiraten, Hausfrau lernen.

Tochter im Ofen versteckt

Als die Taliban in die Stadt kommen, versteckt die Mutter die Achtjährige im Ofen, flieht später mit ihr nach Pakistan. Die Erzählerin schaut mit traurigen großen Augen, umringt von Schicksalsgenossinnen, die sich symbolisch unter einem schwarzen Tuch den Blicken entziehen.

Ein abgeschnittener Zopf als Symbol für Frauenprotest.

Dilemma

Marzia wiederum schildert ein weiteres Dilemma geflüchteter Frauen. „Kopf und Herz sind weiter in Afghanistan. Ich träume oft von meiner Familie, die noch dort ist.“ Eine ihrer Nichten hat das Leben dort nicht mehr ertragen und versucht sich umzubringen. Schwer behindert hat sie überlebt. „Ich wünsche allen Frauen, dass die endlich eine Zukunft haben.“

Fakten

Eine Schulglocke erklingt, fröhlich plaudernd sitzen die Frauen jetzt im Kreis und rufen ihre Wünsche: Sie möchten reisen, arbeiten, Ärztin sein, Polizistin werden, als Anwältin wirken... die Fröhlichkeit wird erstickt von einer Liste der Verbote.

Getötete Schülerinnen

Eine Frauenstimme wird eingeblendet, die verstörende Fakten liefert: von getöteten Schulmädchen in Kabul, von getöteten Hazara, von strengen Gesetzen, die Frauen fast alles verbieten – zu arbeiten, zu lernen, zu studieren, aus dem Haus zu gehen. „Frauen dürfen nicht...“ – die Liste scheint endlos lang.

Die Klagen der Frauen – vielfach in ihrer Heimatsprache – steigern sich zum Fortissimo und angesichts dessen halten sie sich verzweifelt die Ohren zu. Leid, das nicht mehr ertragbar ist.

Neues Leben

„Die afghanischen Frauen sind zu bewundern“, sagt Gudrun Schubert nach der Aufführung. Bei den Proben habe es neben vielen Tränen auch große Freude darüber gegeben, dass die Frauen und ihre Töchter nun ein anderes Leben führen können.

Leben als ständiger Spagat

Natürlich aber bedeute dieses einen ständigen Spagat zwischen Familientraditionen und unserer Gesellschaftsform, gab sie zu bedenken. Beim anschließenden Frühstück bestand dann Gelegenheit zum intensiven Austausch.

Exil-Künstler

Hingewiesen wurde zudem auf die Bühnenbilder: Der international ausgezeichnete afghanische Maler Hisamuddin Rustaqi hat zwei Werke beigesteuert sowie die iranische Künstlerin Marjah Nili mit ihren gesichtslosen, im Dunkel verschwimmenden Frauenporträts. Beide Künstler leben nach ihrer Flucht in Lörrach.

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