Lörrach Gastfreundschaft in der Fremde

472 Mitfahrgelegenheiten stehen bereits zu Buche. Foto: Die Oberbadische

Sina Bohsung und Niels Angne aus Lörrach sind seit mehr als zwei Jahren per Anhalter in der Welt unterwegs. Hier erzählen sie von ihren Erlebnissen und der Gastfreundschaft in der Fremde – an Weihnachten stets ein aktuelles Thema.

Von Beatrice Ehrlich

Lörrach. Seit Oktober 2017 reisen Sina Bohsung, Immobilienkauffrau, und Niels Angne, studierter Theologe, per Anhalter rund um die Welt. Derzeit legen sie einen kurzen Zwischenstopp in ihrer Heimatstadt Lörrach ein, bevor es dann ab Kuala Lumpur/Malaysia wieder weitergeht auf ihrer Entdeckungstour.

Am meisten beeindruckt hat sie die Großzügigkeit und Gastfreundschaft von Menschen, die, obwohl sie selbst nicht viel besitzen, sie dennoch mit offenen Armen empfangen haben. Ringen um Nachhaltigkeit Die Weltreise der beiden 28-Jährigen ist auf ein offenes Ende ausgelegt. Zu Buche stehen bislang 472 Mitfahrgelegenheiten. Diese führten Sina und Niels über Deutschland, die Schweiz, Österreich, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Griechenland, die Türkei, Georgien, Armenien, Iran, Pakistan, Indien, Nepal, Myanmar, Thailand und Laos bis nach Kambodscha.

Nicht die Hotspots der internationalen Reiseindustrie seien ihr Ziel, sondern die Welt zu sehen, „wie sie ist“, betonen die beiden, „so wie Menschen früher immer gereist sind“. Ob der Tee mit Bauarbeitern am Straßenrand in der Türkei oder das Eintauchen in die Welt der Einheimischen in einem Dorf in Myanmar, in dem sie versehentlich mitten in der Nacht ihr Zelt aufgeschlagen hatten.

Es gibt viele Momente, die das Paar so schnell nicht vergessen wird, das eine Woche vor seiner Abreise aus Südbaden den Bund der Ehe geschlossen hat. Auch aus Umweltschutzgründen haben sie sich einen nachhaltigen Reisestil auf die Fahnen geschrieben. Zurück in Kuala Lumpur, wo sie bei Gesamt-Reise-Kilometer 46 436 ihre Reise unterbrochen haben, wollen sie ihren Weg nach Singapur fortsetzen und dort nach einer Mitsegelmöglichkeit in Richtung Philippinen oder Australien suchen. Auch, sich im Hafen vorübergehend Arbeit zu suchen, schließen sie nicht aus. Mit Gitarre und Geschichten Geben Sie auch etwas zurück, wenn sie rund um den Globus Gastfreundschaft genießen? 35 Euro von ihrem monatlichen Reisebudget in Höhe von rund 300 Euro spenden sie an Projekte, die Einheimischen zugute kommen. „What goes around, comes around“, zitiert Bohsung ein englisches Sprichwort. Frei übersetzt: „Wie man in den Wald ruft, so schallt es heraus“. In manchen Ländern sei es zudem durchaus üblich, für eine Mitfahrgelegenheit zu zahlen, haben die beiden beobachtet – in Osteuropa zum Beispiel, dort hätten sie sich der Kultur angepasst. Doch in den allermeisten Fällen hätten die Menschen, die sie mitnahmen oder zu sich nach Hause einluden, nichts annehmen wollen. Momente mit der Gitarre und Geschichten von ihrer Reise seien das, was sie oft mit ihren Gastgebern teilten, berichten die beiden. „Die Menschen möchten Abenteuer hören.“ Rettung aus höchster Gefahr Ein solches Abenteuer haben sie auf dem berühmten Karakorum Highway in Pakistan erlebt, wo sie bei strömendem Regen auf einem geliehenen Motorrad unterwegs waren und durch einen Erdrutsch ausgebremst wurden. LKW-Fahrer befreiten sie schließlich samt Motorrad aus ihrer misslichen Lage.

Doch schlimmer war, was sie einige Kurven weiter erwartete: ein Wasserfall, mit dem auch große Steine auf die Straße geschmettert wurden: Höchste Lebensgefahr! Plötzlich wurde ihnen klar, dass der Erdrutsch zuvor sie vor weitaus Schlimmerem bewahrt hatte.

Deutschland als ihre Heimat ist für die zwei Reisenden in weite Ferne gerückt. Längst haben sie sich an ihr Nomadenleben gewöhnt: mit bescheidenen Ansprüchen an Übernachtungen – im Zelt, im Hostel, beim Couchsurfing oder eingeladen bei Einheimischen.

Beide sind Veganer und sehen sich überall auf der Welt gut versorgt. Der Kontakt mit der Familie und Freunden ist über soziale Netzwerke oder Videotelefonie von überall auf der Welt möglich. Das gilt auch für gemeinsam Projekte der beiden, wie etwa Reisetipps, die sie per Internet an andere weitergeben, oder das Album mit selbst geschriebenen Liedern, das im kommenden Jahr herauskommen soll.

Lesen Sie das ePaper bis zum Jahresende für nur 39 Euro! Jetzt HIER anfordern.

Umfrage

Peter Altmaier

Angesichts zunehmender Coronavirus-Neuinfektionen plädiert Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier für härtere Strafen bei Verstößen gegen die Corona-Regeln. „Wer andere absichtlich gefährdet, muss damit rechnen, dass dies für ihn gravierende Folgen hat“, sagte Altmaier der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Teilen Sie seine Ansicht?

Ergebnis anzeigen
loading