Lörrach Gefangen in der Karibik

Adargisa Matos (r.) übergibt einer armen Familie in der Dominikanischen Republik ein Nahrungsmittelpaket. Foto: Günter Komposch/zVg

Lörrach/Puerto Plata - Gestrandet in der Karibik: Seit Ende März sitzen der Lörracher Günter Komposch und seine Partnerin Adargisa Matos in der Dominikanischen Republik fest. Trotz vieler Einschränkungen aufgrund der Corona-Krise helfen sie der armen Bevölkerung vor Ort – so gut es geht – und bitten um Spenden.

„Es herrscht hier zum Teil bitterste Armut. Es ist eine Katastrophe, wenn man das hautnah miterlebt“, erklärt Günter Komposch. Er hatte das Pech, im März, nach der weltweiten Ausbreitung des neuartigen Corona-Virus, die Heimreise per Flugzeug nicht mehr antreten zu können. Mit seiner Partnerin, die aus der Dominikanischen Republik stammt, aber bereits seit 18 Jahren in Deutschland lebt, kam Komposch Mitte Januar in der Karibik an. Von einer nahenden Corona-Krise war damals noch keine Rede. Der Rückflug war für den 25. März gebucht. Dann kam das Virus. Eine Woche vor dem Rückflug erhielt Komposch die Nachricht, dass sein Flug gestrichen sei. Fieberhaft verhandelte er mit der Fluggesellschaft und versuchte, umzubuchen. Als zwei Tage vor Abflug alle Bemühungen ergebnislos verlaufen waren, kontaktierte er die Deutsche Botschaft. Dort erfuhr er, dass am 25. März der letzte Flug im Rahmen der deutschen Rückholaktion abgehen würde. Dieser sei aber bereits ausgebucht. Danach schlossen die Behörden alle Flughäfen.

Nach und nach machten auch die Hotels, sämtliche Restaurants und Gaststätten dicht. „Wir sind dann bei Bekannten aus Deutschland, die hier wohnen, untergekommen“, erzählt Komposch im Telefongespräch.

Die Tage, die der Lörracher Catering-Unternehmer seither in der Nähe von Puerto Plata im Norden der Insel mit seiner Partnerin verbringt, haben nichts mehr mit dem Leben von Touristen zu tun. „Wir wohnen nur 300 Meter vom Strand, dürfen aber nicht dorthin. Alles ist gesperrt“, führt Komposch aus.

Mehr noch: Seit Monaten gilt eine Ausgangssperre zwischen 17 Uhr abends und 6 Uhr morgens. „Wer trotzdem auf die Straße geht, muss damit rechnen, im Gefängnis zu landen“, betont Komposch. Bis 12. Juni soll die inzwischen etwas gelockerte Sperre noch gelten.

Nachdem die Insel laut Komposch in der ersten Phase der Krise geradezu gespenstisch wirkte, „weil die Einheimischen sehr eingeschüchtert waren und sich an alle Auflagen hielten“, kehrt nun wieder so etwas wie normales Leben, allerdings ohne Touristen, auf der Karibik-Insel ein.

Das bietet auch Komposch die Möglichkeit, Land und Leute noch besser kennenzulernen. „Es gibt hier einige reiche Dominikaner, aber sehr viele arme Menschen, die in Wellblechhütten ohne Strom und fließendes Wasser wohnen.“ Als er in einem Dorf Kindern eine Tüte mit trockenen Brötchen gab, machten diese sich nach seinen Worten darüber her, als hätten sie seit Tagen nichts mehr gegessen.

Die Armut hat Komposch bewogen, eine kleine private Hilfsaktion zu starten. In kleinen Läden lassen er und seine Partnerin Tüten mit Nahrungsmitteln für umgerechnet jeweils 20 Euro packen. „Diese werden dann an die Ärmsten der Armen persönlich verteilt.“ Darauf legt Komposch Wert.

Inzwischen sind seine privaten finanziellen Möglichkeiten jedoch erschöpft, denn auch sein Catering-Unternehmen an der Weiler Straße in Lörrach ist hart von der Corona-Krise betroffen. „Seit März liegt der Betrieb still. Es gibt keinerlei Aufträge. Wie es weitergehen wird, weiß ich noch nicht“, macht sich auch Komposch Sorgen um die eigene Existenz.

Seine Hilfsaktion aber will Komposch, der auch in seiner Heimat sozial aktiv ist, fortführen. So unterstützt er jedes Jahr mit der Veranstaltung „Genuss im Advent“ die Hilfsaktion „Leser helfen“ unserer Zeitung.

Per WhatsApp hat er sich an seine Freunde und Bekannten in Deutschland mit folgenden Worten gewandt: „Mit einer Spenden-Aktion von mir persönlich konnten wir schon Dutzende sehr arme Familien mit einem Lebensmittelpaket versorgen. Darin befinden sich Lebensmittel wie Speiseöl, Teigwaren, Reis, Zucker, Bohnen, gefrorenes Geflügel und Konserven . . . Viele Eltern sind arbeitslos geworden und verzweifelt, weil sie kein Geld mehr haben, um ihre Kinder zu ernähren. Hier gibt es keine Unterstützung vom Staat. Diese Lebensmittelpakete sind ein Geschenk des Himmels für die Familien.“

Um weiter helfen zu können, schreibt Komposch: „Deshalb meine Bitte an euch alle: Wenn ihr mich unterstützen würdet, könnten wir diese Aktion noch weiter fortführen.“

Auch von dieser Berichterstattung erhofft sich Komposch finanzielle Unterstützung, um die Zeit bis zu seinem Rückflug weiterhin sozial nutzen zu können. Nach der für Anfang Juli angekündigten Öffnung der Flughäfen der Dominikanischen Republik hofft Komposch auf einen Rückflug am 4. Juli.   Günter Komposch bittet um Spenden auf sein Konto bei der Sparkasse Lörrach-Rheinfelden mit folgender IBAN: DE 16 683500480122184583

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