Lörrach Hoffen auf die digitale Lösung

Marion Ziegler-Jung Foto: zVg Foto: Die Oberbadische

Lörrach - Marion Ziegler-Jung bleibt auf diplomatischem Terrain: „Dies wäre sicher nicht die erste Maßnahme der Wirtschaftsförderung gewesen“, sagte die Geschäftsführerin der WFL im Gespräch mit unserer Zeitung. Seit Anfang des Jahres gilt eine Bagatellgrenze in Höhe von 50 Euro für die Rückerstattung der Mehrwertsteuer für Kunden aus Nicht-EU-Ländern – für Lörrach bedeutet dies in allererster Linie: für Kunden aus der Schweiz.

Unklarheiten in Einzellfällen

Rund 30 Prozent des Einzelhandels-Umsatzes in der Stadt Lörrach werde von Eidgenossen gemacht – der Anteil variiere je nach Branche. Sie sehe die Einführung dieser Grenze mit Skepsis, sagt Ziegler-Jung. Zum Lörracher Umland gehöre nun mal zu einem erheblichen Teil die Schweiz. Von dieser Konstellation profitierten nicht zuletzt Kunden aus Deutschland. Denn: Die Attraktivität des hiesigen Einzelhandels – von den großen Magneten bis zu kleinen, inhabergeführten Geschäften – sei auch auf die Nachfrage der Nachbarn jenseits der Grenze zurückzuführen. Für eine 50 000 Einwohner-Stadt seien sowohl Vielfalt als auch Tiefe der Sortimente außergewöhnlich.

Sollte sich die Bagatellgrenze dauerhaft negativ auf das hiesige Geschäftsleben auswirken, würden dies auch deutsche Verbraucher spüren: „Ich wäre dankbar, wenn negative Befürchtungen nicht eintreffen würden.“ Das betreffe sowohl harte Zahlen als auch weiche Faktoren wie das grenzüberschreitende Klima.

Sie bewege sich wesentlich lieber in einer Innenstadt, in der sie als Kundin mitunter vor dem Bezahlen kurz warten müsse, als in einem weitgehend leeren Stadtzentrum, sagt Ziegler-Jung mit Blick auf die gelegentlich geäußerten Beschwerden über die grüne Zettelwirtschaft der Schweizer an Lörracher Ladenkassen. Es sei im Übrigen keineswegs so, dass Kunden aus der Schweiz ausschließlich größere Einkäufe in der Lerchenstadt tätigten. Sie schätzten auch „das Individuelle“, die Aufenthaltsqualität und den Besuch kleinerer Geschäfte, in denen die Endbeträge meist unter 50 Euro liegen.

Deshalb könnte sich die Bagatellgrenze gerade für die „Kleineren“ potenziell eher zu einem ernsteren Problem entwickeln, als für größere Akteure im hiesigen Einzelhandel.

Was den Umgang mit der Bagatellgrenze derzeit zusätzlich verkompliziere: Im Einzelfall gibt es immer noch Unklarheiten. „Man hätte sich gewünscht, dass diese im Vorfeld geklärt worden wären“, so Ziegler-Jung. Das gilt unter anderem, wie der Handelsverband Südbaden skizziert, für die Handhabung der Summe bei mehreren Kassenbelegen, den Umgang mit Gutscheinen und das Erreichen der Wertgrenze mit (Getränke-)Pfandzahlungen.

Ziegler-Jung hofft unterdessen auf die möglichst baldige Umsetzung digitaler Lösungen, mit denen die Situation verlässlich „entschärft“ werden könne.

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