Lörrach. Im heutigen Konzertbetrieb kommt das Fagott vorrangig noch im Bassregister eines Orchesters zu wirkungsvollem Einsatz. Das war früher anders. Da hatte der „Dulcian“ oder das „Bündel“, wie das Holzblasinstrument einst auch genannt wurde, häufig die melodieführende Funktion. Vor allem Barockkomponisten wussten seinen weichen aber vollen und etwas näselnden Ton zu schätzen. Aber auch spätere Meister wie Mozart oder Carl Maria von Weber widmeten ihm veritable Tonschöpfungen.

Für Bezirkskantor Herbert Deininger lag es deshalb nahe, den „Clown“ unter den Aerophonen (Instrumente, deren Tongebung durch Luftvibrationen entsteht) einmal in seiner Konzertreihe „Klangraum Kirche“ vorzuführen. Und in Christian Rabe, dem früheren ersten Fagottisten des Orchesters „Basel sinfonietta“ (bekannt auch als „Clown Rabe“ und Impressario der „Kulturscheune“ in Kleinkems) fand er den idealen Interpreten für ein erbauliches und streckenweise auch amüsantes Silvesterkonzert in der Christuskirche.

Am Beginn der bemerkenswert gut besuchten Abendmusik zum Jahresausklang stand eine Sonate in d-Moll für Fagott und Orgel des vielseitig kreativen französischen Hof- und Kirchenmusikers Michel Corrette. Das für die Zeit des ausgehenden 18. Jahrhunderts typische Gesellschaftsstück mit zwei munteren Ecksätzen und einem berückend kantablen Mittelteil kehrte die diversen Klangeigenschaften des Fagotts quasi exemplarisch hervor. Das waren effektvolle Tonfolgen in den Staccato-Läufen, fast bedrohlich wirkender Klang im Forte und bezauberndes Melos in der dazwischen gelagerten Aria.

All diese Intonationsmerkmale demonstrierte der musizierende Gast abwechselnd auch in den folgenden Stücken, darunter eine beide Instrumente gleichrangig behandelnde Bearbeitung der festlichen Arie „Großer Herr und starker König“ aus Bachs „Weihnachtsoratorium“ , ferner die seelenvolle, in spätromantische Klanggefilden angesiedelte Miniatur „Andacht“ von Alfred Pester und die kapriziös-kecke „Humoreske“ von Reinhold Glière, die auch die Neigung des Komponisten zu volksliedhafter Melodik nicht verleugnete.

Über seine Begleiterrolle hinaus konnte Herbert Deininger die notwendigen Verschnaufpausen des Fagottisten weidlich nutzen, um sich am Kircheninstrument zu profilieren. Zuerst mit der berühmten Toccata d-Moll (der „Dorischen“) von Johann Sebastian Bach, der er eine vital bewegte, strukturell klarsichtig herausgearbeitete Wiedergabe angedeihen ließ. Sodann in den entzückenden Variationen über das Noël suisse (welschschweizer Weihnachtslied) „Il est un petit l’ange“ von Claude Balbastre und in Joseph Rheinbergers weiträumiger „Pastoral-Sonate“. Auch das zartklingende Intermezzo und die in gewaltige Klangballungen mündende Schlussfuge mit choralartiger Melodie gestaltete Herbert Deininger geradezu analytisch aus, wodurch er auch den in allen drei Sätzen wiederholt zitierten achten Psalmton (Tonfolge aus einer frühen Kirchentonart) deutlich hörbar werden ließ.

Beschlossen wurde das gelungene Silvesterkonzert mit dem feierlich anhebenden und in flottem Tempo fortgeführten „Morceau symphonique“ von Félix Alexandre Guilmant und der Wiederholung der witzigen Glière-Humoreske.