Lörrach In eigene Bilder eintauchen

Lörrach- Wie schreibt man ein Buch? (Erst mal lange nachdenken.) Dürfen in Kinderbüchern auch mal Schimpfwörter vorkommen? (Ja klar!) Und braucht es in Zukunft überhaupt noch Bücher, die einfach Geschichten erzählen? (Ganz unbedingt!)

Wie denkt und fühlt man als Kind?

Erfrischend klare Ansagen und einen lebendigen Einblick ins Dasein eines Kinderbuchautors gab es auf der Lörracher Kinderbuchmesse von Kinderbuchautor und Übersetzer Salah Naoura am Sonntag im Gespräch mit der künstlerischen Messe-Leiterin Birgit Degenhardt.

„Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie ich als Kind gedacht und gefühlt habe“, schildert Naoura auf die Frage, wie man sich (als mittlerweile doch erwachsener Autor) dem Inhalt, der Sprache und den Figuren eines Kinderbuches annähert: „Man schreibt für das Kind, das man selber einmal war.“ Das Ausdenken einer Geschichte nimmt dabei den meisten Raum ein, so Naoura weiter: „Ich denke sehr lange nach, bevor ich das erste Wort schreibe. Das Schreiben selbst geht dann ziemlich schnell.“ Dabei brauche man sicher keinen Bogen um, schwierige Dinge′ zu machen, ist Naoura überzeugt – weder in der Sprache noch im Inhalt. „Ernst und unterhaltsam passt sehr gut zusammen“, befindet der Autor – und die übertrieben schlichte Sprache muss es auch für ein Kinderbuch nicht sein: Es ist wichtig, dass man Kinder auch fordert.“ Das heißt wiederum nicht, dass die Sprache klinisch rein sein muss: „Kinder haben ein Recht auf Schimpfwörter“, schmunzelt Naoura – „Der Arsch der Welt′ ist doch zum Beispiel was ganz normales.“

Kinder haben ein Recht auf Schimpfwörter

Wie Naoura beim Bücherschreiben so in sich selbst hineinhorcht, und sich und den Kids in seinen Geschichten vielleicht auch mal etwas abfordert, steht er ein wenig im Gegensatz zur den Verlagen auf dem deutschen Buchmarkt: Die haben – den vermeintlichen Verkaufserfolg im Blick – meist sehr konkrete Vorstellungen davon, was die Autoren und Illustratoren liefern sollen, bedauert der Autor. Viele Verlage setzten auf das, was sich schon einmal gut verkauft hat. Und so kommt’s eben, dass irgendwann auch noch das „-zigste Piratenbuch“ und die dutzendste Feenstory im Buchladen landet. Um da mit eigenen Ideen durchzudringen, brauche es viel Kraft, bedauert der Kinderbuchautor, und fordert mehr Offenheit und Vertrauen: „Glaubt mal euren Autoren und Illustratoren!“, so sein Appell an Buchverlage und auch -händler. Ebenso klarer Aufruf an die Eltern: „Lesen Sie Ihren Kindern vor, so oft es geht!“

Bücher und Geschichten brauche es auch in Zukunft unbedingt, findet Naoura: Gerade in einer Zeit der überbordenden visuellen Eindrücke von außen ist es ungemein wichtig, sich seine ganz eigenen Bilder und das Kopfkino zu trainieren. Und eben darum geht es ja beim Lesen.

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