Lörrach Geduld wird mit Hitparade belohnt

Keine Feste oder Veranstaltungen, stattdessen langes Warten auf einen Impftermin. Senioren brauchen derzeit „einen starken Geduldsfaden“, dachte sich Gabi Schmieder. Die Sozialbetreuerin in der Wohnanlage am Karl-Herbster-Platz hat darum mit Gabriella Pinna und den Bewohnern angefangen zu häkeln. Bis zum Martinshaus sollte ihr „Geduldsfaden“ reichen, am Ende wurde er deutlich länger: 5500 Meter.

Von Kristoff Meller

Lörrach. Begonnen hat alles mit einer Idee und einer Wette: Mit dem erneuten harten Shutdown im Dezember wurden „die Tage lang, und besonders das Warten auf einen Impftermin verlangt von den Senioren und Familien viel, viel Geduld, darum wollten wir etwas Positives machen“, erklärte Gabi Schmieder. „Normalerweise hat der Sozialdienst die Aufgabe, Verbindendes anzubieten, und nun müssen wir gleichzeitig Abstand halten, da muss man kreativ werden“, ergänzte Pinna. Gemeinsam wählten sie die Distanz zwischen den beiden Wohnanlagen des Evangelischen Altenwerks als Ziel für ihr Projekt: 1790 Meter. So lang sollte der aus Luftmaschen bestehende Geduldsfaden werden.

Hitparade im roten Glitzerjacket

Martin Strittmatter von der Hausleitung wettete dagegen und versprach: „Wenn Ihr es schafft, komme ich nach der Pandemie für eine Stunde in jedes Haus mit einer stimmungsvollen Hitparade – und im roten Glitzerjacket.“ Das war für die Senioren, denen die sonst den Alltag bereichernden Projekte arg fehlen, ein großer Ansporn. Schmieder: „Die Bewohnerinnen waren mit Volldampf bei der Sache.“ Tagelang sei das Häkeln „das Gesprächsthema im Haus“ gewesen.

Doch auch ein Mann beteiligte sich: Werner Bauer wird in vier Wochen 90 Jahre alt, dennoch hatte er „großen Spaß“ daran, mitzuhäkeln. „Dass ich als Hobby handgestickte Künstlerkarten fertige, war ein Vorteil für mich“, sagte Bauer.

Mit der Zeit zog die Aktion laut Schmieder allerdings „immer weitere Kreise“. Auch in weiteren Häusern des Altenwerks häkelten ihre Kolleginnen und Bewohnerinnen fleißig, ganze Familien und sogar Freunde von Freunden füllten ein Körbchen mit Geduldsfaden nach dem anderen.

Die angepeilte Länge wurde so am Ende deutlich übertroffen. Martin Strittmatter hatte darum bereits sein rotes Glitzerjacket angezogen, als er am Dienstagmittag zum Karl-Herbster-Platz kam, um den 5500 Meter langen Geduldsfaden zu bestaunen. „Das ist wirklich eine tolle Aktion“, lobte Strittmatter. „Sie zeigt, dass ältere Menschen viel Geduld haben, die nun hoffentlich bald auch belohnt wird.“

Bis der Wettgewinn eingelöst werden kann, benötigen die Senioren indes noch einmal Geduld. Schließlich soll die Hitparade nicht unter der Corona-Pandemie leiden, sondern ein Fest ohne Abstandsregeln werden. Die Nummer eins ist dabei laut Strittmatter bereits gesetzt: „Weiße Rosen aus Athen.“ Der Geduldsfaden wird nun laut Schmieder zu einem großen Wandteppich weiterverarbeitet, der so immer an „die schöne Aktion“ erinnern soll. Vermutlich reiche die Menge an Fäden sogar für zwei Teppiche.

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