Lörrach „Free Walls“ feiern Geburtstag

Lörrach - Vor elf Jahren wurden die 56 Betonpfeiler unter der Brücke der A 98 für legales Sprayen freigegeben – die Geburtsstunde der „Free Walls“ und der „Bridge Gallery“. Nun soll diese mit dem „Open Bridge“- Festival am 17. und 18. September gewürdigt werden. Zudem möchte die Stadt künftig in der Innenstadt verstärkt Flächen für Street Art suchen.

Angefangen hat alles mit einer Jugend-Initiative um die Sprayer David Kaltenbach und Philipp Lossau, die legale Flächen für ihre Kunst suchten. Mit Unterstützung des Jugendparlaments, des SAK, des Künstlers Wolfgang Krell und der Stadtverwaltung wurden schließlich 2010 die „Free Walls“ geschaffen. „Das waren damals die ersten legal zu besprayenden Autobahnpfeiler in Deutschland“, betonte Kultur-Fachbereichsleiter Lars Frick beim Mediengespräch am Dienstag im Rathaus.

Später brachte Kai Hendrik Schlusche auch zahlreiche bekannte auswärtige Künstler wie ECB, Smash137, Loomit oder Tasso nach Lörrach. Doch nach Kritik aus der lokalen Graffitiszene stellte er sein Engagement Ende 2013 ein, weil die Stadtverwaltung und die lokale Szene eine andere Auffassung von der Ausrichtung der Bridge Gallery hatten: Schlusche wollte weitere Flächen von prominenten Künstlern gestalten lassen, die Kommune sprach sich für die Möglichkeit aus, auch Werke renommierter Sprayer übermalen zu dürfen.

„Jeder Banksy hat mal klein angefangen“

„Man muss sowohl den Profis als auch der lokalen Szene Flächen bieten“, befand nun rückblickend Eric Bintz, Bereichsleiter SAK Altes Wasserwerk, am Dienstag. Er hat das Projekt von Beginn an begleitet und weiß: „Jeder Banksy hat mal klein angefangen und die Jungen können wiederum von den Profis lernen.“

Die Kombination aus Free Walls, Pumptrack und die Freiflächen unter der Autobahnbrücke sei darum ein „einzigartiger Schatz – die Kunstwerke und die besondere Atmosphäre faszinieren Jung und Alt.“

Eigentlich sollte das Festival bereits zum zehnjährigen Bestehen stattfinden, durch die Pandemie musste der Termin um ein Jahr verschoben werden. Nun hofft nicht nur Oberbürgermeister Jörg Lutz, dass der „kleine coronagerechte Anlass“ durchgeführt werden kann.

Organisiert wird das Programm (siehe Ende des Artikels) federführend vom Fachbereich Kultur und Tourismus, dem SAK, der Touristinformation, Wolfgang Krell, dem Kunst- und Kulturförderkreis Lörrach (KKF) und dem Fachbereich Jugend, Schulen, Sport. Wenn es die Pandemie zulässt, ist laut Anna Cassel, Fachbereich Kultur und Tourismus, auch eine Bühnenshow mit lokalen, jugendlichen Künstlern und Bands vorgesehen.

Unterstützt wird das Festival von der Bürgerstiftung, der Sparkasse Lörrach-Rheinfelden und dem Premiumsponsor Badenova. Der regionale Energieversorger blickt selbst auf eine mehr als 15-jährige „Graffiti-Tradition“ zurück, wie Roland Weis, Bereichsleitung Unternehmenskommunikation, erklärte. Nachdem Trafostationen und Umspannwerke immer wieder illegal besprüht wurden, entwickelte Badenova mit dem Künstler „zoolo“ ein Schulprojekt und hat inzwischen zahlreiche Fassaden verschönert.

Beim Festival soll ebenfalls ein Pfeiler zum Thema Biodiversität im Rahmen des Schulprojekts gestaltet werden. Weiß betonte außerdem: „Die Bridge Gallery ist ein Alleinstellungsmerkmal und inzwischen fast eine touristische Destination.“

Basel als Vorbild

André Marker, Vorsitzender des Kunst- und Kulturförderkreises Lörrach, ergänzte: „Urban Art ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen.“ Die Freiluftgalerie bezeichnete er als „bedeutendste, jederzeit öffentlich zugängliche Kunstsammlung in der Region“, die der KKF seinen überwiegend älteren Mitgliedern näher bringen möchte.

Nach dem Vorbild Basel, wo großflächige, hochwertige Graffiti seit langem zum Stadtbild gehören, sollen künftig auch an anderen Orten als der A98-Brücke im Stadtgebiet große Flächen für Street Art geschaffen werden – sowohl für renommierte Gast-Künstler als auch für den regionalen Nachwuchs. Lars Frick erklärte: „Wir sind da völlig offen, müssen aber natürlich schauen, was finanziell darstellbar ist und Gebäude finden beziehungsweise Eigentümer, die damit einverstanden sind.“ Es gebe aber bereits einige Ideen.

Programm „Open Bridge“- Festival

Beim zweitägigen „Open Bridge“-Festival am 17. und 18. September werden mit „SWET“ und „CMP One“ auch zwei international bekannte Graffiti-Künstler zu Gast sein und jeweils einen Brückenpfeiler neu gestalten. Sie gelten als „Mitbegründer der Street Art in Dänemark“, erklärte Anna Cassel bei der Programmvorstellung.

Dazu ist eine Graffiti-Session mit regionalen Künstlern geplant. Wer dazu eingeladen wird, entscheidet ein Wettbewerb. Beteiligen können sich laut Cassel sowohl Profis als auch Amateure. Bewerbungen inklusive einer Zeichnung oder Skizze des geplanten Kunstwerkes können bis zum 5. September per E-Mail an kultur@loerrach.de eingereicht werden.

Jugendaustausch

Außerdem sind Mitmachworkshops und ein Austausch zwischen sieben Lörracher Jugendlichen und sieben jungen Gästen aus der französischen Partnerstadt Sens unter dem Titel „Painting Bridges“ geplant. Jugendliche Interessenten können sich hierfür noch anmelden. Dazu wird es spezielle Führungen für Schüler geben.

Podiumsdiskussion

Der Kunst- und Kulturförderkreis Lörrach (KKF) organisiert zudem am 22. September eine Podiumsdiskussion unter der Fragestellung „Subkultur oder Mainstream?“ mit Oberbürgermeister Jörg Lutz, Eric Bintz sowie den Künstlern Beate Fahrnländer, Wolfgang Krell und David Lucco. Dabei geht es auch um den Umgang mit „Urban Art“ und die Duldung im öffentlichen Raum. Des Weiteren plant der KKF Führungen durch die Bridge Gallery und Basel, wo Street-Art allgegenwärtig ist.

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