Lörrach Gesamthafter Blick auf die Historie

Selten gezeigtes Exponat in einer unbeleuchteten Ecke: Eine Hitler-Büste von Philipp Flettner. Barbara Hauß erklärt die Details. Foto: Dorothee Philipp

Lörrach - Die Zeitspanne von 1933 bis 1945, das so genannte Dritte Reich, war schon Thema von vielen Museumsprojekten im Dreiland. Jetzt bringt das Dreiländermuseum in Kooperation mit dem Historischen Museum Basel ein weiteres an den Start: Die Lörracher Ausstellung „Kunst und Nationalsozialismus“ sowie die Basler Ausstellung „Grenzfälle“ unterstreichen den gesamthaften Ansatz der Geschichte und insbesondere der Kulturgeschichte der Region, betonte Markus Moehring, Leiter des Dreiländermuseums und Gesamtleiter des aktuellen Interreg-Projekts „Die Dreiländersammlung“, gestern bei einem Mediengespräch.

Mit dabei war auch Patrick Moser, Kurator der Basler Ausstellung und Projektleiter Interreg Schweiz. Für ihn steht die Frage im Fokus, inwieweit und auf welche Art die Basler Institutionen und Behörden ihre durch die Grenzlage unvermeidlichen Beziehungen zum NS-Staat gestalteten. Das soll an ausgewählten Beispielen gezeigt werden.

Aus dem Dreiländermuseum stammen dazu einige Leihgaben für die Basler Ausstellung, darunter eine Stacheldrahtrolle zur Abschottung der Grenze damals sowie die Schirmmütze des berüchtigten badischen Gauleiters Robert Wagner. Man habe die Kooperation aber nicht auf den Transfer von Leihgaben beschränkt, sondern sich bei der Konzeption der Basler Ausstellung auch inhaltlich abgesprochen, betonte Moser. Moehring war auch Mitglied im wissenschaftlichen Beirat, der die Ausstellung vorbereitete. Für die Darstellung von „Grenzfällen“, die auch rechtliche, politische und moralische Komponenten hatten, seien die Exponate aus der Sammlung des Dreiländermuseums „elementar wichtig“.

Die Entscheidung, für die Sammlung des Dreiländermuseums mit Unterstützung eines Interreg-Projekts nun ein neues Depot zu bauen, lobte Moser ausdrücklich. Die Sammlung mit ihren über 50 000 Ausstellungsstücken sei pionierhaft, weil sie den trinationalen Ansatz verfolge, der die Oberrheinregion als Raumschaft mit einer gemeinsamen Geschichte begreife. Auch mit der fast zeitgleichen Eröffnung der beiden Ausstellungen unterstreiche man die gemeinsamen Ziele.

Moehring richtete bei seiner Einführung zur Ausstellung im Dreiländermuseum ebenfalls den Blick über die unmittelbare Umgebung hinaus: Man gehe die Thematik auch mit einem „badischen Anspruch“ an, betonte er. In einer kleineren dritten Ausstellung „Gefeiert und gefürchtet – Die NS-Diktatur in Brombach, Haagen und Hauingen“, die demnächst ebenfalls im Dreiländermuseum eröffnet wird, zeigt der Historiker Robert Neisen anhand von Exponaten aus dem Lörracher Stadtarchiv, wie die Nationalsozialisten die drei Dörfer in ein Groß-Lörrach eingemeinden wollten, um damit einen braunen Gegenpol zum „linken“ Basel zu schaffen.   Über die Ausstellung „Kunst und Nationalsozialismus“ berichten wir noch.

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