Lörrach Genuss vom weiten Feld des Jazz

Bernhard A. Wehrle
Markus Stokhausen mit Cellist Jörg Brinkmann Foto: Bernhard A. Wehrle

Mit atmosphärisch dichtem und kreativem und intuitivem Jazz begeisterte die Markus Stokhausen Group das Publikum im Foyer des Burghofs.

Kräftig und voller Energie, dann wieder sphärisch fließend lassen die vier Musiker im Burghof-Foyer Klanglandschaften im kongenialen Zusammenspiel entstehen.

Mit „Who-is-who“ gespielt

Markus Stockhausens musikalisches Schaffen reicht bis in dei 80er zurück. Auf einer Vielzahl von Vinyls und CDs findet sich seine Musik, geprägt von Offenheit und der Bereitschaft zur musikalischen Interaktion. Lässt man die Musiker, mit denen Markus Stockhausen schon gespielt hat, Revue passieren, klingen diese Namen wie das „Who-is-who“. Es seien hier nur Charlie Mariano, Rainer Brüninghaus, Dhafer Youssef, Nguyén Lé, Rabih Lahoud oder Tamara Lukasheva genannt.

Die Wertschätzung ist spürbar im direkten Spiel auf der Bühne. Als Bandleader und Komponist der Mehrzahl der Klangwerke und Namensgeber wirkt Markus Stockhausen wie das Zentrum, lehnt sich aber immer wieder zurück, schließt die Augen, lässt seinen Musikern auf der Bühne große Freiheit und freut sich sichtlich an dem, was da entsteht. Das Verhältnis von Komposition zu Improvisation im Livekonzert entsteht meist mit einem etwas stärkere Gewicht zu Gunsten der Komposition.

Viel Improvisation

Bei den aktuellen Veröffentlichungen „Wild Life, Tales und Celebration“ finden sich sehr viel Improvisation, Freude am Spiel und der Freiheit aller für die neue Klangwelten.

Auf der Bühne lässt Markus Stockhausen seine Trompete und das mehrheitlich gespielte Flügelhorn pur und immer wieder auch sphärisch elektronisch verändert erklingen. Von melodiös bis schneidend – hier der Einsatz der Piccolo-Trompete – und dann die Trompete Miles-Davis-like mit Metallschalltrichter, alles ist zu hören.

Franz von Chossy, der an diesem Abend für Jeroen van Vliet kongenial eingesprungen war, gibt dem lyrischen Jazz Kontrast und Basis von choralisch parallel zu perlend beschwingt.

Keine Genregrenzen

Das Cello von Jörg Brinkmann, mal eher klassisch mal elektronisch variiert, mal als Bass mal als Melodie, überwindet mühelos Genregrenzen von Klassik zu Jazz oder SoundClouds.

Einen grandios eigenständigen Perkussionsteppich rollt Christian Thomé aus und eröffnet einen dezenten aber auch kraftvollen Schlagwerkhimmel. Perkussiv melodische Töne entlockt er einer Landschaft von Klein-Zimbeln und den Schlagzeugbecken mit Ansaug-Gummistick oder Metallstäben.

Tiefste Konzentration

Überhaupt gab es an diesem Abend fulminanten, von Markus Stockhausen selbst als „Intuitive Musik“ bezeichneten Sound auf dem weiten Feld des Jazz zu entdecken und zu genießen. Nicht nur Markus Stockhausen und seine Musiker schlossen die Augen im Erleben der Musik, auch im Publikum spürte man tiefe Konzentration.

Abends zuvor war die Group in Innsbruck zu hören und tags drauf in der Unterfahrt in München. Der Burghof findet sich so Seite an Seite mit richtungsweisenden Jazzspielorten. Mit dem Titel „En Coeur“ – im Herzen – klang der Abend im Jazzfoyer klangfulminant aus.

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