Lörrach Geduld für den Piks

Lörrach - 150 Meter – So lange war am Donnerstag und Freitag zeitweise die Warteschlange vor dem Impfzentrum am Haagensteg. Hunderte Impfberechtigte standen trotz Termin deutlich mehr als 30 Minuten im Regen, bevor sie überhaupt die Halle für die Anmeldung betreten durften. Gerade für ältere Personen eine Situation, die zu Kritik führte.

„Insbesondere bei gebrechlichen und hochbetagten Menschen sollte das natürlich nicht passieren“, sagte Torben Pahl, Pressesprecher des Landkreises, am Dienstag auf Anfrage. Das Sicherheitspersonal sei angewiesen, diese Personen aus der Schlange zu holen, sie vorzuziehen, oder ihnen zumindest eine Sitzgelegenheit unter dem Dach anzubieten.

Riesenbedarf bei Aufklärung

Gleichwohl komme es derzeit aus mehreren Gründen zur Schlangenbildung: „Wir haben die Kapazitäten hochgefahren, versuchen so viele Personen wie möglich zu impfen, und gleichzeitig gibt es bei den Arztgesprächen einen Riesenbedarf an Aufklärung zu AstraZeneca.“

Die Mitarbeiter vor Ort müssten „viele Diskussionen führen“, da einige ältere Personen regelrecht um einen Wechsel auf Biontech feilschten, erklärte Pahl. Impfberechtigte unter 60 Jahren würden hingegen automatisch auf BioNTech umgebucht, wenn sie nicht auf eine Impfung mit AstraZeneca bestünden.

Derweil wurde die Schlagzahl erhöht: Mittlerweile werden 6000 Termine für die acht Impfstraßen in der Halle des Freizeitcenters Impulsiv pro Woche vergeben – immer dienstags bis samstags von 8 bis 20.30 Uhr. „Als wir am 22. Januar gestartet sind, waren es nur 150 Termine pro Woche mit einer Impfstraße“, berichtete der Pressesprecher.

Die maximale Kapazität für das Kreisimpfzentrum beträgt 10 000 Termine pro Woche, verteilt auf sieben Tage. Für eine volle Ausschöpfung des Potenzials wird laut Pahl bislang aber zu wenig Impfstoff geliefert.

Enge Taktung

Die Abläufe an den Stationen – von der Anmeldung bis zum abschließenden Wartebereich nach dem Piks – sind sehr eng getaktet und die Wartemöglichkeiten dazwischen räumlich stark begrenzt. Eine kleine Verzögerung durch ein ausführliches Gespräch über AstraZeneca führe so zwangsweise schnell zu einem Anwachsen der Schlange im Freien, so Pahl.

Diese vervierfachte sich beispielsweise am Freitagnachmittag im strömenden Regen innerhalb von gut 90 Minuten. Gleichzeitig dauerte der gesamte Prozess vom Einreihen zur gebuchten Uhrzeit bis zum Verlassen des Impfzentrums trotzdem weniger als zwei Stunden, wie ein Impfberechtiger im Gespräch mit unserer Zeitung erklärte.

Nicht zu früh zum Termin erscheinen

Die Stimmungsbandbreite unter den Regenschirmen in der Schlange reichte dabei von freudig-euphorisch über angespannt bis wütend. Der Sicherheitsdienst gab sein Bestes, um freundlich, aber bestimmt, Ordnung in die Schlange zu bringen. Ein Mitarbeiter beklagte: „Viele kommen viel zu früh zum Termin“ – manche Impfwillige wohl bis zu zwei Stunden. Es sei jedoch völlig ausreichend, einige Minuten vorher vor Ort zu sein, bestätigte auch Pressesprecher Pahl.

Wer am Freitag pünktlich oder gar fünf Minuten zu spät ankam, wurde vom Sicherheitsdienst außerdem einfach entsprechend weiter vorne in die Schlange einsortiert.

Doch während es für gesunde, jüngere Menschen vielleicht zumutbar ist, eine halbe Stunde im Freien stehen zu müssen, trifft das auf ältere Menschen mit eingeschränkter Gehfähigkeit oder auf Pflegebedürftige nicht zu. Für diese standen jedoch lediglich einzelne Stühle unter der Treppe zur Bowling-Bahn und bei der Beach Bar zur Verfügung.

Harte Kritik

Entsprechend hart fiel die Kritik einer Leserin unserer Zeitung aus: „Früher haben wir gelacht, wenn wir solche Bilder aus der DDR gesehen haben“, teilte sie mit und sprach von Zuständen wie in einer „Bananenrepublik“.

Pahl erklärte dazu: „Wir bessern ständig nach wo es geht. Im Inneren gibt es einfach nicht viele Wartemöglichkeiten aufgrund der räumlichen Kapazitäten.“ Zudem würden die Fragen und Sorgen der Impfberechtigten ernst genommen, was viel Zeit koste.

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