Lörrach „Für Lörrach unverzichtbar“

Lörrach - Ende des Monats hört Pächter Fritz Leisinger bekanntlich im Restaurant Rosengarten auf. Damit es weiterhin einen Treffpunkt im Grüttpark gibt, haben Anwohner 790 Unterschriften gesammelt und gestern an Oberbürgermeister Jörg Lutz übergeben. Dieser ist zuversichtlich, dass es dort auch künftig ein gastronomisches Angebot gibt.

„Der Rosengarten ist für alle Altersgruppen wichtig, für die einheimische Bevölkerung und Urlauber, für Hochzeitspaare und besonders für Senioren und Menschen mit Behinderung, die Ruhe und das besondere Umfeld zu schätzen wissen. Er ist für Lörrach unverzichtbar“, erklärte Natali Fessmann bei der Übergabe im Rathaus. Die Sprecherin der IG Verkehr hatte mit ihrer Gruppe die Anwohner unterstützt.

Schon 2002 erstmals über Abriss diskutiert

Die Liste sei als „sachliche Wortmeldung der Anwohner zu verstehen, die damit klären wollten, wie wichtig der Rosengarten ist und für wen“, so Fessmann. Denn das Thema werde bereits seit knapp 20 Jahren „eher schwammig“ diskutiert. Schon 2002 stand der Abriss des Gebäudes, das sich im Eigentum der Stadt befindet, aus Kostengründen erstmals zur Debatte. Das Ergebnis von mindestens 790 gesammelten Unterschriften innerhalb von drei Wochen im August – einige der ausgelegten Listen wurden laut Fessmann offenbar entwendet – zeige, „dass der Rosengarten für Lörrach und die grenzüberschreitende Region wichtig und gut etabliert ist“.

In der Nordstadt seien in den vergangenen Jahren bereits vier Lokale verschwunden, „die den Anwohnern als Treffpunkte gedient haben“, beklagte Fessmann. Die meisten Restaurants liegen zentral in der Innenstadt rund um den Marktplatz, aber Lörrach wachse, darum sei es wichtig, dass sich die Verwaltung auch für neue Lokale in der Fläche, in den Quartieren, engagiere und vorhandene stärke.

Gastronomie wie im Rosengarten verdiene eine „entsprechende Wertschätzung der Politik und der Gesellschaft“, so Fessmann, die die Liste mit den Anwohnerinnen Martina Roth und Ursula Gehweiler überreichte. Die Stadträte Bernhard Escher (CDU) und Jörg Müller (Freie Wähler) unterstützten sie dabei und sprachen sich „für den Erhalt des Ensembles“ sowie eine zeitnahe Nachfolgeregelung aus.

Lutz bedauert Kündigung

Oberbürgermeister Lutz dankte für das Engagement und betonte: „Damit rennen Sie bei mir offene Türen ein.“ Natürlich sei ein gastronomisches Angebot an diesem Ort wichtig, „darum bedauere ich es auch sehr, dass die Familie Leisinger aufhört“. Zuerst seien jedoch die Verhandlungen über einen Kauf auf Erbbaurechtsbasis gescheitert, dann habe Fritz Leisinger den Mietvertrag gekündigt und als einzigen Grund Personalmangel angegeben, so Lutz.

„Der Fachbereich Grundstücks- und Gebäudemanagement hat uns immer mehr den Eindruck vermittelt, dass an einem erfolgreichen Betreiben des Gastronomiebetriebes gar kein Interesse besteht“, hatte sich Leisinger im Februar im Gespräch mit unserer Zeitung über die Verwaltung beklagt. Das Gebäude befinde sich in einem schlechten energetischen Zustand und die Heizung habe nie funktioniert, so Leisinger, der knapp 90 000 Euro in die Infrastruktur investiert hat.

„Ich weiß nicht, ob bei uns alles immer optimal gelaufen ist“, sagte Lutz, nun gelte es aber, nach vorne zu schauen. Er verteidigte auch den Verkauf auf Erbbaurechtsbasis: „Es gehört nicht zu den Pflichtaufgaben einer Gemeinde, eine Gaststätte zu betreiben.“ Er erhofft sich dadurch eine „nachhaltige Lösung“ mit einem „stabilen Betrieb“ über Jahre.

Öffentliche Toilette ein großes Anliegen

Die Ausschreibung habe bereits fünf Bewerber hervorgebracht, deren Konzepte nun geprüft werden. Ob es allerdings wie von den Anwohnern gefordert, auch weiterhin einen umfassenden Restaurantbetrieb geben wird, wollte Lutz nicht versprechen: „Wir tun alles dafür, was wirtschaftlich sinnvoll ist." Er verwies in diesem Zusammenhang jedoch auch auf die erfolgreiche neue gastronomische Ausrichtung in der Burgschenke Rötteln.

Neben der Gastronomie ist eine öffentliche Toilette im Park ein großes Bedürfnis: „So etwas fehlt im Grütt, Herr Leisinger hat es netterweise Spaziergängern immer erlaubt, die Toilette zu benutzen,“ sagte Fessmann. Lutz sprach sich aus Vandalismus- und Verschmutzungsgründen auf Nachfrage klar gegen eine separate Anlage aus, zeigte sich aber offen, einen höheren Ausgleich an die neuen Betreiber des Cafés zu bezahlen.

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