Lörrach Großer Wurf für Stadt und Klima

Foto: Kristoff Meller      Foto: Die Oberbadische

Das Ein-Euro-Ticket entwickelt sich vom Start weg zu einem Verkaufsschlager. Insgesamt sind wenige Tage nach dem Verkaufsstart 40 000 Tickets im Umlauf. Mehrere Verkaufsstellen waren bereits ausverkauft.

Von Guido Neidinger

Lörrach. „Da ist dem Gemeinderat etwas wirklich Tolles gelungen“, lobte Birger Bär im Gespräch mit unserer Zeitung. Bär betreibt drei Apotheken in Lörrach, die das Ein-Euro-Ticket verkaufen. „In allen drei Filialen waren wir innerhalb weniger Tage ausverkauft und mussten Tickets nachordern“, freut sich der Apotheker über diesen Ansturm, mit dem er in diesem Ausmaß nicht gerechnet hätte und meinte: „Das ist endlich ein sinnvoller Ansatz gegen die allgemeine Verstopfung Lörrachs.“ Bär hofft, dass die gewünschte Entlastung der Innenstadt eintritt und die Menschen sich daran gewöhnen, statt mit dem Auto mit Bus oder Bahn in die Innenstadt zu fahren.“ Dem Gemeinderat wünscht Bär „Durchhaltevermögen“. Warum?

Das Ein-Euro-Ticket ist nicht kostendeckend. Deshalb ist mit einem erheblichen Subventionsbetrag zu rechnen, damit der RVL als Betreiber des öffentlichen Nahverkehrs auf seine Kosten kommt. Die Rede ist von 180 000 Euro im Jahr. Manche befürchten jedoch, dass das nicht reicht. „Es ist gut investiertes Geld“, betonte Bär, der hofft, dass der Gemeinderat standhaft bleibt.

Begeisterung herrscht nicht nur in den Verkaufsstellen aufgrund des großen Erfolgs. Sehr angetan sind auch die Käufer, weiß Brigitte Stern. „Die Kunden sind durch die Bank begeistert von dem Angebot.“ In den ersten Tagen nach dem Verkaufsstart hätten überwiegend ältere Menschen das Ein-Euro-Ticket nachgefragt. „Inzwischen ist die Kundschaft gut gemischt“, so Stern.

Dass innerhalb kürzester Zeit bereits 10 000 der Blöcke mit jeweils vier Tickets in den 21 Verkaufsstellen im Umlauf sind und viele offenbar auch schon verkauft waren, überrascht auch die Verantwortlichen im Rathaus.

„Wir hatten schon mit einem Run gerechnet, weil wir den Bedarf gesehen haben“, erklärte Pressesprecherin Susanne Baldus-Spingler, aber diese große Zahl sei in nur 13 Verkaufstagen nach dem Start am 26. Juli dann doch außerordentlich positiv, und man könne sagen: „Der Start ist absolut gelungen und ein riesiger Erfolg.“ Zuständig für die Abwicklung und die Koordination des Ein-Euro-Tickets sind die Stadtwerke. Betriebsleiter Wolfgang Droll bestätigte die „rege Nachfrage“. Im September werde er dem Gemeinderat über die Startphase Bericht erstatten.

Zu verdanken ist die Einführung des Ein-Euro-Tickets der SPD-Fraktion im Gemeinderat. Über Jahre hinweg hielt die SPD-Fraktion unter der Führung von Günter Schlecht hartnäckig an diesem Ziel fest. Folglich ist Schlecht „hocherfreut über den Erfolg, allerdings „nicht überrascht“. Nach seiner Einschätzung „haben die Lörracher auf ein attraktives Angebot für den ÖPNV gewartet“.

Aussagen wie: „Dann kann ich mein Auto ja zu Hause lassen und für zwei Euro in die Stadt und wieder heim fahren“, habe er oft gehört.

Im Blick hat Schlecht bereits weitere Zielsetzungen. So plädiert die SPD nach seinen Worten für die Einführung eines Jahrestickets zum Preis von 365 Euro sowie die Ausdehnung des Tickets auf das Oberzentrum Lörrach-Weil am Rhein.

Das Ein-Euro-Ticket passt laut Schlecht „sowohl zur Mobilitätsstrategie der Stadt Lörrach als auch zur Klimadiskussion“. Nun aber gelte es erst einmal Erfahrungen zu sammeln und diese auszuwerten.

Sie möchten alle Nachrichten aus Ihrer Gemeinde lesen?
Dann testen Sie unser ePaper – 3 Wochen völlig gratis und unverbindlich! Klicken Sie HIER.

  • Bewertung
    7

Newsticker

blank

Umfrage

100 Jahre Achtstundentag

Wie stehen Sie zur schwarzen Null und der Schuldenbremse im Bundeshaushalt. Sollte diese gelockert werden, wenn es um Investitionen in Bildung und Umweltschutz geht?

Ergebnis anzeigen
loading