Lörrach Indizien und Ungereimtheiten

Gottfried Driesch
Am 19. Oktober 2021 wurde die Sparkasse überfallen. Der Täter erbeutete Geld, niemand wurde verletzt. Foto: Kristoff Meller

Von Gottfried Driesch

Lörrach. Durch einen Einzeltäter wurde am 19. Oktober des vergangenen Jahres ein Überfall auf die Hauptstelle der Sparkasse Lörrach Rheinfelden verübt. Stundenlang kreiste der Polizeihubschrauber über Lörrach, um den Täter zu finden (wir berichteten). In dieser Woche begann die Hauptverhandlung gegen den 29 Jahre alten mutmaßlichen Täter vor dem Schöffengericht Lörrach.

Der Angeklagte bestreitet vehement, den Überfall begangen zu haben. Nach der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft hatte der Täter gegen 11 Uhr des Tattages, bekleidet mit einer dunklen Jacke und Mütze, den Schalterraum der Sparkasse betreten. Wie es damals Vorschrift war, trug er eine medizinische Maske, so dass zunächst niemand auf den Mann aufmerksam wurde. Vor dem Schalter zog er eine Pistole, reichte dem Kassierer einen Turnbeutel und forderte: „Alles rein! Alles! Alles“. Der Kassierer habe das Geld, auf das er in diesem Moment zugreifen konnte, in den Beutel gepackt.

Als sich der Räuber auch an den benachbarten Bankschalter wandte, habe die Kassiererin nur abgewinkt. Der Räuber habe sich danach durch den Seitenausgang der Sparkasse entfernt.

Die Polizei hatte kurz danach in der Unterführung Luisen-/Mauerstraße eine Jacke gefunden, die so aussah wie sie der Täter getragen hatte. An dieser Jacke wurden DNA-Mischspuren von vier Männern gefunden. Eine der Spuren sei aber nahezu zweifelsfrei von dem Angeklagten verursacht worden, so die Aussage einer Sachverständigen.

Die beiden Bankmitarbeiter hatte übereinstimmend ausgesagt, dass die Aussprache der wenigen Worte des Täters auf eine Herkunft aus Osteuropa schließen ließen. An Hand der Überwachungsvideos hatte die Polizei die Größe des Täters auf 173,6 Zentimeter vermessen. Der Angeklagte ist 174 Zentimeter groß. Eine anthropologische Gutachterin kam nach den Videobildern zu dem Schluss, dass der Angeklagte mit mittlerer Wahrscheinlichkeit der Täter ist. Durch das schlechte Bildmaterial und die getragene Maske sei eine zweifelsfreie Aussage leider nicht möglich.

Die Durchsuchung der Wohnung des Angeklagten förderte eine Softair-Pistole, die möglicherweise die Tatwaffe gewesen war, zu Tage. Nicht aber weitere Kleidungsstücke, die bei der Tat getragen wurden, oder das Geld aus der Beute.

Der Angeklagte gilt als spielsüchtig und hat Schulden in vierstelliger Höhe. Nach der Tat wurden diese Schulden nicht bezahlt.

Die Verhandlung wird fortgesetzt. Wir berichten weiter.

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