Lörrach Fridays for Future: Laut, kreativ und ungeduldig

Lörrach - Rund 250 Demonstranten folgten am Freitag dem Aufruf der lokalen Gruppe von „Fridays for Future“ (FFF), am Protestzug durch die Innenstadt und der abschließenden Kundgebung auf dem Alten Markt teilzunehmen. Die Demonstration war Teil des von der Klimaschutzbewegung ausgerufenen sechsten globalen Klimastreiks.

Thematisch stand in der Lerchenstadt diesmal die deutschlandweite Klimawende im Mittelpunkt. „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr unsere Zukunft klaut“ und „Hopp, hopp, Kohlestopp“ hallte es, als ein langer Tross von Menschen durchs Zentrum zog – immer wieder angepeitscht von FFF-Mitglied Charmaine Benissan, die nach eigener Aussage „für die Stimmung zuständig“ war.

Der mit Transparenten und Ghetto-Blaster im Fahrradanhänger ausgerüstete Zug lief im wahrsten Sinne des Wortes am Schnürchen: Aufgereiht an einem langen grünen Faden mit Knoten nach jeweils 1,5 Metern zogen die mit Maske ausgestatteten Teilnehmer über den Marktplatz, passierten Burghof, Synagoge, Senser Platz und Hebelpark, um durch Turm- und Tumringer Straße schließlich dem Kundgebungsort Alter Markt zuzustreben. Von der dort aufgebauten Bühne aus kündigten die Mitorganisatorinnen Océanne Delin und Ronja Hofmann die insgesamt sieben Redner des Tages an, angefangen mit Jürgen Rösch von der Genossenschaft „Energie aus Bürgerhand Hägelberg“.

Er zollte den Jugendlichen von FFF Respekt dafür, „Gesellschaft, Medien und Politik wachgerüttelt“ zu haben, und berichtete von der erfolgreichen Umstellung von Hägelberg auf die hundertprozentige Nutzung erneuerbarer Energien. Gegner hätten die Bewegung zunächst belächelt, dann den „Stopp der Verrückten“ gefordert. Am Ende sei es dennoch gelungen, den Ortsteil von Steinen zum „Bioenergiedorf“ zu machen und damit auch Arbeitsplätze zu schaffen. Röschs Botschaft an die jungen Klimaschützer: „Glaubt an eure Ideale, habt Mut, kämpft gegen Widerstände und nehmt sie mit ins Boot“ – will heißen: die Bürger, die Wirtschaft und die Politik.

Mit dem Lörracher Gemeinderat bereits im Gespräch ist die Initiative „CO2COMPASS“, wie Rednerin Marina Leibfried erklärte. Die Organisation tritt für die Klimaneutralität von Kommunen bis 2035 ein, um so die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens zu erfüllen.

Die Idee zur Umsetzung: Teilnehmende Gemeinden sollen Bürger und Unternehmen aufrufen, mit einer von der Initiative entwickelten App ihre individuelle Klimabilanz zu erstellen. Bei Überschreitung bestimmter Zielwerte unterstütze die Initiative bei der CO 2-Reduktion, letztlich würden bei Nichterreichung „Klimabeiträge“ vergleichbar mit einer Müllgebühr fällig, die in einen Klimafonds flössen. Die Initiative erhofft sich die Einführung in mehreren Pilotkommunen, wodurch ein „kommunaler Kippeffekt“ ausgelöst werden könnte.

In einem Beitrag zu den Nachteilen der industriellen Tierhaltung rechnete Levi Hauf vor, dass ohne den Verbrauch von Tierfutter durch die Fleischwirtschaft 3,5 Milliarden mehr Menschen ernährt werden könnten. Und die ebenfalls jugendliche Rednerin Madleina Buchenberger regte mit ihrem Ausruf „Verzicht bedeutet nicht Verlust“ zur Abkehr vom Massenkonsum an.

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