Lörrach Hörgenuss abseits des Üblichen

Die Oberbadische, 11.02.2018 20:49 Uhr

Von Veronika Zettler

Lörrach. Der Erste aus Kanada, der Zweite aus dem Ruhrpott, der Dritte aus dem Schwarzwald: „Das kann ja nur gut werden“, mutmaßte ein Zuhörer zu Beginn des Konzerts am Freitag im Lörracher Jazztone. Und so war es dann auch.

„Organic Earfood“ nennt sich das Trio mit dem Pianisten und Organisten Bernie Senensky, dem Vibraphonisten Stefan Bauer und dem Schlagzeuger Peter Baumgärtner. Allein schon die allzu selten gebildete Allianz von Vibraphon und Hammond-Orgel – in diesem Fall der reisetauglichen Variante „Sk2“ – machte das Konzert zu einem Hörgenuss abseits des Üblichen. Umso mehr, als sich das Trio hier und da auf experimentelles Terrain wagte. Zugleich lieferte Stefan Bauer in seinen Ansagen Wissenswertes über Hammond-Organisten, Vibraphone und die Jazztraditionen in Kanada.

Von Recklinghausen über Kanada nach New York

„Wir spielen ein paar Eigenkompositionen, ein paar Stücke von anderen Leuten und ein paar Jazzstandards“, kündigte Bauer an. Der weit gereiste Vibraphonist aus Recklinghausen ist seit 17 Jahren in New York zu Hause, hat aber auch lange in Kanada gelebt. In Winnipeg, der Hauptstadt der kanadischen Provinz Manitoba und eine Metropole auch in Sachen Jazz, lernte er den von dort stammenden und in Toronto lebenden Pianisten und Organisten Bernie Senensky kennen.

Früher sei es in Toronto üblich gewesen, dass die Leute an Wochenendabenden essen gingen und hinterher in einem der vielen Jazzclubs landeten. „Dafür musste man nicht unbedingt Jazz lieben“, so Bauer.

Bernie Senensky, heute 73, hat damals in den Torontoer Clubs alles begleitet, was Rang und Namen hat, darunter Legenden wie Art Blakey, Chet Baker oder Dizzy Gillespie. Seine Mitmusiker charakterisieren ihn als „mit allen Wasser gewaschener, moderner Bebop-Pianist, der auch eine freiere, Post-Coltrane-Seite“ hat. Nachvollziehbar wurde diese Einschätzung etwa in seinen Stücken „Blues For E. J.“ oder „Better Late Than Never“, einer der Nummern, in denen auch die linkshändig gespielten kraftvollen Basslines zur Geltung kamen.

Senensky und Bauer, von dem aus St. Georgen stammenden Schlagzeuger Peter Baumgärtner extrem feinfühlig begleitet, zeichneten immer wieder neue Klanggemälde: Mal in vielschichtigen, volltönenden Dialogen, dann wieder lässig miteinander groovend. Im harmonischen Zusammenklang der schwebenden Töne ihrer beiden quasi dem Orgelpfeifenprinzip verpflichteten Instrumente förderten sie beständig wechselnde Facetten zutage.

Die Jazztone-Empore ermöglichte einmal mehr die Draufsicht auf komplex-komplizierten Spieltechniken. Etwa die von Stefan Bauer, der mal in flottem Tempo das akkordisch vertrackte Spiel mit vier Schlegeln, dann wieder mit zwei Schlegeln improvisierte bebopartige Linien spielte. Sein Vibraphon, erzählte er, gehörte früher dem im Jahr 2005 verstorbenen Kölner Jazzvibraphonisten Christoph Eidens. Ihm hat er das melancholische Stück „Long Shadows“ gewidmet, das im Jazztone ebenso gut ankam wie seine fröhliche, von einer Afrika-Reise inspirierte Komposition „Yakaranda“ und die vielbeklatschte Zugabe, Duke Ellingtons „Isfahan“.

 
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