Lörrach Grenzen musikalisch überwinden

Fließender Übergang zwischen zwei Stücken: Instrumental begleitet durch Hannes Fankhauser (mit Tuba) sowie Andrea Nydegger und Abélia Nordmann (v.l., mit Akkordeon) nehmen die Chorkinder eine neue Aufstellung ein. Foto: Markus Greiß Foto: Die Oberbadische

Grenzen ab- statt aufgebaut haben zwei Kinder- und Jugendchöre am Sonntag beim gemeinsamen Konzert unter dem Titel „Grenzen?Los!“ auf dem „Bolzplatz“ gegenüber dem „Krakenspielplatz“ in Stetten.

Von Markus Greiß

Lörrach. Nach einer Stunde Singen in sengender Hitze haben es die gut 100 Chorkinder des Kinder- und Jugendchors Lörrach und der „Sunny Kids“ aus Bottmingen geschafft. Als sie auf dem Bolzplatz mit dem südafrikanischen Versöhnungslied „Tuonane Paradiso“ das letzte von 25 Liedern zum Besten geben, nimmt der auf der grünen Grenze postierte Hannes Fankhauser die schöne Melodie behutsam mit seinem Alphorn auf. Die Kinder wenden sich langsam dem satten Ton zu, nehmen Tempo auf und rennen schließlich jubelnd an Fankhauser vorbei auf Riehener Gebiet.

Diese Szene bringt das inhaltliche und musikalische Konzept auf den Punkt, das die Leiterinnen der beiden Chöre, Abélia Nordmann und Andrea Nydegger, mit dem Gemeinschaftschorprojekt „Grenzen?Los!“ verfolgt haben. Der binationale Projektchor möchte zeigen: Trotz politischer Grenzen gehören die Menschen zusammen.

Und die vier- bis 18-jährigen Kinder und Jugendlichen präsentieren ihrem Publikum keine voneinander getrennten Lieder. Vielmehr sind „die Übergänge zwischen den Stücken grenzenlos“, so Nordmann, werden „Geräuschkulissen weitergegeben“, wie Nydegger ergänzt. Bei dem großen Publikum kommt das an diesem sonnigen Sonntagmorgen als wunderbar dynamisches Klangerlebnis an. Alles scheint im Fluss zu sein.

Nach der Ouvertüre, dem anrührenden „Alpen-Halleluja“ mit Alphorn unter einem schattenspendenden Baum, ziehen die Chorkids auf den staubigen Kickplatz. Zu einem ganzen Strauß von Liedern der Schweizer beziehungsweise deutschen Nachbarn, von Arbeiter- und Versöhnungsliedern aus Italien und Südafrika, von Volksweisen fahrender und indianischer Völker bis zu Hits wie dem Beatles-Song „Nowhere Man“ sind sie stets in Bewegung.

Sie formieren sich zu Kreisen, stehen sich in ihrem jeweiligen Chorverband in Blöcken gegenüber und vermischen sich zwischen zwei Stücken in einem nur scheinbar chaotischen Wirrwarr. Das Ganze löst sich wieder wunderbar auf und mündet in die nächsten Aufstellung.

Obwohl die beiden Chöre diesen Ablauf tags zuvor nur einmal üben konnten, funktioniert das „Wandelkonzert“ reibungslos – mit einer Ausnahme, als die Kinder eine Acht laufen und das Reißverschlusssystem im Mittelpunkt ein wenig hakt. Das bringt das Publikum zum Schmunzeln und ist kein Problem für die Chorleiterinnen. „Wir nehmen Chaos in Kauf, um der Kreativität Raum zu geben“, erklärt Nydegger das Konzept. Die Kinder fühlten sich dadurch ermutigt, eigene Ideen einzubringen und umzusetzen.

So wie die pantomimische Einlage, als sie mit gestreckten Armen und von sich weisenden Handflächen Grenzmauern in die Luft zeichnen. Die grüne deutsch-schweizerische Grenze haben die beiden Chöre an diesem Morgen spielend überwunden – und die zu den Herzen ihrer Zuhörer sowieso.

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