Lörrach - Die Arbeitsgruppe für Erinnerungskultur beschäftigte sich am Freitag bei ihrem Treffen im Dreiländermuseum mit dem Nationalsozialismus und dem Leben der Juden in Lörrach. Der kommissarische Leiter des Stadtarchivs Jürgen Schaser und der Lokalhistoriker Ulrich Tromm stellten ihre Recherchen für einen Rundweg über das Leben der Juden in Lörrach vor. Die Stadtverwaltung will ein Erinnerungskonzept entwickeln, das die vielfältige Geschichte Lörrachs erlebbar macht.

Auf dem Rundweg zum Leben der Juden soll der Standort der alten Synagoge an der Synagogengasse beim Marktplatz eine zentrale Rolle spielen. Das Gotteshaus wurde in der Reichspogromnacht 1938 zerstört. An der neuen Synagoge in der Rainstraße soll die Neugründung der jüdischen Gemeinde in Lörrach thematisiert werden.

Außerdem soll der Rundweg an jüdische Geschäfte erinnern, die bis zur Vertreibung ihrer Besitzer zu Lörrach gehörten, zum Beispiel an die Metzgerei Beck und das Schuhhaus Bodenheimer (Teichstraße), das Kaufhaus Knopf (Basler Straße), das Textilhaus Erreich (Turmstraße) und das Möbelhaus Pistiner. Auch der alte jüdische Friedhof soll Teil des Rundwegs werden.

Die Recherchen für den Rundweg sind noch nicht abgeschlossen. Doch Schaser und Tromm berichteten von weiteren Orten, an denen es Spuren jüdischen Lebens gibt. Im Haus Turmstraße 15 würden Mauern im Keller auf ein jüdisches Ritualbad hindeuten. Die Adresse Grabenstraße 15 tauche auffallend oft in Anfragen zum Schicksal ehemaliger jüdischer Bürger auf, berichteten sie. Tromm hatte außerdem in Karteikarten von der Rettungsaktion „300 Kinder“ der Schweizer Behörden Namen aus der Grabenstraße 15 entdeckt.

Um mehr über die Schicksale früherer jüdischer Bürger zu erfahren, knüpfen die Geschichtsforscher auch Kontakte zu deren Nachfahren. So erfuhr Tromm vom schweren Schicksal des letzten Gemeindevorstehers durch eine Nachfahrin, die nach Lörrach kam. Er musste die letzten Geschäfte der Gemeinde im Sinne der Nationalsozialisten abwickeln.

Museumsleiter Markus Moehring schlug vor, auch den Engelplatz einzubeziehen, weil auf dem Viehmarkt einst Juden als Viehhändler tätig waren. Sonja Raupp vom Fachbereich Kultur und Tourismus der Stadt wollte den Alltag der Juden und die Neugründung der jüdischen Gemeinde stärker thematisieren.

Markus Hofmann von der Initiative „Stolpersteine“ empfahl, die heutige jüdische Gemeinde in die Gestaltung des Rundwegs einzubeziehen. Peter Jensch wollte nachforschen, wer die Gebäude vertriebener jüdischer Eigentümer übernommen hat. Tromm warnte allerdings davor, in solchen Fällen Bewertungen vorzunehmen. Private Restitutionsverfahren seien sehr kompliziert.