„Wenn ich zuhause koche, dann meist Spaghetti mit Tomatensoße“, sagt Michael Wilke schmunzeld – für Neues sei er aber aufgeschlossen. Am Samstag stand Syrisches auf dem Speiseplan. Beherzt griff der Bürgermeister zu Brettchen und Küchenmesser, um bei der Essenszubereitung bei „Kitchen on the run“ mitzuhelfen.

Von Gerd Lustig

Lörrach. Am Nachbartisch hat Monika Neuhöfer-Avdic, Fachbereichsleiterin „Stadtentwicklung und Stadtplanung“, zum Messer gegriffen, um ihren Beitrag zum gemeinsamen Mahl zu leisten. „Heute machen wir alles zusammen – kochen, lachen und essen“, sagt Daniel Schoon, Chefkoch des Projekts „Kitchen on the run“. Rasch entwickeln sich Gespräche an Tisch und Herd, querbeet durch Nationalitäten und Kulturen – ganz so, wie es in dem Projekt angedacht ist: Begegnungsmöglichkeit zwischen Einheimischen und Flüchtlingen auf Augenhöhe.

Damit legte „Kitchen on the run“ einen gelungenen Start in Lörrach hin. Bei diesem Ansatz handelt es sich um ein Integrationsprojekt, das vom Berliner Verein „Über den Tellerrand“ im Jahr 2016 ins Leben gerufenen wurde und vom Bundesamt für Migration finanziert wird. Weil Lörrach dank des sehr aktiven Freundeskreises Asyl, des Arbeitskreises der Internationalen Kommission sowie der städtischen Migrationsbeauftragten Inga Schwarz eine tolle Bewerbung unter 30 Städten abgegeben hat, kam die Lerchenstadt zu dieser außergewöhnlichen Offerte. Deshalb macht derzeit die „mobile Begegnungsküche“ auf dem Rathausplatz Station. Das Projekt war auf seiner Deutschland-Tour Anfang Mai in Frankfurt gestartet und bleibt bis 2. Juli in Lörrach. Danach folgen Stationen in Wismar und Bielefeld.

„Mann, sehen die Tomaten toll aus“, gerät Susanne Baldus-Spingler, Fachbereichsleiterin „Medien und Kommunikation“, bei der Essenzubereitung ins Schwärmen. Und so schnippelt sie mit Vorfreude Zutaten fürs spätere gemeinsame Essen.

Regie führen die Köche des Abends – neben Daniel Schoon die aus Syrien stammenden Khaled und Salah Kantaie. Auf dem mehrgängigen Speiseplan stehen Shkaki – Lammfleisch in Joghurtsoße und Reis, gemischter Salat, zudem syrisches Moussaka – Kartoffel-Auberginen-Lamm-Auflauf, eine Tomaten-Quiche mit Ziegenkäse sowie als Nachtisch in Teig gebackene Holunderblüten.

Kein Wunder, dass den Teilnehmern das Wasser im Munde zusammenläuft. Doch: Gegessen werden durfte erst mit Einbruch der Dunkelheit, weil gerade der Ramadan begonnen hat.

Wer in den kommenden Wochen mitkochen und -essen möchte, darf dies nach Voranmeldung gerne tun. Auch eigene Rezepte dürfen dafür ausgewählt werden. Gekocht wird in einem Container vor dem Rathaus: viermal pro Woche, von Dienstag bis Freitag, jeweils ab 18.30 Uhr. Mittwochs beginnt das Prozedere bereits um 17 Uhr, und nur an diesem Tag wird früher als vor Einbruch der Dunkelheit gegessen.

Infos und Anmeldungen unter www.kitchenontherun.org