Lörrach Geschichte mit Musik erleben

Regine Ounas-Kräusel
„Sound of Peace“ im Burghof: Höhepunkt des Konzertes war das Werk „70 Jahre Grundgesetz“, eine musikalisch-emotionale Würdigung der Bundesrepublik und ihrer Menschen (Dirigent: Gordon Hein, vorne Sängerin Manuela Bibert. Foto: Regine Ounas-Kräusel

Die „Südbaden Symphonics“, ein Projektorchester des Alemannischen Musikverbandes, spielten am Sonntag und Montag ihr hoch emotionales Konzert „Sonds of Peace“ im Burghof. Höhepunkt war das Werk „70 Jahre Grundgesetz – eine deutsche Geschichte“ des Komponisten Guido Rennert.

Von Regine Ounas-Kräusel

Lörrach. Das Konzert bildete den Abschluss im Rahmenprogramm zu den Lörracher Tagen der Demokratie und passte zum Tag der Deutschen Einheit. Er als Jurist verbinde mit dem Grundgesetz Begriffe wie „Gewaltenteilung“ und sei gespannt, wie man das in Musik umsetzen könne, sagte OB Jörg Lutz im nicht ganz ausverkauften Saal. Rennert betonte im Programmblatt, er wolle mit seiner Komposition das Bewusstsein stärken für unser Land, das seine Lehren aus zwei Weltkriegen gezogen habe.

Doch bevor sein Werk erklang, boten die „Südbaden Symphonics“ ein mitreißendes Programm mit konzertanter Blasmusik internationaler Komponisten. Berührend war das Werk „Das Tagebuch der Anne Frank“ von Otto Schwarz. Mit einfachen Worten erzählte die Basler Sängerin Claudia Adrario de Roche das Schicksal des Mädchens, das mit seiner jüdischen Familie vor den Nationalsozialisten nach Amsterdam flieht, dort im Versteck Tagebuch schreibt und schließlich doch im KZ ermordet wird. Das Orchester fing die Stimmungen ein: quirlig und mit tanzenden Flöten Annes unbeschwerte Kindheit. Mit dichten, schrillen Klängen die Angst vor dem Entdecktwerden.

An die 60 Bläser und eine mehrköpfige Rhythmusgruppe aus den Vereinen des Alemannischen Musikverbandes musizierten unter Leitung von Gordon Hein farbig, präzise und mit viel Emotion. Mehrere Solisten bereicherten das Programm. So auch der kurzfristig eingesprungene Profi-Bassposaunist Rudi Hermann mit seinem sonoren und doch so leichtfüßigen Spiel bei der Fantasia Concertante von Ricardo Mollá Albero.

Besonderes Hörerlebnis

Guido Rennerts Werk „70 Jahre Grundgesetz“ bildete ein besonderes Hörerlebnis. Ein gedruckter „Fahrplan durch die Musik“ und die farbige Bühnenbeleuchtung leiteten die Zuhörer durch die Sätze des Werkes, die die bundesdeutschen Nachkriegsgeschichte darstellten. Düster klang die Musik in der „Stunde Null“.

Vom Wirtschaftswunder, über Deutschland als Sportnation, die mit dem Fußball-WM-Sieg 1954 zu neuem Selbstbewusstsein erwachte, bis zu „Erinnerungskultur und Verantwortung“ reichten die Themen. Quirlig, mit Anlehnung an große Komponisten der Klassik, aber auch an Volkstanz und Walzer, setzte Rennert „Kultur und Heimat“ in Szene. Überraschend sphärische Klänge und zum Schluss Beethovens „Ode an die Freude“, heute die Europahymne, vermittelten beim Thema „Deutsche Einheit und Europa“ ein Gefühl von Weite. Eine Stimme aus dem Off zitierte Paragrafen des Grundgesetzes, die Freiheit und gleiche Rechte für alle verlangen. Immer wieder stimmte die bekannte Sängerin Manuela Bigert im Hintergrund eine kleine sphärische Melodie an, die für die Schaffung des Grundgesetzes und die noch junge Demokratie in Deutschland stand.

Doch zum Schluss trat Bigert nach vorne und sang unter den fulminanten Klängen des Orchesters ein leidenschaftliches Plädoyer für Frieden und Freiheit. Die Zuhörer erhoben sich von ihren Plätzen und applaudierten begeistert.

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