Lörrach Im Kuriositätenkabinett Deutschland

In vier Szenen, hier beim gemeinsamen Familienessen, zeigte Tempus fugit „Kuriositäten aus Deutschland“. Foto: Silvia Waßmer Foto: Die Oberbadische

Lörrach (was). Ein junger Mann kommt mit einer Einkaufstüte auf die Bühne. Er macht sie auf und nimmt eine zweite, kleinere Tüte heraus. Aus dieser wiederum holt er eine weitere Verpackung, in der in einer nochmaligen Plastikfolie ein Apfel eingewickelt ist. Diese und weitere kleine, für jemanden, der zum ersten Mal nach Deutschland kommt, vielleicht merkwürdig erscheinende Szenen zeigte das Freie Theater Tempus fugit in Kooperation mit dem Freundeskreis Asyl am Mittwoch bei der Theater-Performance „Willkommen! - Kuriositäten aus Deutschland“.

„Wir haben uns am Anfang mit den Flüchtlingen aus der Gemeinschaftsunterkunft Gretherstraße getroffen und sie gefragt, was sie hier seltsam finden“, erzählte Laura Jacob von Tempus fugit über die Entstehung der einzelnen Ausschnitte, die von unterschiedlichen Teammitgliedern inszeniert wurden. „Die Gambianer fanden es zum Beispiel komisch, dass bei uns alles verpackt ist“, erklärte sie weiter und ergänzte, dass die Schauspieler die Supermarkt-Szene daher absichtlich etwas übertrieben hätten: Am Ende wird dort nämlich sogar der Konsumenten selbst verpackt.

Mit stakkatoartigem Tippen und Tackern, Nummern ziehen, ewigem Warten und anschließendem Herumirren auf der Suche nach der richtigen Anlaufstelle, stellten die Akteure zudem in einer Szene einen Behördengang dar. „Ich denke, dass ist nicht nur etwas, was Leuten, die neu nach Deutschland kommen, so geht“, wandte sich Jacob an das Publikum und forderte dieses sowie die Flüchtlinge auf, an einem Spiel teilzunehmen. Im Kreis aufgestellt schickte sie einen „Klatscher“ los, den die Mitspieler durch eigenes Klatschen weitergaben. Auch zwischen anderen szenischen Darstellungen lud das Team von Tempus fugit die Zuschauer zum Mitmachen ein. Weitere Spiele forderten das schauspielerische Talent der Teilnehmer, die Fantasie und die Geschicklichkeit.

Um das Thema „Vorurteile“ drehte sich indessen die nächste Szene, die den Besuch eines ausländischen Freundes der Tochter bei einem Familienessen darstellte. Die Kommunikation am Esstisch ist schwierig, teilweise missverständlich und peinliche Momente bleiben dabei nicht aus – bis Vater und Freund im Fußball schließlich einen gemeinsamen Nenner finden. Sowohl positive als auch negative Vorurteile würden hier gezeigt, erklärte Jacob und ergänzte, dass oft „schnell falsche Rückschlüsse“ gezogen würden.

Die Schwierigkeit in Deutschland neue Freundschaften zu schließen, von der die Flüchtlinge ebenfalls berichteten, setzte das Team von Tempus fugit in einer weiteren Szene künstlerisch mit Einsatz von grüner und roter Farbe um. Wirkte diese zunächst noch abgrenzend, wurde sie später vermischt und verband schließlich die unterschiedlichen Akteure miteinander.

Das Theaterprojekt von Tempus fugit und dem Freundeskreis Asyl in Kooperation mit den Flüchtlingen soll im kommenden Jahr fortgesetzt werden.

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