Lörrach Fröhliche Reise ins Jenseits

Markus Greiß
 Foto: Markus Greiss

Von Markus Greiß

Lörrach. Burghof am Mittwochabend: Beim Auftritt der Schweizer Clownin Gardi Hutter geht es um Leben und Tod, und doch hat das zahlreiche Publikum beim Programm „Gaia Gaudi“ viel zu lachen.

Die von Hutter gespielte Hanna – Wuschelhaare, rote Clownnase und aufgepolsterte Figur unter der knallorangenen Schürze – ist tot, nur weiß sie es noch nicht. Ihr Körper liegt schon im Sarg, während ihr Geist verzweifelt versucht, die trauernde Tochter auf sich aufmerksam zu machen. Doch die Kluft zwischen der Welt der Lebenden und der Toten ist schon unüberwindbar. Widerwillig gesellt sich die Seele zum Körper in die Kiste, und die doppelte Hanna begibt sich auf eine rasante Reise ins Jenseits, die ein Spiegel des Lebens ist – mal ist Hanna obenauf und kommandiert als operettenhafte Königin ihren Lakaienstaat herum. Mal regiert der Alltag, in dem die lieben Kleinen partout nicht zum „Ässseeen!“ kommen wollen. Und mal fürchtet sie sich vor den schwarzen Totenvögeln, die wild tanzend um sie herumkreisen, um ihr schließlich den Blick in ihren großen Lebenskoffer zu öffnen.

Was sie sieht, ist durchaus ambivalent. In Anspielung auf Edith Piafs berühmten Chanson folgt auf ein trotziges „Je ne regrette rien“ (ich bedaure nichts) ein „Je regrette tout“ (ich bedaure alles).

Viel mehr wird an diesem Abend nicht gesprochen. Der Clownin und ihren grandiosen Mitwirkenden Neda Cainero, Juri Cainero und Beatriz Navarro gelingt es, die Zuschauer mimisch, gesanglich, tänzerisch und instrumental ganz ohne Worte in ihren Bann zu ziehen. Hanna überwindet nicht nur die Grenze zwischen Leben und Tod, sondern auch die Barriere zu ihrem Publikum: Im Zuschauerraum erteilt sie Jodelunterricht und umarmt und verwuschelt, natürlich coronakonform maskiert, „Mama!“ und „Papa!“, unfreiwillig gespielt von einem Paar in einer der vorderen Sitzreihen.

Auf der Bühne begegnet sie dann zu den Klängen von „We will rock you“ der steingewordenen griechischen Muttergottheit Gaia und einer Urahnin („Mamamamamama“), bevor sie mal schnell drei erwachsene Kinder gebiert.

In „Gaia Gaudi“ geht es Hutter somit um „den großen Strom von Generationen, die stetig das Leben weitergeben“, wie sie in der Programmvorstellung schreibt. Das Publikum ist gerührt und begeistert. Selbst nach der Vorstellung gibt es noch spontanen Beifall, als Gardi Hutter schon im Foyer wartet – vor einem großen Koffer mit Büchern und DVDs aus ihrem Lebenswerk.

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