Lörrach Innenstädte brauchen Vielfalt

Die Oberbadische

Unsere Innenstädte müssen bunter und vielfältiger werden, wenn sie trotz Corona und dem Trend zum Online-Handel attraktiv bleiben sollen. Diese Botschaft diskutierte der Stadt- und Regionalplaner Donato Acocella beim Montagabendgespräch der Stadt mit Lörracher Händlern, einzelnen Gemeinderäten und einigen Bürgern.

Von Regine Ounas-Kräusel

Lörrach. „Die Innenstädte, wie wir sie kennen, sind erst 50 Jahre alt“, sagte Acocella in seinem Impulsreferat. Befürchtungen, dass die Stadtzentren wegen Corona und dem zuvor schon expandierenden Onlinehandel veröden werden, trat er entgegen. 2015 habe der Einzelhandelsverband vorhergesagt, dass wegen des Onlinehandels in Zukunft 50 000 Geschäfte schließen müssten. Tatsächlich schlossen bis 2020 nur rund 29 000 Läden, also gut halb so viele.

Acocella machte den Zuhörenden Mut, sich dem Wandel zu stellen. „Wenn alles bleiben soll wie es ist, muss sich etwas ändern“, lautete der Titel seines Referats. Corona wirke in diesem Wandel nur als „Brandbeschleuniger“.

Er empfahl, die Innenstädte nicht nur als Einkaufsorte zu planen, sondern als Orte der Begegnung, wo auch Kultur und Soziales Platz haben. Warum sollte man nicht in den teuersten 1A-Lagen eine Kita, einen Seniorentreff oder ein Café für alle einrichten – ähnlich dem neu eröffneten Café Kreuzweg in der Teichstraße, fragte er.

Dafür müssten die Städte allerdings Immobilien aktiv ankaufen oder mieten, so der Referent. Als Beispiel nannte er das Haus Sonne am Alten Markt. Nachdem die Wohnbau es gekauft habe, konnte dort die Buchhandlung Osiander einziehen – eine Bereicherung für die Stadt, so Acocella.

Er erinnerte daran, dass die Innenstädte im antiken Griechenland und Rom öffentliche Orte waren. Auch im Mittelalter hätten Rathaus, Kirche und Handwerk die Städte geprägt, während die Händler den Marktplatz abends wieder verließen.

Bei der anschließenden Podiumsdiskussion, die Bürgermeisterin Monika Neuhöfer-Avdic moderierte, schlugen Peter Vogl (Sport Müller), Anke Leumann-Runge (Bahnhofsapotheke) und Hans-Werner Breuer (Möbelhaus Becker, Vorsitzender Pro Lörrach) vor, wie die Händler selbst auf den Wandel des Stadtzentrums reagieren können. Vogl wollte seine Verkaufsfläche und sein Sortiment überprüfen, ebenso seinen Standort im Zentrum. Leumann-Runge empfahl, dass Geschäfte ihre Kunden mit einem breiten Sortiment glücklich machen und dafür im Internet werben.

Die Händler hatten aber auch Forderungen an die Stadt: Ihre Geschäfte müssten mit allen Verkehrsmitteln, auch mit dem Auto, gut erreichbar sein, sagten sie. Leumann-Runge wünschte sich Abstellplätze für Autos und Fahrräder am Rand des Zentrums. Angesichts der vielen Baustellen sollten Schilder die Kunden in die Stadt leiten.

Mit Blick auf die Autos gab Acocella in Zeiten des Klimawandels zu bedenken: Wer nicht bei 35 Grad und 90 Prozent Luftfeuchtigkeit schwitze wolle, brauche Freiflächen in der Stadt.

Die Schülerin Lena Konrad lobte die Aufenthaltsqualität der Lörracher Fußgängerzone. Schließlich sei es für viele Jugendliche fast ein Event, shoppen zu gehen, meinte sie. Sie wünschte sich auch einen Treffpunkt für Jugendliche im Stadtzentrum.

Breuer lud sie und ihre Mitschüler zum Gespräch ein: „Ich möchte lernen, die jungen Kunden zu verstehen.“

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