Lörrach Frischer Wind aus Lörrach

Der nicht fühlbare Ionenwind lenkt die Flamme einer Kerze ab. Rickmer Krienitz (v. l.), Frieder Büchner und Daniel Mynko bauen in Chemnitz ihre Versuchsanordnung auf. Foto: Rolf Reissmann

Lörrach - Heute ist Reisetag: Rickmer Krinitz, Daniel Mynko und Frieder Büchner sind gemeinsam mit ihrem Betreuer Hermann Klein auf dem Weg nach Chemnitz. Dort findet ab Donnerstag der Bundeswettbewerb „Jugend forscht“ statt.

Als Landessieger vertreten die Lörracher Schüler Baden-Württemberg. Neun Monate lang arbeiteten sie am Schülerforschungszentrum Phaenovum zur Frage „Ionenwind – Antrieb der Zukunft?“ Physikalisch ist Ionenwind eine unsichtbare Kraft, die entsteht, wenn in der Luft ein elektrisches Spannungsfeld aufgebaut wird.

Ein in Amerika geglückter Versuch bewies, dass sich beim Aufbau über lange Strecken wirkende Felder Lasten fortbewegen werden können, in jenem Fall war es ein Modellflugzeug. Luftverdünnter Raum oder auch Umfelder mit anderen Gasen sind im Weltraum zu finden, daraus leiteten sie ab, dass Ionenwinde für die Raumfahrt nützlich sein können.

Um dies nochmals zu demonstrieren, bauten sie ein Modell des Raumschiffs Enterprise, das sie dann im selbst erzeugten Ionenwind im Kreis fahren ließen. Nach all diesen Versuchen kommen die drei Jugendforscher zum Schluss, dass etwa in der Atmosphäre der Venus Ionenwinde besonders leicht und wirksam zu erzeugen wären. Mit kräftigen Ionenwinden ließen sich unter günstigen Bedingungen Antriebe bauen, deren Effizienz 15 mal höher als die von Düsentriebwerken ist. Der wohl wichtigste Vorteil ist die Geräuschlosigkeit und der Wegfall jeglicher Schadstoffe.

Nun sind Experimente nur die eine Seite der Forschungsarbeit. Viel Aufwand bereiteten ebenfalls die handwerkliche Arbeiten zur Herstellung der Versuchsanordnungen. Wichtiger Teil ist die Dokumentation. Neben zwei großformatigen Darstellungen entstand eine 15-seitige Dokumentation, die mit komplizierten Grafiken die erzielten Ergebnisse belegt.

Als Rickmer, Daniel und Frieder mit ihren Experimenten begannen, trafen sie sich zunächst einmal in der Woche, doch je stärker sie in die Materie eindrangen und je konkreter die Ergebnisse wurden, desto mehr Zeit setzen sie ein. „Da waren wir auch ganze Ferientage und an den Wochenenden hier, es wurde ja so spannend,“ sagt Frieder Büchner.

Alle drei besuchen die 11. Klasse, Frieder Büchner am Hebel-Gymnasium, Rickmer Krinitz und Daniel Mynk am Hans-Thoma-Gymnasium. Hermann Klein, Betreuer der Forschungsgruppe am Phaenovum, lobt die konzentrierte Arbeit: „Die drei Jugendlichen arbeiteten nicht nur mit extrem hohem Zeitaufwand, sie waren sehr selbständig beim Versuchsaufbau, sie erledigten auch die scheinbaren Nebenaufgaben äußerst gewissenhaft,“ fügt er an. „Dass sie erfolgreich tätig waren, beweist doch schon die Tatsache, dass sie unter insgesamt 1641 Projekten im Bereich Physik zu den besten 16 gehören.“

Beim Bundesentscheid werden am Donnerstag die Versuchsreihen aufgebaut, am Freitag erfolgt die Präsentation vor Jurorengruppen, dabei sind auch intensive Gesprächsrunden vorgesehen. Am Sonntag findet dann die Preisvergabe durch den Bundespräsidenten statt. Neben Physik sind unter anderem auch die Fachrichtungen Chemie, Biologie sowie Mathematik und Informatik vertreten. Die drei Lörracher hoffen auf ein gutes Ergebnis. Die Erfolge früherer Phanovum-Forscher lassen durchaus Optimismus aufkommen – in den zurückliegenden zehn Jahren nahmen 13 Gruppen von hier am Bundesfinale teil.

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