Lörrach Hebeldank für José F.A. Oliver

Von Veronika Zettler

Das Geheimnis ist gelüftet: Hebeldankträger des Jahres 2016 ist José F.A. Oliver. Der 1961 in Hausach im Schwarzwald geborene Autor erhielt die Auszeichnung gestern beim „Schatzkästlein“ im Hebelsaal des Dreiländermuseums.

Lörrach. Hebelbund-Präsident Volker Habermaier würdigte den 54-Jährigen als bedeutenden Lyriker, dessen Werk vom „geschärften Sinn des Dreisprachigen“ geprägt sei. In der Tradition Hebels stehe er auch als Literaturvermittler, als Gründer, Kurator und Moderator des Literaturfestivals „Hausacher Leselenz“, als Leiter von Schreibwerkstätten und als Schriftsteller, der in seinen Texten Fäden zu anderen europäische Literaten knüpft.

José F.A. Oliver wuchs als Kind andalusischer Eltern im Schwarzwald auf. Mit Spanisch, Alemannisch und Hochdeutsch erlernte er gleichsam drei Muttersprachen. Wie er in seiner Dankrede und kurzen Lesung ausführte, lieferte ihm die Mehrsprachigkeit immer wieder Anlass, um über das Wesen und Wirken von Worten nachzudenken. Schon früh habe er begonnen, Wörter zu hinterfragen und ihnen zu misstrauen. Wie konnte der Mond im Spanischen weiblich sein und im Deutschen männlich? Was suchte das Wörtchen „doch“ im Dreikönigs-Singvers von König Caspar: „Ich habe ein schwarzes Gesicht, doch drinnen im Herzen ist Weihnacht und Licht“? Je länger er darüber nachgedacht habe, desto mehr habe er gegen dieses „doch“ aufbegehrt, so Oliver. Indes sei ihm schon als kleiner Junge klar gewesen, dass er einmal ein „Heimatdichter“ werden wollte. Ein Vers, den er als Zehnjähriger geschrieben hatte, lieferte den Beweis.

Die Veranstaltungen des Hebelbunds stehen seit vielen Jahren unter dem Motto „Der ganze Hebel soll es sein“. Nachdem im vergangenen Jahr der Theologe Hebel im Mittelpunkt stand, geht es in diesem Jahr vermehrt um den Dichter. Den sprachlich-stilistischen Könner Hebel beleuchtete Achim Aurnhammer, Germanistik-Professor an der Uni Freiburg, in seinem Festvortrag über „Hebels Gespenstergeschichten im Kontext der Aufklärung“.

Hebel machte sich in seinen Geistergeschichten das damalige Schauerfaible zunutze und enttarnte in klassischer Aufklärermanier immer wieder die weltliche Ursache hinter einem zunächst übernatürlich wirkenden Ereignis. Aber die aufklärerischen Rationalisierungen waren nicht immer eindeutig, wie Aurnhammer anhand der Geschichte „Tod vor Schrecken“ zeigte. Oft band er merkwürdige Begebenheiten mit dem Rationalen zusammen, dies vielfach durch erzählerische Kunstgriffe wie etwa die Spannung von Rahmen- und Binnenerzählungen. So überließ es Hebel dem Leser, die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Der Hebelsonntag hatte mit einem Gottesdienst von Pfarrer Matthias Weber begonnen. In der Evangelischen Stadtkirche spielte Organist Herbert Deininger Musik aus der Zeit Hebels, im Hebelsaal war es der junge Gitarrist Sergey Fedorov, der das Schatzkästlein musikalisch begleitete.

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