Lörrach Gugge-Explosion 2021 im Grütt?

Lörrach - Gibt es eine Lörracher Fasnacht 2021? Der Vorstand der Narrengilde hat die kommende Saison trotz der Corona-Pandemie zumindest noch nicht ganz abgeschrieben und bereits mögliche Szenarien entwickelt. Bei der Jahreshauptversammlung am Donnerstag in der Alten Halle in Brombach gab es dafür breite Unterstützung von den Vertretern der Cliquen.

Es wirkte wie aus einer anderen Zeit, was da auf die große Leinwand projiziert wurde und bei vielen der anwesenden Fasnächtlern wehmütige Gefühle hervorrief: Mit einem zehnminütigen Rückblick aus Fotos, Guggemusik-Klängen und der Live-Berichterstattung des SWR von der Gugge-Explosion 2020 zeigte Obergildenmeister Jörg Roßkopf, was vor wenigen Monaten noch normal, heute aber undenkbar wäre – eine mehrwöchige Party mit gut gelaunten Menschenmassen in Hallen und auf der Straße. „Wir können sehr dankbar sein, dass wir noch so feiern konnten und es unmittelbar danach noch keine Infektionen gab“, sagte Roßkopf und verwies auf die Absage der Basler Fasnacht nur wenige Tage später.

Großes Fragezeichen hinter der Fasnacht 2021

Die Kollegen am Rheinknie müssen laut Roßkopf vermutlich auch im kommenden Jahr auf ihre Fasnacht verzichten. Denn der Bundesrat will Medienberichten zu Folge Mitte August darüber entscheiden, ob Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Personen grundsätzlich bis 31. März 2021 verboten bleiben oder zumindest bewilligungspflichtig sind. Was hierzulande im kommenden Jahr gelten wird, ist ebenfalls noch unklar. Roßkopf ist aber sicher: „Es wird eine Fasnacht 2021 geben.“ Nur in welcher Form die fünfte Jahreszeit begangen wird, steht noch in den Sternen.

Schnitzelbank-Vernissage denkbar

Unter den aktuellen Auflagen ist laut Roßkopf wenig möglich, doch ab 1. August sind Veranstaltungen mit bis zu 500 Personen wieder erlaubt. Darum sieht er „eine reelle Chance“ für eine Schnitzelbank-Vernissage in einer großen Halle mit Abstand, Mundschutz und reduzierter Gästezahl – ähnlich wie bei der jetzt nachgeholten Hauptversammlung.

Auch die Narren-Messe könnte laut Roßkopf durchgeführt werden. „Es gibt gewisse Spielräume und wir haben uns schon einige Gedanken gemacht, aber wollen erst entscheiden, wenn im November eine neue Verordnung kommt.“ Während der Gildenvorstand Gugge-Bälle oder Umzüge in der Fußgängerzone für undenkbar hält, gibt es Ideen, um wenigstens einzelne Elemente zu retten. Eine Fasnacht mit Maske sei schließlich „nicht das Schlimmste“, so Roßkopf.

Umzug durch die Wiesentalstraße?

Eine Idee: Die Gugge-Explosion wird in den Grüttpark verlegt. Dort sei es möglich, eine große Formation mit jeweils zwei Metern Abstand aufzustellen und das Publikum weitläufig zu verteilen. Ähnliches gilt für den Sonntagsumzug. Hier sieht der Vorstand die Möglichkeit, eventuell eine abgespeckten Variante in der Wiesentalstraße durchzuführen, wo sich das Publikum wesentlich besser verteilen könnte als in der beengten Graben- oder Turmstraße. Das Narrenbaumstellen könnte an einem Sonntagmittag mit Cliquenvertretern ohne Publikum stattfinden.

„Wir lassen uns noch nicht unterkriegen und entscheiden so spät wie möglich“, sagte Roßkopf und betonte gleichzeitig: „Wir werden kein unnötiges Risiko eingehen und nichts erzwingen.“ Darum sei der Seniorennachmittag in der Alten Halle bereits abgesagt. Anschließend fragte er nach der „Schmerzgrenze“ der Cliquen: „Wärt Ihr bereit für eine Gugge-Explosion im Grütt oder einen Umzug in der Wiesentalstraße?“ Die einhellige Meinung: „Kompromisse suchen und schauen was geht.“

Sponsorengelder fehlen

In der Kasse der Gilde macht sich die Pandemie ebenfalls bereits bemerkbar. Noch immer stehen rund 9000 Euro von Sponsoren aus, die laut Roßkopf coronabedingt in finanzielle Nöte geraten sind. Um so dankbarer zeigte er sich, dass der Gemeinderat kürzlich eine überplanmäßige Auszahlung von 11 000 Euro beschlossen hat (wir berichten noch ausführlich über die Finanzen und den Plakettenverkauf).

Drei Gildenmeister verabschiedet

Gleich drei Gildenmeister beziehungsweise zwei Stellvertreter von Roßkopf standen nicht mehr zu Wahl: Frank Morgenstern (Freundeskreis), Thorsten Schützek (Seneschall) und Klaus Breitenfeld (Chronist und Kanzellar). Sie wurden mit Präsenten und großem Dank verabschiedet. Breitenfeld wurde nach 19 Jahren im Vorstand von Roßkopf („Fasnacht ist sein Leben“) außerdem zum Ehren-Gildenmeister ernannt und wird der Gilde als Chronist erhalten bleiben. Bei der anschließenden geheimen Wahl wurden Jörg Roßkopf, Zeremonienmeister Michael Lindemer und Schatzmeister Christian Müller im Amt bestätigt. Neuer Seneschall ist Patrick Müller, neue Kanzellarin Anita Binzer.

Narrengilde Lörrach
Mitglieder: 2183 Personen, davon 491 Hästräger, 242 Musiker sowie 201 Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren. Kontakt: Jörg Roßkopf, E-Mail obergildenmeister@narrengilde-loerrach.de

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