Lörrach Gelungenes Tagebuch der Stadt

Peter Ade
Das Stadtbuch vorgestellt haben (unterste Reihe) Rainer Liebenow und Sarah Czerwenka, (mittlere Reihe) Hubert Bernnat und Alexander Fessler sowie (oberste Reihe) Lars Frick und Markus Moehring. Foto: Kornelia Schiller/Stadt Lörrach

Das neue Stadtbuch Lörrach 2021 weckt Leselust. Das 256 Seiten umfassende Werk gliedert sich in die Rubriken Stadtthema, Stadtleben, Stadtchronik sowie Stadtbild und ist ab sofort für 18,90 Euro in der Buchhandlung Osiander und bei der Touristinformation erhältlich.

Von Peter Ade

Lörrach. Das Zusammenspiel prägender Jahresthemen und der Bilderchronik ist für aktuelle und ehemalige Bürger Nachschlagewerk und Erinnerung zugleich. Mit Fug und Recht darf die Publikation mit ihren 373 Fotos und Bildern als gelungenes Tagebuch der Stadt bezeichnet werden. In seiner spannenden Art dürfte es auch auswärts wohnende Lörracher in seinen Bann ziehen.

„Es macht Spaß, in diesem Werk zu blättern“, erklärte der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Lörrach-Rheinfelden, Rainer Liebenow, bei der Buchvorstellung am Dienstag im Sparkassenfoyer. Das Bankhaus unterstütze die Herausgabe jederzeit gerne, denn das Buch sei nicht zuletzt von hoher handwerklicher Qualität.

Die Rubrik Stadtthema widmet sich der Jugend während der Pandemie. Besonders Kinder und Jugendliche hat das Geschehen sehr getroffen: Schulschließungen, Homeschooling, gesperrte Freizeit- und Sportanlagen, keine Geburtstagsfeiern und Klassenfahrten und vor allem fehlende soziale Kontakte. Mit der Frage, ob es angesichts der Pandemie mit ihren vielen persönlichen und öffentlichen Einschränkungen eine „Generation Corona“ gibt, beschäftigt sich der Kulturamtsleiter Lars Frick. Er lässt Jugendliche berichten, wie sie die aktuelle Situation in Lörrach empfinden und welche Perspektiven sie allgemein sehen.

Neben den Betroffenen kommen Mitarbeiter von Jugendeinrichtungen und aus anderen Bereichen zu Wort. So schreibt zum Beispiel der Sozialpädagoge Jan Funke von der Dieter-Kaltenbach-Stiftung: „Wir merken jetzt, dass bei einigen eine Subkultur entsteht, weil sie gelernt haben, sich wieder selbst zu organisieren. Das ist vielleicht eine gute Auswirkung. Aber grundsätzlich überwiegt das Negative … im emotionalen, psychosozialen Bereich durch die fehlenden Angebote.“

Wichtige Themen der Stadtgesellschaft beleuchtet die Rubrik Stadtleben - etwa im historischen Kontext wie der Deutsch-Französische Krieg 1870/71, ein Porträt der Sozialistin Käte Duncker oder aktuelle Themen wie das Heilpädagogische Zentrum Tüllinger Höhe.

Der Historiker Hubert Bernnat widmet sich unter anderem der Lörracher Industriegeschichte: Sucht man in Lörrach nach stadtbildprägenden Wahrzeichen, so gehört neben dem Röttler Schloss auch der 1921 erbaute und 85 Meter hohe KBC-Kamin dazu. Er erinnert an die Textilindustrie, die den Aufstieg Lörrachs zur modernen Industriestadt begründete. Jetzt wird er nicht mehr gebraucht, genießt aber seit kurzem Denkmalschutz (wir berichteten).

Als „Zeitdokumente von unglaublichem Wert“ bezeichnet Bernnat das Auftauchen von zwei Filmen aus der Nazizeit, darunter die aus einem privaten Archiv stammende Dokumentation über einen NSDAP-Kreisparteitag in Lörrach.

Die Chronik als Gedächtnis der Stadt in Wort und Bild ordnet das Stadtgeschehen in seiner zeitlichen Abfolge und ist zentraler Bestandteil des neuen Stadtbuchs. Die wichtigen Ereignisse des Jahres von Oktober 2020 bis September 2021 hat ebenfalls Stadtchronist Bernnat festgehalten. Dazu die Rubrik Stadtbild mit markanten baulichen Veränderungen im öffentlichen Raum der vergangenen zwölf Monate – Villa Aichele, Bäckerei Paul, Einkaufszentrum „Lö“, um nur drei Beispiele zu nennen.

Auch an bekannte Lörracher, die zuletzt verstorben sind, wird erinnert: zum Beispiel Architekt, Stadt- und Regionalplaner Hans Güdemann, Friseur Günter Amann, Gerd Kilian sowie Johanna Kunz als Mitbegründerin der gleichnamigen Hauinger Stiftung, Kommunalpolitiker Conrad Bauer und Fasnächtler Peter Quercher.

Museumsleiter Markus Moehring, Mitglied im Redaktionsteam des Jahrbuchs, zeigt sich beeindruckt von Lenia Claassens Beitrag über das Kriegerdenkmal auf der Tüllinger Höhe, wo im Ersten Weltkrieg die 8. Landwehrdivision erbittert gegen die Franzosen kämpfte.

Zum Redaktionsteam gehören Personen, die mit ihrer Expertise aus den unterschiedlichen Disziplinen gemeinsam zum Gelingen beigetragen haben. Neben Bernnat sind Teil des Teams: Markus Moehring, Leiter des Dreiländermuseums, Andreas Lauble, bis November Leiter des Stadtarchivs, Lars Frick, Fachbereichsleiter Kultur und Tourismus sowie Susanne Baldus-Spingler, Fachbereichsleiterin Medien und Kommunikation, Alexander Fessler, stellvertretender Fachbereichsleiter Medien und Kommunikation und Sarah Czerwenka, verantwortlich für die Grafik bei der Stadt und damit auch für das Stadtbuch.

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