Lörrach Fulminantes Schlaglicht

Jürgen Scharf
Perkussionist Nico Wolbert und das Oberrheinische Sinfonieorchester trafen in Willi Vogls Konzert für Schlagwerk den Puls dieser rhythmisch zündenden Musik. Foto: Jürgen Scharf

Von Jürgen Scharf

Lörrach. Als der Komponist Willi Vogl an sein Konzert für Schlagwerk und Streichorchester ging, hatte er die Idee im Hinterkopf, dass der Streichorchesterklang mit einem Solisten farbiger wird.

Im Konzertabend des Oberrheinischen Sinfonieorchesters Lörrach am Sonntagabend unter Leitung der Gastdirigentin Brigitte Schnabel konnte man bei der Uraufführung dieses Auftragswerks im Sparkassen-Auditorium erleben, was der Komponist damit gemeint hat.

Vogls neues Werk „Schlaglicht“, das bei diesem Sommerkonzert fulminant aus der Klangtaufe gehoben wurde, hat hochinteressante Klangfarben. Schlagzeugkonzerte gibt es nur wenige, und wenn, dann nicht viele gute. Meist für den Multiperkussionisten Martin Grubinger geschrieben, sind sie fast unspielbar.

Vogls Konzert für das Schlagwerk-Standard-Instrumentarium füllt hier eine Lücke, kann sich in dieser Nische bestens positionieren und hat das Zeug, ein Repertoirestück zu werden. Es ist gut verständlich in der Klangsprache, dankbar für den Solisten, nicht zu schwierig für das Orchester. Der einleitende Satz ist ungewöhnlich und tanzt vor Heiterkeit, der zweite und dritte Satz sind eher klassisch.

Der Solist Nico Wolbert sorgte dafür, dass die Feierlaune in dem manchmal nach „fröhlichem Chaos“ klingenden lebensfrohen ersten Satz („Buntes Leben“) nicht ganz in karibische Ausgelassenheit ausufert.

Der Mittelsatz („Blick ins Jenseits“), den der Komponist als „Spiritualität des Menschen“ definiert, ist eine meditative, visionäre Musik; man könnte den leisen Beginn mit seiner Steigerungsdramatik auch als strahlenden Sonnenaufgang hören.

Das Finale ist eine rasante perkussive Reise durch fünf Tomtoms, Bongos, Becken und Woodblock, leicht und unbeschwert, mit dem Einsatz orchester-untypischer Klangmittel wie Schöpfkelle und Esslöffel und demnach von ansteckender Vitalität und Fröhlichkeit.

Nico Wolbert trieb diese wilden Schlagzeug-Eruptionen noch auf den Gipfel. Mit seiner rhythmischen Verve war er genau der richtige Uraufführungsinterpret, der sein Bestes gab. Auch das Marimbaphon und Vibraphon werden von ihm meisterhaft gespielt. Seine wundervolle Zugabe, ein modern arrangierter Bachchoral, hätte immer so weitergehen können...

Brigitte Schnabel erwies sich in Vogls komplexem modernem Stück als kompetente und einfühlsame Dirigentin, und das Oberrheinische Sinfonieorchester war hör- und sichtbar spielfreudig bei der Sache und hat sich im musikalischen Dialog mit dem Soloinstrument bei der exakten Umsetzung selber übertroffen. Eine stolze Leistung!

Das Programm samt einer ausführlichen Werkeinführung des Komponisten mit Hörbeispielen dauerte mit zweieinhalb Stunden sehr lange, was besonders auf den zweiten Teil zutraf.

Die vielen einzelnen Sätze in den fraglos gut einstudierten Suiten Béla Bartóks („Rumänische Volkstänze“), Edvard Griegs („Aus Holbergs Zeit“) und Leos Janáceks („Idyll“) verlangten erhöhte Konzentration beim Zuhören. Das Orchester hatte sogar noch Kraft für die intensive Zugabe einer „Ukrainischen Melodie“!

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