Lörrach Hintersinnige Betroffenheitsgaudi

Oberarzt und Oberbarde Georg Ringswandl mit jugendgerechtem Outfit und schräger Kommunikation Foto: Willi Vogl Foto: Die Oberbadische

Von Willi Vogl

Lörrach. „Du gackerst noch ganz fröhlich deine Lieder, aber schon greift man dir ins Gefieder“, ermahnt Georg Ringswandl in „Chickenass be watchfull!“ die menschlichen Hühnerhintern zur Wachsamkeit. Drastische Fabeln, skurrile Liebesliedern und dadaistisch eingefärbte Gesellschaftskritik bot der bayerische Liedermacher dem Lörracher Publikum im Burghof. Bei seinem inzwischen 15. Bühnenprogramm „Mehr Glanz!“ wurde er musikalisch durch die „Rheintalbuben“ Daniel Stelter (Gitarre, Mandoline), Sebastian Flach (Bass) und Tommy Baldu (Schlagzeug) unterstützt.

Ringswandls Lust am Aufzeigen absurder Situationen führt ihn immer wieder in intimste Lebensbereiche. Da berichtet jedoch kein Voyeur, sondern ein von der Normalität des Lebens Betroffener. Nicht als Oberlehrer will Ringswandl ernst genommen werden, sondern vielmehr als ernsthafter Bühnenblödel. Glaubwürdig und oft mit messerscharfer Umgangssprachlichkeit seziert der ehemalige Oberarzt seine Stoffe.

So berichtet er von einem befreundeten Halbgott in Weiß, der sich bei ihm wegen chronischer Geldknappheit ausheulte. Er müsse nun ein Jahr lang seinen Porsche länger fahren, bis sein neues Geschäftsmodell mit den Vorständen von Dax-Konzernen als Privatpatienten anliefe und er sich ein neues Auto leisten könne.

Persönliche Erlebnisse führen bei Ringswandl oft zu bizarren Moderationen. So war man gespannt auf ein Liebeslied, das er unter Zwang schrieb. Grund dafür war die derbe Beschimpfung einer Politesse, der er ein Ticket für Falschparken verdankte. Die Titulierung als „aufgedunsene, aufgeblähte Monsterblunzen“ sollte ihn in die Einzelhaft mit der Amtsbeleidigten führen. Als Ersatzstrafe wählte er die Komposition des Liebeslieds „Sie ist die Vroni von der verkehrsberuhigten Zone“.

Eine moderne „Hüftfunktionshose“

Eingebildet ist der Barde mit der legeren Kopfbedeckung ja nicht. Früher trug er ein Outfit, das von der Caritas den Obdachlosen gegeben wurde und erst wenn die es weggeworfen haben, taugte es für seine Bühnenprogramme. Da mochte sich manche Frau von ihrem mitgebrachten Mann denken: „Da hab ich mit dem Meinen aber Glück gehabt.“ Im aktuellen Programm ist er mit einer modernen „Hüftfunktionshose“ gekleidet, die es ihm erlaubt, die Hände beim Grüßen auf Hüfthöhe in den Taschen zu lassen. Das sei cool und jugendlich und die Frauen sagen zu ihren mitgebrachten Männern: „Du schau, sieht der gut aus!“.

Vom großen Geschäft der Wirtschaftsbosse bis zum „Big Business“ auf der Toilette ist dem musikverbundenen Kardiologen nichts heilig. Vor allem wenn er von den wesentlichen Dingen des Lebens erzählt, geht’s mit Gitarre, Zither und Keyboard begleitet, ans Herz und an die Nieren. Irgendwie könnte alles besser sein. Mehr Anerkennung in der Arbeit, die Kinder fitter in der Schule, die Frau freundlicher, der Mann ordentlicher, die Figur besser. Es könnte runder laufen im Leben, alles etwas mehr leuchten. Letztlich wollen alle einfach „Mehr Glanz!“.

Wenngleich nicht alle Texte Ringswandls auf Hochglanz poliert waren, fühlte sich das Publikum durch hintersinnige bis hinterfotzige Betroffenheitsgaudi allzeit bestens unterhalten. Gern hätte man jedoch auch die auf rockig aufgerauten Pop abonnierten „Rheintalbuben“ stärker gespürt. Bis auf wenige punktgenaue klangliche Verknüpfungen, wie einer arabischen Melodie bei der Geschichte eines Beitrags der Integrationsministerin zur Koalitionshymne, waren sie auf die Funktion von musikalischen Stichwortgebern reduziert.

Die öffentliche Anerkennung als Zitherspieler sei übrigens minimal. Auch wenn dann mal eine Frau sagt, „Mei, spielt der aber schön!“, muss man demütig bleiben. „Du weißt nicht, wie sie aussieht.“ Der Zitherspieler und grantelnde Charmeur Ringswandl fand auch im Lörrach Anerkennung. Nicht nur die anwesenden Frauen erklatschten sich drei Zugaben.

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