Lörrach Gestochen bunt

Lörrach - Tattoos sind selbstverständlich geworden. Das Tätowieren hat sich in unsere Kultur etabliert. Einige tätowierte Bürger werden in unserer neuen Serie „Lörracher und ihre Tattoos“ im wahrsten Sinn betrachtet und kommen zu Wort. Den Auftakt macht Astrid Kolb.

Astrid Kolb ist eine herzliche, lebensbejahende und inspirierende Frau. Doch es gab auch schwierige Phasen in ihrem Leben. Nach einem Burnout entschied sie sich für einen Neubeginn und dafür, diesen mit Tattoos zum Ausdruck zu bringen.

Die 45-Jährige ist Altenbetreuerin und nebenberuflich Künstlerin. Derzeit absolviert sie zusätzlich eine Ausbildung zur Kunsttherapeutin. Das Künstlerische und Kreative spielt in Kolbs Leben eine große Rolle. Das wird auch an ihrem Körper sichtbar.

Ihre Arme, ihr Schulterblatt und die linke Hälfte ihres Dekolletés sind tätowiert. Dabei handelt es sich nicht um irgendwelche Tattoos, sondern hauptsächlich um Eigenkreationen. Ihre eigenen Bilder ließ sie sich von Tätowiererin Tara stechen. Tara, aus dem Tattoo-Studio „Schattenwerk“ in Tumringen, stellte die Kunstwerke collagenartig zusammen. Tara und Astrid sind inzwischen befreundet.

Generell schätzt Kolb das „Schattenwerk“ und die Arbeit der Tätowierer dort.

Kolb mag vor allem blumige Motive. „Sie leben, blühen, verblühen, Neues entsteht“, sagt sie.

Ihre Eltern reagierten zunächst mit Abneigung, als sie mit 41 Jahren ihre Liebe zu Tattoos entdeckte. Für Kolb war dies aber ein entscheidender Schritt für die Veränderungen nach einer schwierigen Lebensphase.

Ansonsten erhält sie nur positive Rückmeldungen, vor allem, weil sie Künstlerin ist. Sie freut sich besonders über die Begeisterung der älteren Menschen, denen sie bei ihrer Arbeit in einer Demenz-Abteilung in Basel begegnet.

Viele Menschen haben Angst vor der Wirkung von Tattoos in späteren Lebensjahren. Kolb sieht das anders: „Alt sein hat seine eigene Ästhetik“.

Generell empfiehlt Kolb jedem Tattoos und begründet das so: „Sie verleihen Individualität, stärken das Selbstwertgefühl und die Beziehung zum eigenen Körper.“

Über das Tattoo-Studio informieren

Kolb rät allerdings dazu, sich vor dem Stechen eines Tattoos über das Tattoo-Studio zu informieren und gegebenenfalls Bewertungen und Rezensionen im Internet zu lesen. Vor allem solle man sich vorher die Werke der Tätowierer anschauen, um herauszufinden, in welchem Stil sie stechen und ob dieser zu einem passe.

Weitere Tipps: Man sollte sich nur ein Motiv auswählen, mit dem man alt werden möchte. Und: Für ein lebenslanges Tattoo dürfe man nicht unbedingt die kostengünstigste Variante wählen.

Kolb sieht nicht nur die positiven Seiten des Tätowierens. So warnt sie beispielsweise vor Tattoos, die stigmatisieren können. Außerdem könne alles, auch das Tätowieren, zur Sucht werden.

Bei sich selbst sieht Kolb diese Gefahr nicht – Im Gegenteil. Für Sie sind weitere Tattoo-Pläne geprägt von einer lebensbejahend und vor allem dekorativen Bedeutung.

Zudem hofft sie, mit ihren Tattoos als Kunsttherapeutin Nähe zu den Patienten herzustellen. Denn diese sind auch Ausdruck ihrer Lebensgeschichte.

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